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Wie drei Absolventen der Hochschule auszogen, um mit einer App die Welt der Landschaftsplaner auf den Kopf zu stellen

„Mein Blumenplaner“ im Interview 

 

Paula wünscht sich einen schönen Garten. Individuell soll er sein, pflegeleicht und trotzdem raffiniert – kurz: Die Nachbarn sollen vor Neid erblassen! Aber was tun, wenn der eigene grüne Daumen fehlt, ein Landschaftsarchitekt zu teuer ist und der Baumarkt sich nicht zuständig fühlt? Die Lösung ist einfach: „Mein Blumenplaner“, eine datenbankbasierte Software, die den Pauls und Paulas dieser Welt in kürzester Zeit den Traum vom eigenen Gartenparadies erfüllt. Umgesetzt wurde die Software von den Hochschule Anhalt-Absolventen Judith von Malottki, Daniel Jachmann und Alexander Gottschall.

 

einBlick: Hallo ihr Drei! Auf den ersten Blick scheint eure Geschäftsidee recht unspektakulär, schließlich gibt es Gartenplaner wie Sand am Meer. Was macht „Mein Blumenplaner“ so besonders und wie grenzt ihr euch von den Wettbewerbern ab?

 

Judith von Malottki: Wir verfügen über einer Datenbank und einen Algorithmus, die beide aus einem Forschungsprojekt des Fachbereichs Landschaftsarchitektur hervorgingen und mit denen sich fachlich korrekte Bepflanzungspläne für beliebige Grundrisse berechnen lassen. Keine der derzeit auf dem Markt verfügbaren Software-Lösungen besitzt dieses Fachwissen und garantiert eine fachlich richtige Gestaltung per Mausklick. Stattdessen werden Pflanzen aus einem bestehenden Pflanzenkatalog gewählt und nach eigenem Gutdünken positioniert. Ob ausreichend Licht vorhanden ist oder sich zwei Pflanzen verdrängen, wissen die meisten Laien aber gar nicht. „Mein Blumenplaner“ berücksichtigt diese Dinge und sorgt für ein ästhetisches Gesamtbild.

einBlick: Euer Team besteht aus einer Betriebswirtin und zwei Informatikern – wie fandet ihr zueinander und wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

JvM:Im Wahlpflichtkurs „Existenzgründung“ bei Prof. Dr. Fussan erzählte Christian Schöne vom FOUND IT! Gründerzentrum über das BMBF-Forschungsprojekt „CAD-DIBP“ (FHprofUnt, 2008-2011, M. Heins, Prof E. Kretzler, Prof. W. Kircher, Anm. d. Red.)und der damit verbundenen Geschäftsidee. Er meinte, es fehle BWL-Know-how, um aus der Idee einen richtigen Businessplan zu entwickeln. Da ich für den Kurs ohnehin einen schreiben musste und die Idee interessant fand, sagte ich zu. Je mehr ich mich dann mit dem Projekt beschäftigte, desto spannender fand ich es und desto mehr Potenziale entdeckte ich. Nach kurzer Zeit war mir klar, diese Geschäftsidee möchte ich auch wirklich umsetzen. Ich wusste allerdings auch, wieviel Arbeit, insbesondere aus IT-Sicht, noch erforderlich war, um den beschriebenen Prototypen bis hin zur Marktreife zu entwickeln. Von da an ging ich auf die Suche nach geeigneten Informatikern, was sich als unglaublich schwierig erwies. Ich schaltete die Suche über Facebook, die Arbeitsagentur, Hochschul-E-Mail-Verteiler und plakatierte diverse Tafeln auf dem Campus. Die Informatiker, mit denen ich sprach, waren gründungsfaul und auch einfach zu ängstlich. Viele haben die Besonderheit der Softwarelösung einfach nicht verstanden und waren entsprechend nicht von der Geschäftsidee überzeugt. Umso froher bin ich, dass ich nach mehr als einem Jahr der Suche die geeigneten Gründungspartner über FOUND IT! gefunden habe. 

 

Alexander Gottschall: Daniel und ich wollten uns schon seit einiger Zeit selbstständig machen. Daher kontaktierten wir das Gründerzentrum, das uns mit Judith bekannt machte.

 

Daniel Jachmann:Die Arbeitsteilung war dann relativ schnell klar: Judith ist das Gesicht nach außen und übernimmt auch jedwede Aufgabe im Bereich BWL und Marketing. Alex und ich schrauben primär an der Technik.

 

einBlick: Ihr habt im Mai dieses Jahres endlich die Zusage für das EXIST-Gründerstipendium bekommen, hierfür noch einmal Gratulation! Wie schätzt ihr persönlich das Programm ein?

 

JvM: Ich bin unglaublich stolz, dass unser Projekt durch das EXIST-Gründerstipendium gefördert wird. Es ist ein bedeutender Meilenstein, auf den ich bereits seit Beginn des Projektes hin gearbeitet habe. Die Kriterien zur Vergabe von EXIST-Stipendien sind sehr hart.Der Erhalt vom Zuwendungsbescheid ist dementsprechendfür mich mit Abstand der größte Erfolg, den wir bisher erreicht haben. Die Außenwirkungen von dem EXIST-Gründerstipendium sind erstklassig und der Aspekt, dass wir gefördert werden, erhöht die Wahrnehmung unseres Projektes bei Geschäftspartnern, Investoren und in der gesamten Gründerszene enorm. Außerdem reduziert die Förderung unseren Kapitalbedarf für Personalausgaben, die bei einem 3-Personen-Team schon erheblich sind. Wir können uns nun endlich rund um die Uhr um unser Gründungsprojekt kümmern, was vorher unmöglich war.

