Die Kraft der Pflaume am Dessauer Campus

Der Dessauer Campus der Hochschule ist kreativ und international.

Warum zieht es so viele internationale Studierende nach Dessau?
Die gute Reputation des Bauhauses sowie die attraktiven Studienangebote der Hochschule Anhalt, insbesondere die internationalen, englischsprachigen Master-Studiengänge: Integrated Design (MAID), Architecture (DIA), Monumental Heritage (MMH) und Membrane Structures bringen viele junge Menschen nach Dessau.

Die Internationalität bringt Vielfalt mit sich. Dieser Einfluss zeigt sich in vielen kulturellen Projekten, in die auch deutsche Studierende eingebunden sind. Diese Räume gemeinsamer Kommunikation und Interaktion sind für das gegenseitige Kennenlernen extrem wichtig und daher sehr begrüßenswert. Sie beflügeln nicht nur das Leben auf dem Campus, sondern auch in der Stadt. Das Akademische Auslandsamt der Hochschule Anhalt übernimmt daher die finanzielle Förderung von laufenden Projektkosten, wie sie in Dessau für ein kombiniertes Fotografie-/Kino-/Kunst und Kulturprojekt im Sommersemester 2013 angefallen sind. Ein Kulturprojekt davon ist PLUM (Englisch: Pflaume).

Marcus Rau vom Akademischen Auslandsamt sprach über Idee, Umsetzung und Wünsche mit den beiden Studierenden, die PLUM ins Leben gerufen haben, Lena Pozdnyakova (Kasachstan, MA Architecture) und Lukas Wirsching (Deutschland, Bachelor Design).

 

Worum geht es bei Ihrem Projekt, was machen Sie genau?

PLUM zeigt jeden Sonntag einen Film aus einem der Länder, das durch internationale Studierende auf dem Campus repräsentiert wird. Wir sprechen die jeweiligen Studierenden an und bitten sie, einen Film auszusuchen, der ihr Land und ihre Kultur darstellt. Darüber hinaus entstehen in Zusammenarbeit mit den Studierenden ein Filmposter und eine Kunstinstallation auf dem Campus, mit der wir auf die Veranstaltung aufmerksam machen wollen. Außerdem sorgen am Filmabend selbst kostenlose traditionelle Speisen für einen besseren Einblick in Kultur und Tradition des Landes.

 

Warum haben Sie dieses Projekt ins Leben gerufen?

Unser Ansatz war, internationale mit deutschen Studierenden zusammenzubringen. Die Anzahl der Studierenden in Dessau ist überschaubar und dennoch gibt es viele Gruppierungen. Wir wollten diese Gruppen einander näher bringen, indem wir eine Veranstaltungsreihe machen, die für alle da ist.

Einen studentischen Kinotag gibt es in Dessau schon; allerdings richtet sich dieser eher an das deutsche Publikum. Bei PLUM zeigen wir alle Filme in Originalsprache mit englischen Untertiteln.

 

Wer macht bei PLUM mit und welche Aufgaben müssen übernommen werden?

Die Idee und das Konzept stammen von uns beiden, Lena Pozdnyakova und Lukas Wirsching. Die Gestaltungsaufgaben lagen größtenteils in Lukas Hand. Mit dem Beginn der Veranstaltungsreihe wurde die Organisation und Umsetzung immer wichtiger, aber auch das Team wurde von Film zu Film größer und

Olga Michel Chico (Mexiko, MA Integrated Design) war bald festes Mitglied des Teams. Zudem haben uns Adhyaksa Mardjuni (Indonesien, MA Architecture) und Alistair Williams (England, MA Architecture) bei der Poster-Umsetzung unterstützt. Beim Veranstaltungsabend und der Essenszubereitung bekamen wir zudem oft Unterstützung von Onur Aydin (Türkei, MA Integrated Design).

 

Wie ist Ihr Team entstanden?

Wir haben uns durch das Projekt kennen gelernt. Unsere Sichtweisen und Ideen sind ähnlich, weshalb wir uns zusammenschlossen. Die weiteren Personen kamen dann nach und nach dazu; viele haben sich durch die Zusammenarbeit intensiver mit ihrem eigenen Land beschäftigt und haben von da an öfter mitgewirkt.

 

Auf welche Probleme sind Sie gestoßen als Sie Ihre Ideen umgesetzt haben?

Es gab viele kleinere Probleme oder Meinungsverschiedenheiten. Aber nichts davon war wirklich schlimm oder unlösbar. Schade ist allerdings, dass an den Veranstaltungen bisher relativ wenige deutsche Studierende teilgenommen haben. Unser Kinosaal war immer voll - nur waren meist fast alle Zuschauer

internationale Studierende. Scheinbar fühlen sich die deutschen Studierenden nicht angesprochen, wenn sie irgendwo ‚international‘ lesen, oder es ist für manche schlicht zu anstrengend, den Dialogen nur über englische Untertitel zu folgen.

 

Haben Sie von Seiten der Hochschule Unterstützung bekommen?
Es ist nach wie vor toll, dass wir vom Akademischen Auslandsamt finanzielle Unterstützung bekommen. Für mich als Bachelorstudent war es relativ überraschend, so bereitwillig und unkompliziert Unterstützung für ein freiwilliges Projekt zu bekommen.

 

Würden Sie rückblickend etwas anders machen, wenn Sie nochmal von vorne

anfangen würden?

Bestimmt hätten wir Dinge besser machen können, aber darum geht es uns nicht. Wir sind sehr froh und zufrieden mit dem, was aus unserer Idee geworden ist. Es war uns wichtig, Pläne nicht mit unzähligen Details zu entwickeln, die dann nicht umgesetzt werden können.

 

Zu guter Letzt eine Frage an Lena: Wie würden Sie als internationale Studentin das Leben und Studium in Dessau in ein paar Sätzen zusammenfassen?

Nach einem Jahr Masterstudium in Dessau kann ich sagen, dass es bislang eine sehr eindrucksvolle, aber auch ambivalente Zeit war. In Dessau zu leben und zu studieren bietet viel Raum zur Selbstreflexion, denn es existiert kaum ein Netzwerk, in das man eingebunden werden kann bzw. auf das sich zurückgreifen
lässt. Ich habe also ausreichend Möglichkeiten, aus meinen Fehlern und Erfahrungen zu lernen. Die Hochschule ermöglicht es, Kreativität zu leben und auch Ideen zu entwickeln. Da Ablenkung in Dessau nicht wirklich ein Problem
ist, kann man sich darauf konzentrieren, Pläne umzusetzen und es gibt genügend engagierte Menschen, die einen gern bei der Umsetzung
unterstützen. Wem es in erster Linie um das konzentrierte Studieren geht, für den ist Dessau sicherlich ein idealer Ort. Dessau ist auf seine Art einzigartig mit einer Kombination aus statischer Oberfläche, die die Stadt selbst vermittelt, ganz anders als andere Orte, in denen man das vibrierende Studentenleben
geradezu spürt. Dessau ist eine Collage aus aufgegebenen Wohnhäusern und Industriebauten, die den Betrachter eher traurig stimmen, dem experimentellen Bauhaus und den schönen Parklandschaften. Insgesamt mutet das merkwürdig an, hinterlässt aber auch einen sehr starken Eindruck und regt an,
auf Entdeckungsreise zu gehen.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viele Mitstreiter, gute Ideen und ein interessiertes Publikum.