50 Jahre ­Fachhochschulen

Hochschulen für Angewandte Wissenschaften

In diesem Jahr feiern die Fachhochschulen in Deutschland das Jubiläum „50 Jahre Hochschulen für Angewandte Wissenschaften“ Seit 50 Jahren qualifizieren Fachhochschulen anwendungsorientiert Fachkräfte, die in der Region wie auf dem globalen Arbeitsmarkt begehrt sind. Die Hochschulen garantieren eine Ausbildung auf Top-Niveau - gleichermaßen wissenschaftlich, praxisorientiert und lebensnah.

Wichtige Impulse für das deutsche Bildungssystem kamen aus den neuen Bundesländern. Forschungsstarke Vorgänger-Institutionen wurden zu FHs, wodurch Forschung einen größeren Stellenwert erhielt.

Prof. Dr. Jörg Bagdahn, Präsident der Hochschule Anhalt

Auch die Hochschule Anhalt feiert zum 50jährigen Jubiläum

Am 15. Juni 2019 findet um 10:30 Uhr am Campus Köthen ein Festakt zum Thema 50 Jahre ingenieurwissenschaftliche Hochschulausbildung statt.

Eröffnet wird die Veranstaltung von Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin a.D. für Bildung und Forschung und Prof. Dr. Armin Willingmann, Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt.

Wichtige Impulse für diese Erfolgsgeschichte des deutschen Bildungssystems kamen aus den Ost-Bundesländern. Schon damals war die Ausbildung der Fachkräfte an der regionalen Wirtschaft orientiert. Auch war die Vorstellung ausgeprägt, heute an den Zukunftsfragen von morgen zu arbeiten - und zwar um gesellschaftliche Herausforderungen zu meistern.

© Sam Sanchez; DokuTeam, Fachbereich Design Dessau, Hochschule Anhalt

Die starke Anwendungsbezogenheit des Studiums an einer HAW hat sich als erfolgreiches Alleinstellungsmerkmal etabliert. Bereits im Namen Hochschule für Angewandte Wissenschaften wird diese Orientierung an der Praxis sichtbar. HAW steht für den Wissenstransfer aus den Hochschulen in die Unternehmen und in die Gesellschaft.

Mit der Gründung von drei Fachhochschulen begann die Erfolgsgeschichte. Inzwischen haben sich fast alle 218 Fachhochschulen umbenannt in Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. In Englische übersetzt heißt es „Universities of Applied Sciences“ - das zieht Studierende aus aller Welt nach Deutschland. Die Umbenennung trägt der Entwicklung der vergangenen 50 Jahre Rechnung: aus der reinen Lehreinrichtung hin zur anwendungsorientierten Forschung. Genau das ist gewünscht, wie eine aktuelle Umfrage unter den Studierenden der Hochschule Anhalt bestätigt: Für 92 Prozent der Befragten war die praxisorientierte Wissenschaft das ausschlaggebende Argument für die Entscheidung, an der HAW zu studieren.

© Sam Sanchez

„Das ist unser Markenkern“, betont Jörg Bagdahn. „Wir lehren, wir forschen, wir wenden an. Wir tragen unsere Ideen und Erkenntnisse in die Welt. Davon profitieren Unternehmen. Und das wiederum sorgt für prosperierende Regionen.“ Dieser Ansatz erfährt inzwischen Unterstützung durch die Bund-Länder-Förderinitiative „Innovative Hochschule“. Das Prinzip der Exzellenz-Unis funktioniert auch hier. Der Gedanke dahinter: Hochschulen vor Ort zu stärken, um Innovationen auf den Weg zu bringen. „Wir können dadurch das Zusammenspiel von Hochschule, Wirtschaft und Gesellschaft etwas besser gestalten“.

© Sam Sanchez; DokuTeam, Fachbereich Design Dessau, Hochschule Anhalt

Im Jubiläumsjahr erinnert der Präsident der Hochschule Anhalt an die besondere Rolle, die Ost-Bundesländer eingenommen haben. Denn aus den damals „neuen Bundesländern“ kamen wichtige Impulse in die Bundesrepublik. Interessanterweise wurden im Jahr 1969 nicht nur die Fachhochschulen in der Bundesrepublik gegründet, sondern zeitgleich auch elf Ingenieur-Hochschulen in der DDR. Mit der Wiedervereinigung wurden forschungsstarke Vorgänger-Institutionen in Fachhochschulen umgewandelt, wodurch Forschung einen größeren Stellenwert erhielt. Zudem gab es auch in der DDR-Zeit ganz klar die Ausrichtung auf die regionale Wirtschaft. „Diese Strategie gehört allerdings zur Gründungs-DNA dieser Hochschule, also weit vor der Existenz der DDR“, erläutert Jörg Bagdahn. „Von Anbeginn der Ingenieur-Ausbildung in Köthen wurde die Ausbildung ingenieurwissenschaftlicher Fachkräfte mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Region verknüpft. Aus den Ingenieurhochschulen wurden Technische Hochschulen, an denen man promovieren konnte. Auch an der Vorgänger-Institution unseres Standorts in Bernburg. Und heute wird um das Promotionsrecht an Fachhochschulen gerungen. Das ist bitter.“

© Hochschule Anhalt

Dass diese traditionsreiche Gegend eine gute Adresse ist für die Verknüpfung von Wissenschaft und Wirtschaft, zeigt die bewegte Geschichte der Hochschule Anhalt. Sie besteht seit 1991 mit ihren drei Standorten in Bernburg, Dessau und Köthen. Mehrfach wechselten der Name und der Status der Einrichtung – von Akademie und Polytechnikum über Ingenieurschule bis hin zur Technischen Hochschule mit Promotions- und Habilitationsrecht. Von Anbeginn der Ingenieur-Ausbildung in Köthen wurde die Ausbildung ingenieurwissenschaftlicher Fachkräfte mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Region verknüpft. Der gute Ruf ging weit über die Grenzen hinaus. Seit den Gründungsjahren zog es Studenten aus den Nachbarländern nach Anhalt. Im Jahre 1910 waren 619 Studenten in Köthen eingeschrieben, davon 180 Ausländer. Vor allem Russen aus dem Zarenreich, aber auch viele aus Skandinavien. Schon damals kamen von weit her - aus Chile, Kuba, Mexiko, den USA oder Japan. „Auch heute verzeichnen wir einen hohen Anteil Studierender aus dem Ausland, wir liegen über dem Bundesdurchschnitt“, sagt Jörg Bagdahn. Aktuell sind es mehr als 2.000 internationale Studierende aus 111 Ländern. Auch sie sind Teil dieser Erfolgsgeschichte aus dem deutschen Bildungssystem - und feiern mit, wenn im Juni das deutschlandweite Jubiläum „50 Jahre Hochschulen für Angewandte Wissenschaften“ gewürdigt wird.

© Sam Sanchez; DokuTeam, Fachbereich Design Dessau, Hochschule Anhalt