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Coworking Spaces - Vernetzt euch!

In der letzten Ausgabe dieser Kolumne habe ich am Beispiel von Schleswig-Holstein erklärt, wie die öffentliche Hand Coworking Spaces unterstützen und sogar von ihnen profitieren könnte. Seitdem hat das norddeutsche Bundesland bereits einen weiteren Coworking-Meilenstein geschaffen. Das Sonderförderprogramm des Landes für Coworking Spaces im ländlichen Raum wird im Rahmen des 100-Tage-Programms der neuen Landesregierung zueiner Förderrichtlinie verstetigt.

Nach einer solchen Meldung melden sich oft Betreiber:innen von Coworking Spaces in den Kommentaren und wünschen sich eine derartige Förderung auch in ihrem Bundesland. Doch mit der Forderung allein werden solche Erfolge nicht erreicht. Sicherlich ist die Offenheit und Bereitschaft der Politik inSchleswig-Holstein, und das parteiübergreifend,dafür eine wichtige Grundlage. Noch wichtiger ist aber, dass sich die Mehrheit der Coworking Spaces im Land zusammengeschlossen haben.

Seit 2019 gibt es mit der in Kiel gegründeten Co-WorkLand-Genossenschaft, für die ich seit April 2021 arbeite, einen in Deutschland bisher einmaligen Verbund von Coworking Spaces, die sich als dezentrales Netzwerk gemeinsam vermarkten und ihre Interessen gegenüber der Landespolitik vertreten. Dieser Umstand macht für mich den elementaren Unterschied aus, der erst dazu führte, dass sich Schleswig-Holstein zum Coworking-freundlichsten Bundesland entwickelt hat.

Die Politik hat dadurch einen Ansprechpartner, der aber die Interessen vieler vertritt, was Gespräche legitimiert und einfacher macht. Unternehmen, die den eigenen Angestellten die Nutzung von Coworking Spaces ermöglichen wollen, bekommen einen zentralen Zugang - in Form eines Buchungssystems und einer Abrechnung - zu einem dezentralen Netzwerk. Zugleich organisiert die Genossenschaft als zentraler Kontakt die rechtssichere Nutzung der verschiedenen Coworking Spaces.

Kein Unternehmen möchte, um das gleiche Ergebniszu erzielen, mit vielleicht zwei Dutzend verschiedenen Coworking Spaces einzelne Verträge aushandeln, dann zwei Dutzend verschiedene Einzelabrechnungen bekommen, seinen Angestellten die zwei Dutzend unterschiedlichen Buchungssysteme erklären und noch bei jedem Coworking Space überprüfen, ob die Arbeitssicherheit eingehalten wird. Große Unternehmen als Kunden können Coworking Spaces nur gemeinsam gewinnen.

Inzwischen gibt es unzählige Apps, die ebenfalls das Versprechen des zentralen Zugangs samt Abrechnung zu einem dezentralen Netzwerk von Coworking Spaces machen. Sie sind in meinen Augen aber keine vergleichbare Lösung, denn sie agieren inerster Linie im Interesse ihrer Investor:innen und nicht in dem der Coworking Spaces. Auch spielen Themen wie Arbeitssicherheit, eine gemeinsame Vermarktung und offene Haftungsfragen keine Rolle für diese Buchungs-Apps.

Ich weiß, dass Betreiber:innen von Coworking Spaces sich oft schwer damit tun, sich zu vernetzen. Als Mitgründer der German Coworking Federation(GCF), dem Coworking-Bundesverband, habe ich erlebt, wie lang und schwierig es ist, Menschen von einem naheliegenden und logischen Gedanken, dass man gemeinsam stärker als alleine ist, zu überzeugen.

Unser Ansatz damals war Interessenvertretung, CoWorkLand ist mit der gemeinsamen Vermarktungerfolgreicher gewesen.

Das Beispiel der CoWorkLand-Genossenschaft zeigt, dass durch genossenschaftlich organisiertes Handeln ein gemeinsamer Erfolg für alle Coworking Spaces einer Region erzielt werden kann. Deshalb müssen Coworking Spaces aber nicht gleich Mitglied bei CoWorkLand werden. Coworking-Märkte sind meist regional aufgebaut, weshalb ein regionaler Zusammenschluss, beispielsweise als Allianz, Verein oder Genossenschaft, ebenso funktioniert. Indiesem Sinne: Bildet (Coworking-) Banden!

Bis denn, dann... Tobias Kremkau