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Coworking ist eine Kultur des Miteinanders

  • Foto: Tobias Kremkau

Im Gespräch mit Tobias Kremkau von CoWorkLand 

Tobias Kremkau – Coworking-Experte.

 

Tobias ist Mitgründer der German Coworking Federation (GCF) und war jahrelang Mitorganisator der COWORK, der größten Coworking-Konferenz im deutschsprachigen Raum. Mit seiner Fachexpertise unterstützt er Gründer:innen von Coworking Spaces – vor allem im ländlichen Raum – und informiert auf seinem Blog „Kremkaus Linksüber die neusten Entwicklungen in der deutschen Coworking-Szene. Einst Head of Coworking des St. Oberholz, ist der gebürtige Magdeburger heute Leiter des Landesbüros Sachsen-Anhalt bei der CoWork-Land e.G., das im Sommer 2022 in Stendal eröffnet.

 

Tobias, du bist seit einigen Monaten in der AG Coworking vom FOUND IT! aktiv. Was bedeutet Coworking für dich und warum begeistert dich das Thema seit so vielen Jahren?

Tobias:

Coworking ist für mich vor allem eine Kultur des Miteinanders, die Menschen in die Lage versetzen kann, Arbeit selbstbestimmter zu organisieren. Das lernte ich auf einer Reise im Sommer 2015. Zwei Monate lang reisten meine Frau und ich quer durch Europa, um herauszufinden, wie ortsunabhängig wir arbeiten können. Wir nutzten dafür Coworking Spaces, die es damals schon in ganz Europa gab.

Durch die Gespräche mit den Gründer:innen und Nutzer:innen dieser Coworking Spaces trafen wir unfassbar selbstbestimmte und selbstverwirklichte Menschen, ganz anders als ich dies bis dahin aus meinem Berufsleben kannte. Deshalb kündigte ich nach der Reise meinen Job und schickte eine Bewerbung an das Berliner Coworking Space „St. Oberholz“, das ich dann fünf Jahre lang leitete. In dieser Zeit half ich dabei, mehrere Coworking Spaces in Berlin und Brandenburg zu planen und in den Betrieb zu bringen. Das hat dann mehr mit dem Geschäftsmodell eines Coworking Spaces zu tun als der Kultur des Miteinanders. Doch dann zu erleben, wie andere Menschen ganz persönlich von diesen Orten profitieren konnten, motivierte mich stets aufs Neue, meinem Job nachzugehen.

 

Was macht ihr bei CoWorkLand?

Tobias:

Die CoWorkLand ist eine bundesweit tätige Genossenschaft von Betreiber:innen von Coworking Spaces im ländlichen Raum und in kleineren Städten unter 100.000 Einwohner:innen. Ganz im Sinne der Grundprinzipien einer Genossenschaft– Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung– helfen wir uns untereinander, beim Gründen und dem Betrieb von Coworking Spaces. Meine Aufgabe, als einer von vielen Angestellten der Genossenschaft, ist es, den Mitgliedern der CoWorkLand e.G. mit meiner operativen Erfahrung zu helfen und sie zu beraten. Zugleich versuche ich das Thema Coworking, beispielsweise durch den Aufbau eines Netzwerkes in Sachsen-Anhalt, Gesprächen mit der Politik und indem ich über Coworking informiere, voranzutreiben. Als auf das Thema Coworking im ländlichen Raum spezialisierte Genossenschaft werden wir auch öfter für Studien, Analysen und Pilotprojekte beauftragt. Wir organisieren beispielsweise mehrmals im  Jahr für Kommunen und Landkreise sogenannte PopUp-Coworking-Spaces, um Bedarfe und Zielgruppen zu ermitteln. Wir helfen auch Unternehmen, flexibel und mobil arbeiten zu können.

 

Welche Trends siehst du aktuell beim Coworking?

Tobias:

Coworking Spaces ermöglichen Menschen, die eigene Arbeit wesentlich flexibler, mobiler und vor allem selbstbestimmter zu organisieren. Angestellte müssen also nicht mehr jeden Tags ins Büro pendeln, sondern nur noch dann, wenn sie Kolleg:innen für den kollaborativen Austausch treffen möchten. Fokusaufgaben aber erledigen sie von nun an von da, wo sie das am besten können. Es lässt sich auch eine unfassbare Gründungsdynamik in kleineren Städten und im ländlichen Raum beobachten. Die Coworking Spaces in den Großstädten entwickeln sich aufgrund der hohen Mieten zu Bürocentern, denn mit Büroräumen lässt sich unter solchen Bedingungen Profit generieren. Wer aber ein werteorientiertes Arbeiten möchte, schafft diese Orte eher außerhalb der Metropolen. Durch den Fokus auf Werte und Sinnhaftigkeit, sehen wir auch ganz neue Akteure die Coworking-Szene betreten. Genossenschaftliche und regionale Banken, Kirchengemeinden, Kommunen und auch Vereine gründen Coworking-Angebote. Denen geht es gar nicht um Profite, sondern um die positiven Sekundäreffekte, die ein Coworking Space in seinem Umfeld erzeugen kann.

 

Welche Pläne hast du persönlich für das Coworking-Jahr 2022?

Tobias:

Anfang des Jahres ziehe ich von Berlin-Friedrichshain in die Hansestadt Stendal. Dort gibt es bereits mehrere Gründungsvorhaben, denen ich helfen möchte. Davon habe ich selbstverständlich auch etwas, wenn es Coworking Spaces in der Stadt gibt, die ich nutzen kann. Zugleich baue ich dann das Landesbüro der CoWorkLand e.G. in Sachsen-Anhalt auf, um dem Thema einen Ort zu geben. Seit Jahren starte ich immer hoch motiviert mit kleineren Coworking-Projekten ins neue Jahr, schaffe es aber selten länger als anderthalb Jahre am Ball zu bleiben. Ich möchte deshalb verstärkt meinen Fokus auf meinen eigenen Blog und das Projekt „Kremkaus Links“ legen, um das Erreichte zu bewahren und darauf aufzubauen. Vielleicht starte ich aber trotzdem auch ein neues Projekt. Die größte Herausforderung im neuen Jahr wird wohl das Weichenstellen für die Zukunft von Coworking in Deutschland sein. Ein Bundesland hat bereits ein Förderprogramm für Coworking Spaces angekündigt. Andere Bundesländer lassen sich von der CoWorkLand e.G. beraten, wie sie das Thema Coworking am besten fördern können. Darauf wird mein beruflicher Fokus liegen.

 

Wir freuen uns sehr, Tobias in unserem Netzwerk willkommen zu heißen – und besonders freuen wir uns auf seine Ratgeber-Kolumne zum Thema „Coworking im ländlichen Raum“, die ab dem kommenden Jahr im Smartes Gründen Newsletter erscheinen wird.