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Coworking - Es braucht Förderung

Coworking ist eine Arbeitsform voller Vorteile, aber noch so unbekannt, dass sie kaum genutzt wird, was gerade in Sachsen-Anhalt dazu führt, dass es erst sehr wenige Coworking Spaces gibt. Doch wie lässt sich das schnellstmöglich ändern, um von den angesprochenen Vorteilen zu profitieren? Durch zwei Sachen: Nutzung und Geld. Klingt einfach, oder?

Ja, und das kann es auch sein. Das norddeutsche Bundesland Schleswig-Holstein zeigt bereits, wie es gehen kann, wenn man möchte. Seit letztem Jahr dürfen Angestellte der Landesverwaltung, als Alternative zur eigenen Dienststelle und dem Homeoffice, auch in Coworking Spaces arbeiten. Die Kosten dafür übernimmt das Land. Und im Frühjahr dieses Jahres gab es in Schleswig-Holstein den ersten Coworking-Förderaufruf Deutschlands, der sich als ein großer Erfolg erwies.

Warum macht Schleswig-Holstein das? »Wir stärken damit die Attraktivität Schleswig-Holsteins als Arbeitgeber, indem wir unseren Beschäftigten die Vorteile des wohnortnahen Arbeitens ermöglichen«, erklärte Staatskanzleichef Dirk Schrödter Mitte Mai gegenüber den Kieler Nachrichten. »So verbessern wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und leisten zugleich einen Beitrag ländliche Räume zu stärken.« Jährlich gibt das Land dafür 100.000 Euro aus.

In Sachsen-Anhalt hat Lydia Hüskens, Ministerin für Infrastruktur und Digitales, bereits ein ähnliches Vorhaben angekündigt. Unklar ist allerdings noch, ob das Land nach Vorbild von Hessen und Bayern eigene Verwaltungs-Hubs im ländlichen Raum schafft oder es Schleswig-Holstein gleichtut und die vorhandenen Coworking Spaces nutzt. Letzteres wäre für die hiesige Coworking-Szene die beste Option, jedoch gibt es hierzulande zu wenig Coworking Spaces außerhalb der Großstädte.

Deshalb braucht es, wieder nach dem Vorbild von Schleswig-Holstein, auch ein Förderprogramm für Coworking Spaces. Dort hatte der Landtag für den Haushalt 2022 zusätzlich 300.000 Euro für die Förderung der Coworking Spaces in den ländlichen Räumen zur Verfügung gestellt. Am Ende wurden durch zusätzliche Mittel aus der Dorfentwicklung insgesamt 422.000 Euro an neun neue Coworking Spaces ausgeschüttet, die sich aus den 35 eingegangenen Anträgen durchgesetzt hatten.

Wie könnte ein Förderprogramm für Coworking Spaces aussehen? Wichtig ist, dass sowohl die Phase vor der Eröffnung des Coworking Spaces als auch die operative Anlaufphase gefördert werden. Mit rund 30.000 Euro pro Jahr über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren, in denen der Coworking Space gegründet werden soll, flexibel aufteilbar in investive Mittel und Betriebskosten, ließe sich schon sehr viel erreichen. Zusätzlich wäre auch die Förderung einer Gründungsberatung hilfreich.

Bisher wurde in Sachsen-Anhalt noch kein Coworking Space gefördert. Durch das Netzwerk Stadt-Land wurde zumindest die Gründung von zwei kommunalen Coworking Spaces ermöglicht, in Kroppenstedt und Nordgermersleben, die noch in diesem Jahr eröffnen werden.

Ansonsten wird ab nächstem Jahr vermutlich das EU-Förderprogramm LEADER wichtig für Gründer:innen, da Coworking wohl ein festgeschriebenes Ziel in vielen Regionalstrategien zu seien scheint.

In anderen ostdeutschen Bundesländern wird ebenfalls schon sehr intensiv über Coworking nachgedacht. In Sachsen soll es im nächsten Jahr eine Coworking-Förderung wie in Schleswig-Holstein geben, jedoch sind noch keine Details bekannt. Auch in Brandenburg gibt es bereits Ideen, die eine Nutzung von Coworking Spaces durch die Landesverwaltung beinhalten. Es tut sich also etwas und bei dieser Entwicklung sollte Sachsen-Anhalt nicht den Anschluss verpassen.

Bis denn, dann... Tobias Kremkau