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Coworking in Sachsen-Anhalt

Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht, meint der Volksmund. Ich glaube zwar, dass damit der kulinarischen Neugierde vieler Landwirte Unrecht getan wird, aber ohne Zweifel gibt es durchaus Menschen, die etwas ihnen Unbekanntes meist erst einmal ablehnen, sei es aus  Vorsicht oder aus Unkenntnis. Diese Charaktereigenschaft sagt man den Menschen in Sachsen-Anhalt nach (vermutlich meist wir uns selber). Das ist meines Erachtens falsch.

Es lässt sich gut an dem Thema Coworking in Sachsen-Anhalt aufzeigen. Coworking ist ein noch sehr junger Begriff, der hierzulande erst mit der Gründung des Berliner Coworking Spaces “betahaus” im Jahr 2009 Fuß fasste. Nur wenige Monate später gab es bereits den ersten Coworking Space in Sachsen-Anhalt, das “halle & co” in Halle (Saale). Ein echter Pionier, denn damals gab es deutschlandweit gerade einmal rund ein Dutzend Coworking Spaces.

Die Menschen in unserer Region sind also durchaus offen für Neues. Heute gibt es um die 25 Coworking Spaces im ganzen Bundesland. Das klingt nicht viel. Im Vergleich mit den rund 50 Coworking Spaces in Brandenburg oder Sachsen ist es das auch nicht. Verglichen mit Thüringen oder Mecklenburg-Vorpommern sind wir jedoch mit dieser Anzahl an Coworking Spaces in Sachsen-Anhalt gut aufgestellt. Dort gibt es noch nicht einmal halb so viele Coworking Spaces wie bei uns.

Wir stehen in Sachsen-Anhalt beim Thema Coworking gut da, nicht weil es woanders schlechter ist. Vielmehr stimmt mich positiv, dass wir beinahe in allen Landesregionen Sachsen-Anhalts ein dynamisches Gründungsgeschehen haben und die verschiedenen Typen von Coworking Spaces alle hierzulande vertreten sind. Die neuesten Entwicklungen innerhalb der Coworking-Szene sind ebenso in Sachsen-Anhalt zu finden und zu beobachten.

Es gibt von ihrem Angebot sehr klassische Coworking Spaces, die von privaten Gründer:innen gestartet wurden. Das Hallenser “SaltLabs” ist dafür ein Beispiel. Darüber hinaus gibt es Coworking Spaces von Unternehmer:innen, die ergänzend zu einem anderen Geschäftsmodell gegründet wurden, wie das “Coworking Harz” in Quedlinburg oder das “Wohnzimmer” in Wernigerode. Mit dem “Projektraum COI” in Bernburg gibt es außerdem ein Coworking Space einer Hochschule in Sachsen-Anhalt.

Coworking Spaces der öffentlichen Hand lassen sich ebenfalls bei uns finden. In Salzwedel hat der Altmarkkreis letztes Jahr den Coworking Space “haus 5” eröffnet. Der Landkreis Stendal überlegt nachzuziehen. Die Gemeinden Kroppenstedt und Nordgermersleben werden in diesem Jahr die ersten kommunalen Coworking Spaces in Sachsen-Anhalt eröffnen. Möglich gemacht hat das übrigens eine Förderung des Landwirtschaftsministeriums in der letzten Legislaturperiode.

Mit dem Hallenser “Gründer:innenHaus Steiler Berg” gibt es das erste christliche Coworking Space Ostdeutschlands. Vor allem an Pendler:innen richtet sich das “Gleis 5” in Wolfen. Im Bereich Tourismus ist ebenfalls Entwicklung erkennbar: In Linda, einem Ortsteil von Jessen (Elster), gibt es mit dem “Else” ein erstes Retreat- und Workation-Angebot. Andere wollen bei dem Thema nachziehen, wie das “Integrationsdorf Arendsee” oder “Ferropolis” bei Gräfenhainichen.

Es gibt quasi nichts, was es nicht auch hier bei uns gibt. Sachsen-Anhalt ist jedoch nicht Berlin. Das muss es auch nicht. Wir sollten nur hierzulande verstehen, dass unsere Kommunen in einem permanenten Wettbewerb mit anderen Kommunen um hierherziehende Menschen und Unternehmen stehen. Um sie von Sachsen-Anhalt zu überzeugen, gerade in Zeiten einer dezentralen und mobilen Arbeitswelt, braucht es Infrastruktur wie Coworking Spaces. Diese müssen wir schaffen und fördern.

Bis denn, dann… Tobias Kremkau