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20.11.2012

Erstes EU Projekt im 7. Forschungsrahmenprogramm an der Hochschule Anhalt

Forschungskooperation zur landwirtschaftlichen Nutzung von Bio-Effektoren gestartet

Am 1. September 2012 startete das erste EU-geförderte Großforschungsprojekt zur Entwicklung alternativer Düngungsstrategien an der Hochschule Anhalt. „Ressourcenschonung in der europäischen Nutzpflanzenproduktion durch Verwendung von BIOefFEKTORen“ (BIOFECTOR) ist ein herausragendes Projekt im 7. Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union. Es wird von der Universität Hohenheim koordiniert. Das Center of Life Sciences der Hochschule Anhalt sowie der Fachbereich 1 – Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung – mit dem Institut für Bioanalytische Wissenschaften (Leiter: Prof. Dr. Ingo Schellenberg) ist einer von 22 Forschungspartnern aus 10 EU-Ländern und Israel.

Der Hintergrund für dieses Forschungsprojekt liegt in der Deckung des steigenden Nahrungsmittelbedarfs der wachsenden Weltbevölkerung, welcher wegen begrenzter Verfügbarkeit fruchtbarer, landwirtschaftlich nutzbarer Böden, eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte darstellt.

Eine Ressourcen-schonende Landnutzung erfordert die Entwicklung nachhaltiger Strategien zur Nährstoffversorgung von Kulturpflanzen als Alternative zur herkömmlichen Verwendung von Mineraldüngern, die fast ausschließlich durch die Ausbeutung nicht-erneuerbarer Rohstoffe, wie z.B. Phosphatgestein, erzeugt werden. BIOFECTOR ist ein integriertes Projekt mit der Zielsetzung, neue Ansätze für die Nutzung von „Bio-Effektoren“ zu entwickeln. Dabei handelt es sich um lebende Mikroorganismen und natürliche Wirkstoffe mit der Fähigkeit, die Nährstoffaneignung und damit das Wachstum und die Stresstoleranz von Kulturpflanzen zu verbessern. Mit Hilfe solcher Bio-Effektoren soll die Produktivität und Nährstoffausnutzung alternativer Dünger optimiert werden. So z.B. im biologisch-organischen Landbau, bei der Verwendung von Recyclingdüngern und bei platzierter Düngung direkt im Wurzelbereich, der sog. Rhizosphäre. Die strategische Kombination solcher alternativer Düngungsmethoden mit speziell an die jeweilig vorherrschenden Standortbedingungen angepassten Bio-Effektoren soll dazu beitragen, den Einsatz von Agrochemikalien zu reduzieren und eine nachhaltige und umweltfreundliche landwirtschaftliche Produktion zu entwickeln. Die im Projekt untersuchten und angewendeten Bio-Effektoren umfassen u.a. Pilze und Bakterien der Rhizosphäre, für die bereits Wachstums-fördernde und Nährstoff-mobilisierende Eigenschaften dokumentiert sind. Die Versuche werden an den bedeutenden Kulturpflanzen Mais, Weizen und Tomate durchgeführt.

Der Beitrag der Hochschule Anhalt liegt im speziellen Bereich der pilzlichen Bio-Effektoren (Mykorrhizapilze, speziell Arten der Trichoderma und Sebacinales). Die Arbeit der Forschergruppe um Prof. Schellenberg umfasst die Herstellung lebensfähiger und haltbarer Pilzgranulate, die mit herkömmlichen Landmaschinen als Dünger ausgebracht werden können und als Bio-Effektoren das Pflanzenwachstum fördern. Tests zur Auswirkung von Kombinations- und Synergie-Effekten und die Durchführung von Freilandversuchen mit den entwickelten Produkten sind auf einem europaweiten Netzwerk landwirtschaftlicher Flächen geplant, darunter auch der Standort Bernburg der Hochschule Anhalt.

Das Projekt hat eine Laufzeit von fünf Jahren und wird mit 6 Millionen Euro im 7. Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union (FP7/2007-2013) unter der Fördernummer 312117 unterstützt.

 

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Ingo Schellenberg
Tel.: 03471 -355 1188
E-Mail: i.schellenberg@loel.hs-anhalt.de