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Design-Studierende widmen sich Bauhausmeister László Moholy-Nagy

Professorin Angela Zumpe-Kruse lehrt an der Hochschule Anhalt in Dessau audiovisuelle Medien. Als Filmmacherin, Medienkünstlerin und Malerin ist sie in vielen Bereichen aktiv. Nun tritt sie an der Hochschule ihr letztes Semester an und möchte ihre Anstrengungen verstärken und den Fachbereich Design zu einem „think tank“ in Sachen Bauhaus zu machen. Bettina Kranhold, Pressereferentin der Hochschule Anhalt, hat mit ihr darüber gesprochen.

Liebe Frau Professorin Zumpe-Kruse, Sie möchten den Fachbereich Design zu einem "think tank" verwandeln.  Was dürfen wir uns darunter vorstellen und welchen Anlass gibt es hierfür?
Anlass bietet die im nächsten Jahr geplante Video-Installation im Kunstmuseum Moritzburg in Halle an der Saale, die sich dem Bauhausmeister László Moholy-Nagy und seinen beiden Ehefrauen widmen wird. Der Fotografin Lucia, die nach der Trennung von László mit dem kommunistischen Reichtagsabgeordneten Theo Neubauer liiert war. Und die zweite Ehefrau Sybil, die László als Dramaturgin bei der TOBIS kennengelernt hat; neben der UFA damals die zweite große deutsche Produktionsfirma für Kinofilme. Sie merken also schon: Es geht nicht nur um Kunstgeschichte, sondern auch um Politik und Massenkultur.

„Think Tank“ bedeutet in diesem Zusammenhang eine praktische Auseinandersetzung mit den Medien: Sowie damals der Licht-Raum-Modulator von Moholy-Nagy als kinetische Plastik mit teils durchbrochenen drehbaren Scheiben aus Metall und Glas, in abgedunkelten Räumen im Zusammenspiel mit weißem und farbigem Licht spektakuläre analoge Lichteffekte hervorbrachte, setzten wir uns mit den Studierenden mit diversen Grundlagen zum Licht wie Farbmischung, Schatteneffekte und Raumbildung auseinander, um daraus Konzepte für eine zeitgemäße Lichtraummaschine zu entwickeln und umzusetzen.


In welcher Zeit und in welchem Setting treffen wir auf den Bauhausmeister?
Wir beschäftigen uns mit den Jahren 1929 bis 1937, in denen Moholy-Nagy, das Dessauer Bauhaus bereits verlassen hat und sich in Berlin und später in London als Freelancer versucht.  Auf den Strassen tobt der politische Klassenkampf. Zugleich dringen die technischen und kulturellen Innovationen der Moderne immer heftiger ins Alltagsleben der Normalbürger ein. Die Kinos werden vom Stumm- auf den Tonfilm umgerüstet. Das Radio wird zum Massenmedium. Elektrisches Licht erhellt die Innenstädte bei Nacht.  Werbung, street photography und erste Lifestylemagazine erobern die Zeitungskioske.


Die Presse beschreibt Mogoly-Nagy oft als Fotografen oder Maler. Wie haben Sie ihn ihren Design-Studierenden vorgestellt?
Moholy-Nagy versucht in allen Bereichen mitzuwirken. Nicht nur als Künstler im Museum, sondern als Zeitgenosse einer Gesellschaft im Umbruch will er Präsenz zeigen. Sein Interesse für den russischen Konstruktivismus wurde ihm in diesem Zusammenhang als »Kulturbolschewismus« angekreidet. 

Natürlich ist es auch der Cross-Over-Gedanke, den László damals schon gelebt hat und der heute die Berufswelt des Designers in seinen vielfältigen Anforderungen abbildet. Genau das, nämlich die Interdisziplinarität zwischen Produkt-, Medien und Kommunikationsdesign, versuchen wir auch in unserem Curriculum am FB Design lebendig zu vermitteln.


Darin liegt sicher auch ein großer Mehrwert für die Studierenden? Denn das ist sicher mit dem heutigen Wandel der modernen Medien vergleichbar?
Ja, Moholy-Nagy ist überaus dankbar, um ihn zum Gegenstand des Unterrichts am Fachbereich Design zu machen. Er ermöglicht den Studierenden, die allesamt Zeitgenossen der gegenwärtigen digitalen Revolution sind, auf eine Zeit zu schauen, die wie die heutige von zunehmender politischer Instabilität, zugleich aber auch von einer enormen Schubkraft in der technologischen Entwicklung geprägt ist.


Auf welche Weise werden die Studierenden in das Projekt eingebunden?
Im Vorfeld der Installation werden in Zusammenarbeit mit dem Ausstellungsarchitekten Manuel Schubbe Experimente mit Studierenden zu Licht und Raum durchgeführt, die später in die Produktion einfließen können. Und in Zusammenarbeit mit der Pressereferentin des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) entwickele ich mit Studierenden in einem anderen Seminar das Corporate Design für die kommende Ausstellung.


Experimente mit Licht und Raum, das klingt spannend. Gibt es noch weitere Elemente, in die die angehenden Designer durch das Projekt einen Einblick erhalten?
Der Titel der Videoinstallation, die ich zusammen mit der Berliner Drehbuchautor Oliver Held ersonnen habe, lautet »THINGS TO COME – ein Lichtspiel« und nimmt Bezug auf einen britischen Science-Fiction-Film, an dem Moholy-Nagy im erzwungenen Londoner Exil als Zulieferer für Special Effects mitwirkte. Den Soundtrack gestaltet Ilja Coric, der ein Spezialist für Film und elektronische Musik ist. Die Studierenden erhalten Einblicke in die unterschiedlichen Herangehensweisen, die für ein multimediales Museumsevent unabdingbar sind.

Zu den Studiengängen des Fachbereiches Design.


Liebe Frau Professorin Zumpe-Kruse, ich wünsche Ihnen viel Erfolg für die Produktion und danke Ihnen ganz herzlich für das Interview!


Die Videoinstallation»THINGS TO COME – ein Lichtspiel« wird von Juni – August 2019 im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) zu sehen sein, bevor sie in die Feininger Galerie in Quedlinburg wandert.

Wer bereits in diesem Jahr eine Arbeit der Medienkünstlerin Angela Zumpe sehen möchte, kann dies in der Oper „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber im Anhaltischen Theater Dessau erleben. Die berühmte Wolfsschluchtszene wird von ihren Videoprojektionen begleitet. Die nächsten Aufführungen sind am 2. und 26. Dezember. Karten sind an der Theaterkasse erhältlich.

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