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„Die Stellenangebote übersteigen deutlich die Absolventenzahlen.“

Zum kommenden Wintersemester 2021/22 startet der neue duale Bachelorstudiengang Betriebswirtschaft/Immobilienbewertung an der Hochschule Anhalt. Wir haben bei Studienfachberater Professor Maik Zeißler nachgefragt, wie Praxisphasen und akademische Ausbildung verbunden werden, um Studierenden für den Beruf des Immobiliensachverständigen zu qualifizieren.


Prof. Zeißler, der neue Studiengang Betriebswirtschaft/Immobilienbewertung kombiniert Theorie- mit Praxisphasen bei ausgewählten Partnerunternehmen. Wie genau ist das Studium aufgebaut?
Prof. Zeißler:
Der eng mit der Praxis verzahnte Studiengang verteilt sich auf sechs Semester, in denen sich jeweils 12-wöchige Hochschulphasen mit 12-wöchigen Praxisphasen abwechseln. Etwa die Hälfte des Curriculums machen klassische betriebswirtschaftliche Studieninhalte aus. Die andere Hälfte wird um technische, rechtliche und immobilienwirtschaftliche Inhalte ergänzt. Themen der Immobilienbewertung werden vertieft behandelt. Unseren Studierenden helfen die Ausbildungsteile beim Praxispartner, die vermittelten Vorlesungsinhalte zu festigen.



Sie nennen die Ausbildungsteile bei den Praxispartnern, eine Besonderheit des neuen Studiengangs. Wie wird diese duale Struktur in der Praxis umgesetzt?
Derzeit bieten 17 Partnerunternehmen deutschlandweit über 20 Praxisplätze an. Die Zahl der Unternehmen und Plätze wachsen stetig. Wenn sich Studieninteressierte für einen Praxisunternehmen entschieden haben, wird vor der Immatrikulation in unseren Studiengang einen Arbeitsvertrag mit dem Unternehmen der Wahl geschlossen. Ein betrieblicher Mentor und ein Hochschulmentor stehen die gesamte Studienzeit als Ansprechpartner zur Verfügung. Die Praxisphasen innerhalb der Semester sind definiert und auf die vorgelagerten Vorlesungsinhalte abgestimmt.   


Für wen ist der Studiengang geeignet?
Hauptzielgruppe sind Abiturienten mit Immobilien-Affinität, die von Studienbeginn an auch praktisch immobilienwirtschaftliche Themen bearbeiten wollen.


Welche Vorteile ergeben sich dadurch für die Studierenden?

Durch die Praxisphasen erfolgt eine noch stärkere Verzahnung zwischen theoretischer Hochschulausbildung und der praktischen Anwendung des Erlernten im Unternehmen. Darüber hinaus bietet das duale Studium den Studierenden finanzielle Sicherheit. Die Partnerunternehmen zahlen während des gesamten Studiums eine monatliche Vergütung und übernehmen in den meisten Fällen sogar die Studiengebühren.


Der Bedarf für Gutachter und Immobilienbewerter ist hoch. Welche Berufsaussichten ergeben sich für die Studierenden?
Primär können Absolventinnen und Absolventen in allen Bereichen eingesetzt werden, in denen Immobilienwerte von Bedeutung sind. Potenzielle Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sind beispielsweise: Banken, Bewertungsgesellschaften bzw. Sachverständigenbüros (freiberuflich oder angestellt), Beratungsgesellschaften (Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer, Makler), Bau- und Fondsgesellschaften, Wertermittlungsabteilungen im öffentlichen Dienst aber auch Projektentwicklungsbüros. Durch die Interdisziplinarität der Immobilienbewertung mit den Bereichen Wirtschaft, Recht und Technik und damit auch der breit gefächerten Inhalte des Bachelorstudienganges sind Absolventen aus meiner Sicht für alle immobilienwirtschaftlichen Berufe sehr gut aufgestellt.


Im Gegensatz zu einem traditionellen Immobilienwirtschaftsstudium spezialisieren sich die Studierenden im Studiengang Immobilienbewertung von Beginn an für ihren Berufsweg. Für wen ist dieses Direktstudium besser geeignet?
Absolventinnen und Absolventen des seit über 20 Jahren bestehenden Bachelorstudienganges Immobilienwirtschaft an unserer Hochschule sind unbestritten etwas breiter aufgestellt als Absolventen des neuen dualen Bachelorstudienganges Betriebswirtschaft/Immobilienbewertung. So werden im neuen Studiengang beispielsweise Themen der klassische Immobilienverwaltung oder des Immobilienmarketings nur am Rande behandelt. Soll das spätere Berufsfeld diese Bereiche umfassen, würde ich eher zum immobilienwirtschaftlichen Bachelorstudiengang raten.


Was liegt ihrer Meinung nach der größte Unterschied zwischen den beiden Programmen?

Den größten Unterschied sehe ich in der Studienform. Der neue und duale Bachelorstudiengang ist durch seine großen Praxisanteile über den gesamten Studienverlauf noch stärker als klassische Studiengänge an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften mit den späteren Arbeitsgebieten verzahnt. Darüber hinaus ist die Nachfrage nach praktisch ausgebildeten Immobilienbewertern konjunkturunabhängig enorm hoch. Im ebenfalls seit über 20 Jahren an unserer Hochschule existierenden Masterstudiengang „Immobilienbewertung“ übersteigen die Stellenangebote zumeist deutlich die Absolventenzahlen. 


Prof. Zeißler, vielen Dank für das Gespräch.