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Die Industrie 4.0 verlangt kluge Köpfe

Prof. Dr. Steffen Sommer ist Dekan am Fachbereich Angewandte Biowissenschaften und Prozesstechnik (FB7) der Hochschule Anhalt. Ein Gespräch über die Begeisterung für komplexe Prozesse

Professor Sommer, worum geht es am FB7? Tragen Ingenieurinnen und Ingenieure ihren Teil dazu bei, die Welt besser zu machen?
Prof. Steffen Sommer (lächelnd): Nichts weniger als das. Aber ja, auch wenn wir normalerweise bescheiden sind – mit unserem Wissen entstehen hochwertige Verfahren und Produkte, die Tag für Tag die Welt gesünder und attraktiver machen.


Was erwartet den Ingenieurnachwuchs im Studium? Und was will der Arbeitsmarkt?

Die Digitalisierung und Vernetzung von Menschen, Anlagen und Medien in der Industrie 4.0 verlangt kluge Köpfe. Die Studierenden müssen sich in den angewandten Biowissenschaften, der Prozesstechnik und der Automatisierungstechnik sehr gut auskennen. Wir konstruieren und digitalisieren Anlagen – und entwickeln Technologien, Verfahren und Prozesse für die Zukunft. Ob in der Lebensmittel- oder Biotechnologie oder in der Pharma- oder Verfahrenstechnik – der Hauptschwerpunkt bei uns am Fachbereich liegt in der Verknüpfung von Erkenntnissen aus den klassischen Ingenieurwissenschaften mit denen der modernen Lebenswissenschaften.


Wer vernetzt denkt, ist sehr begehrt auf dem Arbeitsmarkt. Wie beschreiben Sie die Atmosphäre am FB7?
Die Tradition, in Köthen Fachkräfte an technischen und technologischen Fragestellungen am Puls der Zeit auszubilden, geht auf das Jahr 1891 zurück. Wir sprechen immer vom Campus der Ingenieure – wir bieten eine familiäre Lernatmosphäre, viele Lehrende für kleine Praktikumsgruppen, dazu ein gutes Netzwerk mit industriellen Partnern und interdisziplinären Forschungsinstituten. Die technische Ausstattung auf dem Campus ist ebenso wie das Betreuungsverhältnis ausgezeichnet.


Gleichwohl wappnen Sie sich für die Zukunft, indem Sie Studiengänge umstrukturiert haben.
Die flexible Eingangsphase ermöglicht den Erstsemestern fast zu hundert Prozent die gleichen Fächer zu studieren und sich erst später dafür zu entscheiden, sich zu spezialisieren. Das ist auch als Reaktion darauf zu verstehen, dass Schulabsolventinnen und -absolventen nicht immer genau wissen, was sie erwartet – obwohl wir gerade auch für diese Zielgruppe sehr gute Angebote haben, sich im Vorfeld umzuschauen. Nicht jeder kann sich etwas unter „Angewandte Biowissenschaften“ vorstellen, vom Stichwort „Bio“ fühlen sich Schülerinnen und Schüler grundsätzlich angezogen – ohne zu wissen, dass es um beinharte technische Prozesse geht.


Ein Wort zum akademischen Nachwuchs...
Es lässt sich nicht leugnen, dass Schülerinnen und Schüler nicht top vorbereitet in die ersten Semester starten. Wir bieten eine Vielzahl von Vorbereitungskursen in Mathe, Chemie und Physik, auch das Orientierungsstudium MINT. Der Anteil weiblicher Studierender in der Verfahrenstechnik könnte höher sein, in den Studiengängen Biotechnologie, Lebensmitteltechnologie und Pharmatechnik sind Frauen fast zu fünfzig Prozent präsent, das kann sich sehen lassen. Wir präsentieren unser Studienangebot auf Messen o. ä. anhand von konkreten Beispielen. So haben beispielsweise Studierende eine Getränke-Mix-Anlage konzipiert, das kommt gut an.


Werfen Sie für uns einen Blick in die Zukunft. Werden sich Lehrkonzepte ändern?

Ich könnte mir vorstellen, dass die Lehre sich modernisieren wird. Lehrkonzepte, bei denen jemand 1,5 Stunden vorne steht und doziert, werden mutmaßlich abnehmen. Stattdessen werden E-Learning-Angebote nachgefragt sein, es wird neue Softwaretools auch zur Wissensvermittlung geben. Wir werden wahrscheinlich kleine Filme ins Netz stellen, das Lehrangebot möglicherweise in noch kleinere Portionen aufteilen, so dass Studierende immer und an vielen Orten die Gelegenheit haben, darauf zuzugreifen.