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Gesetzliche Grundlagen der Aufgaben der Gleichstellungsbeauftragten

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin“. (GG, Art. 3 Abs. 2). Um die Gleichbehandlung von Frauen im Beruf und in der Gesellschaft zu fördern, gibt es Gleichstellungsgesetze“, die sich vorrangig auf den öffentlichen Dienst beziehen. In vielen Städten gibt es spezielle Beratungs- und Informationsbüros zur besonderen Unterstützung und Förderung von Frauen. Diese Beratungsbüros heißen oft „Regionalstelle Frau und Beruf“, „Frauenbüro“ oder „Gleichstellungsstelle“. In den meisten Städten und in vielen (großen) Unternehmen gibt es auch sogenannte „Gleichstellungsbeauftragte“, die unter anderem den Auftrag haben, die besonderen Interessen von Frauen zu vertreten.

  • Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

Berufungsverfahren - zentraler Kernbereich der Gleichstellungsarbeit

Bereits 2005 machte der Wissenschaftsrat in seinen Empfehlungen zur Ausgestaltung von Berufungsverfahren deutlich, dass ein durch eine hohe Verfahrenstransparenz und die konsequente Berücksichtigung von Qualitätskriterien gekennzeichnetes Berufungsverfahren einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Chancengleichheit von Frauen bei Berufungen leisten wird. (Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Ausgestaltung von Berufungsverfahren (2005))
Die Gleichstellungsbeauftragte übernimmt im Berufungsverfahren im Wesentlichen die Funktion einer Verfahrenskontrolle. So steht ihr beispielsweise das Instrument einer abweichenden Stellungnahme oder eines Sondervotums zur Verfügung, wenn ihrer Meinung nach eine geeignete Bewerberin nicht zum Probevortrag eingeladen worden ist.
Es gibt verschiedene Stufen in den Berufungsverfahren. In jeder dieser Stufen ist die Gleich-stellung von Frauen und Männern zu berücksichtigen. Bereits bei der Stellenausschreibung ist zu beachten, dass sie Frauen und Männer gleichermaßen anspricht, das schließt unter anderem die Verwendung von weibliche und die männliche Funktions-, Berufs- oder Amtsbezeichnung ein. Die Gleichstellungsbeauftragte hat das Recht, Frauen gezielt anzusprechen und auf die Stellenausschreibung aufmerksam zu machen.
Ein Werkzeug der gezielten Suche geeigneter weiblicher Kandidatinnen gewährleitet die Wissenschaftlerinnen-Datenbank FemConsult, welche das vorhandene Potenzial an qualifizierten Wissenschaftlerinnen (Professorinnen, Privatdozentinnen und promovierten Wissenschaftlerinnen) bündelt. Sie dient der Erhöhung des Frauenanteils bei der Neubesetzung von (Junior)- Professuren und Führungspositionen in Wissenschaft und Forschung. (Datenbank FemConsult)
Die Gleichstellungsbeauftragte ist nicht stimmberechtigtes Mitglied der Berufungskommission. Nach der Sichtung der Bewerbungsunterlagen entscheidet die Berufungskommission über die Einladungen zu Probevorträgen. Bei der Bewertung der Probevorträge sollte die Berufungskommission auch geschlechtsspezifische Besonderheiten nicht außer Acht lassen. Einige Empirische Untersuchungen zeigen, dass Frauen bei der Präsentation der eigenen Person eher zur Zurückhaltung und Darstellung fehlender Qualifikationen neigen, Männer hingegen oftmals eher zur positiven Selbstdarstellung. Im Anschluss an die Probevorträge kommt es zu einer Entscheidung über Berufungsfähigkeit und Rangfolge; i.d.R. Verabschiedung einer Dreierliste sowie Beauftragung der Gutachten. In der subjektiven Bewertung der Vorträge ist durch die Gleichstellungsbeauftragte darauf zu achten, dass geschlechtsspezifische Vorurteile und Rollenerwartungen sich nicht zuungunsten von Frauen niederschlagen, denn was bei einem Mann als professionell und souverän empfunden wird, könnte bei einer Frau als dominant oder profilierungssüchtig wahrgenommen werden.
Dem Abschlussbericht der Berufungskommission mit dem jeweiligen Listenvorschlag ist die Stellungnahme der Gleichstellungsbeauftragten beizufügen. Diese Stellungnahme beinhaltet die Einschätzung einer ordnungsgemäßen Beteiligung und die Berücksichtigung der Gleichstellungsbelange.