Neuigkeiten-Detail

Dr. Jörg Sauerhering für das Gebiet Thermische Verfahrens- und Energietechnik

Anfang Oktober 2020 konnte Dr. Jörg Sauerhering für das Gebiet Thermische Verfahrens- und Energietechnik im Fachgebiet Angewandte Biowissenschaften und Prozesstechnik am Standort Köthen begrüßt werden. In diesem Interview gibt er einen Überblick über seine Aufgaben in Lehre und Forschung und einen Einblick in seinen Werdegang.

Professor Sauerhering, herzlich willkommen an der Hochschule Anhalt. Anfang Oktober haben Sie Ihre Arbeit im Fachgebiet Angewandte Biowissenschaften und Prozesstechnik aufgenommen.

Ihr Werdegang begann an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg, wo Sie Ihr Studium der Energietechnik 2004 mit dem Diplom-Ingenieur abgeschlossen haben. Welche Stationen warteten danach auf Sie?
Prof. Jörg Sauerhering: Mein Studium in Magdeburg bot einen sehr interessanten und umfangreichen Lehrstoff aus der Elektro- und Verfahrenstechnik bis hin zum Maschinenbau - von der Primärenergiequelle bis zum elektrischen Verbraucher sozusagen. Das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR), als nächste Lebensstation, habe ich bereits als Studierender im Praktikum kennengelernt. Da ich nach dem Studium im Bereich der regenerativen Energietechnik forschen wollte, bin ich 2004 nach Köln gegangen, wo ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Solarforschung des DLR arbeitete.


2012 folgte die Promotion an der RWTH Aachen. Welche wichtigen Ereignisse erfolgten in den Jahren dazwischen?
Die signifikantesten Ereignisse in meinen beruflichen Lebensweg passierten bereits 2008, da ich in Magdeburg aus dem Stand heraus zwei Vorlesungen (Kältetechnik und Wärmekraftanlagen) und eine Vielzahl von Thermodynamik-Seminaren übernahm. Das Lehren musste ich schließlich auch erst einmal lernen. Ich bekam zu dem Zeitpunkt das Angebot am Lehrstuhl für Technische Thermodynamik der Otto-von-Guericke-Universität als Oberingenieur und lehrte und forschte seitdem in Magdeburg. Mit der Zeit kamen dann weitere, zum Teil auch auf Englisch zu haltende, Lehrveranstaltungen im Kontext der Thermodynamik hinzu, sodass ich jetzt auf einer fundierten Basis aufbauen kann.

Einen für mich wichtigen Schritt in meiner wissenschaftlichen Arbeit bin ich 2014 gegangen, als ich damit anfing, innerhalb der Forschungsgruppe Editha, Heiz- und Kühlkonzepte im Rahmen der E-Mobilität zu untersuchen. Seitdem reißt der Zustrom an Fragestellungen und auch an Studierenden, welche diese Themen bearbeiten wollen, nicht mehr ab.


Für das Gebiet Thermische Verfahrens- und Energietechnik sind Sie nun am Fachbereich Angewandte Biowissenschaften und Prozesstechnik zum Professor berufen. Was wird zu Ihren Aufgaben zählen?
Zuerst einmal, für alle Studierenden des Fachbereiches eine Grundlagenvorlesung zur Technischen Thermodynamik zu halten und die dazu gehörenden Seminare zu gestalten. Diese Veranstaltungen werden auch als Lehrexport für weitere Fachbereiche angeboten. Weiterhin werde ich die Vorlesungen und Seminare zur Thermischen Verfahrenstechnik und zur Energietechnik sowie verschiedene Praktika übernehmen. Im Laufe der Zeit werden dann auch verschiedene Betreuungsaufgaben hinzukommen.


Welche Ziele verfolgen Sie dabei?
Thermodynamische Fragestellungen durchdringen so ziemlich alle Bereiche unseres Lebens. Durch die Vermittlung einer fundierten Methodenkenntnis möchte ich den Studierenden ein grundlegendes Verständnis thermodynamischer Prozesse ermöglichen und sie darüber hinausgehend ertüchtigen, energieeffiziente Lösungen für aktuelle und zukünftige Fragestellungen zu formulieren.

Welche Herausforderungen wird es möglicherweise geben?
Das Fachgebiet verlangt Abstraktionsfähigkeit und gewiss eilt ihm auch sein Ruf voraus. Mein Anspruch ist es hier, die Lehre derart ansprechend zu gestalten und so möglichst alle Studierenden dazu zu motivieren, sich dieser komplexen Thematik zu stellen.


Mit welchen Projekten aus der Forschung werden Sie aktuell die Hochschule bereichern?

Neben der E-Mobilität gilt mein Interesse der ressourcenschonenden Bereitstellung von Nutzenergie. Interessante Möglichkeiten bietet hier die Abwärmenutzung, da diese im industriellen Umfeld oftmals wenig genutzt wird. Die Verknüpfung der Energienetze im verfahrenstechnischen Umfeld sehe ich ebenso als zukünftiges Arbeitsfeld der Professur, da mit dieser auf die Herausforderungen unserer zukünftigen Energieversorgung optimal reagiert werden kann.


In welcher Art und Weise können die Studierenden davon profitieren?
Alleine im Themengebiet E-Mobilität habe ich in den vergangenen drei Jahren 12 Abschlussarbeiten betreut. Bedingt durch den derzeitig ablaufenden Paradigmenwechsel in der Automobilindustrie sind die hier diskutierten Fragestellungen hoch aktuell, so dass die Absolventen bestens auf den Arbeitsmarkt vorbereitet sind.


Eine Frage zum aktuellen Semester: Mit Ihrem Einstieg in das Wintersemester 2020 ist die Hochschule zu einem Unterricht zurückgekehrt, der Präsenz- und Online-Angebote kombiniert. Im Dezember, findet die Lehre mit einigen Ausnahmen nur noch online oder in hybrider Form statt. Sehen Sie dabei besondere Herausforderungen?
Zuerst einmal habe ich mich darüber gefreut, dass wir das Semester in der Thermodynamikvorlesung in Präsenzform beginnen konnten. So hatten beide Seiten die Chance sich kennenzulernen. Ich die Studierenden und die Studierenden mich. Da ich im vergangenen Semester bereits durchgehend online unterrichtete, bin ich in Bezug auf die Technik und Methodik gut vorbereitet. Jetzt im Dezember, werde ich meine Lehrveranstaltungen als Video-on-Demand auf der Lernplattform Moodle zur Verfügung stellen. Damit sind die Veranstaltungen jederzeit abrufbar.  Das direkte Feedback wird zwar fehlen, jedoch ist hier die Zugangsschwelle meines Erachtens am geringsten. Und für Fragen und Diskussionen tauschen wir uns einfach über die vielfältigen Kommunikationskanäle online aus.


Eine private Frage zum Schluss: Wo leben Sie, wenn man Sie nicht in Köthen an der Hochschule trifft?

Ich lebe seit 10 Jahren mit meiner Familie auf einem sehr alten Hof in der Börde. Hier findet sich immer etwas, das gerade repariert, gepflanzt, gepflegt, gefüttert oder geerntet werden möchte. Zudem betreibe ich seit meiner Jugend intensiv Sport, früher Judo, heute vorzugsweise Radsport.

Professor Sauerhering, herzlichen Dank für das Interview.