 

AG: Das ist praktisch geschenktes Geld. Ist zwar mit etwas Bürokratie verbunden, aber die Vorteile überwiegen stark.Ich kann es jedem nur empfehlen.

 

DJ: Das EXIST-Stipendium finanziert uns unseren Lebensunterhalt sowie Anschaffungen für das Unternehmen für ein Jahr. Die wichtigsten Ausgaben sind damit abgedeckt. Deshalb bin ich insgesamt zufrieden mit der Förderung, auch wenn man natürlich nie genug Geld haben kann. (lacht)

 

einBlick: Ihr wart außerdem in diesem Jahr auf der CeBIT vertreten und wurdet im IKT-Wettbewerb geehrt. Was nehmt ihr außer den Preisgeldern noch von solchen Wettbewerben mit?

 

JvM: Die Prämierung unseres Projektes ist immer wieder einetolle Bestätigung, dass sich unser Projekt in die richtige Richtung entwickelt. Neben den Preisgeldern erhält man auch immer ein ausführliches Feedback und Kritik, die einen wirklich im Projekt voran bringt.Man zeigt sich in der Gründerszene und kann sich dort einen Namen machen und den Bekanntheitsgrad des Vorhabens steigern. Das Networking ist das A und O, sowohl der Austausch mit anderen Gründern als auch die Gespräche mit potenziellen Geschäftspartnern oder wichtigen Personen aus der Gründerszene. Die Erfolge und Teilnahme an diesen Wettbewerben öffneten uns weitere Türen wie bspw. zu Pitching-Veranstaltungen. So konnten wir wiederum Kontakte zu interessanten Investoren knüpfen.

 

AG: Erfolge bei Wettbewerben sind toll und sie öffnen so manche Tür, aber danach kommt es nur noch auch die Idee und das Konzept an, und wie man diese präsentiert. Auf diesen Dingen darf man sich nicht ausruhen.

 

einBlick: Was sind aus eurer Sicht die größten Herausforderungen, denen ihr euch auf eurem bisherigen Gründungsweg stellen musstet, und welche Tipps könnt ihr zukünftigen Gründern geben?

 

JvM:Durchhalten! Die Gründung einer Existenz ist ein langer und harter Weg mitviel Arbeit und erfordert einen langen Atem. Man muss versuchen Niederlagen als Chance zu sehen, sich negativer Kritik nicht verschließen, sondern versuchen, daraus zu lernen – der Erfolg fällt einem nicht zu. So hat es letztendlich auch mit der Zusammenstellung des Gründerteams und dem EXIST-Stipendium geklappt!

 

AG: Für mich war und ist die Suche nach Investoren sowie das Warten auf Antworten – wie z.B. auf den Antrag für das EXIST-Stipendium – die größte Herausforderung. Und natürlich der Firmennamen, das war auch ein hartes Stück Arbeit.

 

DJ: Genau, „trappZONE“ heißt unser Unternehmen nun hoffentlich endgültig.

 

einBlick: Gutes Stichwort: Wie verlief die Investorensuche bis heute und was sind aus eurer Sicht zentrale Punkte, die ihr auch anderen Gründern mitgeben möchtet?

 

JvM:Basierend auf den aktuellen Gegebenheiten können wir recht zufrieden sein. Wir sind in regelmäßigen Gesprächen mit zwei Business Angels und es zeichnet sich immer stärker eine zukünftige und langfristige Zusammenarbeit ab. Wichtig ist die persönliche Überzeugungskraft, Engagement und insbesondere auchLernbereitschaft. Nach ausführlichen Gesprächen zeigt sich immer wieder, dass es von Vorteil ist, Erfahrungen und Tipps von Beratungen anzunehmen. Es geht nicht darum, immer alles genau nach den Vorstellungen der Investoren umzusetzen, aber man sollte nicht beratungsresistent sein. Wer investiert schon ein halbes Vermögen in ein Projekt, das sich langjähriger und bewährter Erfahrungen verschließt und alles schon aus Prinzip besser weiß?

 

einBlick: Welche Meilensteine wollt ihr in den kommenden 12 Monaten erreichen und was gibt es noch zu tun, bis „Mein Blumenplaner“ endlich gekauft werden kann?

 

JvM:Der nächste Meilenstein ist die Unternehmensgründung. Außerdem wird nun ganz gezielt die Finanzplanung in Angriff genommen. Die Sicherstellung der Projektfinanzierung – speziell ab Juni 2015 – hat die oberste Priorität. Ein Jahr vergeht schnell und wir müssen die Zeit nutzen, um einen nahtlosen Übergang von EXIST in die nächste Phase zu erreichen.Wichtig hierfür ist die schnelle Erreichung von Usern und damit dem zielgruppenspezifischen Marketing, um Kunden zu akquirieren. Im Best Case können wir nach der EXIST-Phase bereits mit generierten Umsätzenrechnen.

 

DJ: Während der EXIST-Förderung werden mindestens die Grundversionen für den Garteneditor sowie das professionelle Tool fertiggestellt. Darüber hinaus haben wir bereits viele Erweiterungsfunktionen in der Pipeline, von denen so viele wie möglich noch während der Förderperiode umgesetzt werden, um den Übergang zu „glätten“.