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Fit im Umgang mit Daten, der „Währung der Zukunft“

Prof. Dr. Ursula Fissgus, Dekanin am Fachbereich Informatik und Sprachen (FB5) der Hochschule Anhalt, über Pioniergeist und die Interaktion von Mensch und Maschine.

Frau Prof. Fissgus, was lernen Studierende am Fachbereich Informatik und Sprachen?
Prof. Ursula Fissgus: Sie erlernen den Umgang mit Technologien und entwickeln ein Verständnis von Algorithmen. Das ist digitale Kompetenz, eine elementare Kulturtechnik in der Arbeitswelt 4.0. Im Masterstudiengang Data Science beschäftigen sich Studierende damit, Daten zu analysieren und zu managen – und gewissenhaft mit ihrem Wissen über Datenströme umzugehen, denn Daten sind die neue Währung im digitalen Zeitalter. Ebenso zukunftsweisend ist der zweite Masterstudiengang Interaktive Medien in Kooperation mit der Universität Halle-Wittenberg. Dort geht es auch um die Gestaltung von technologischen, sozialen und ethischen Aspekten der Interaktion von Mensch und Maschine.


Als Sie Erstsemester waren, haben Sie von einer Interaktion von Mensch und Maschine geträumt?
Ich habe Informatik studiert, als das Fach noch relativ unbekannt war und eigentlich ohne zu wissen, was auf mich zukommt. Allerdings hatte ich immer eine Affinität zu Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern. In der Mathematik ist immer alles so einfach, so klar. Sprachen kann ich auch gut, Rumänisch, Ungarisch, Französisch und Englisch. Man lernt, wenn man sich eine Sprache aneignet, automatisch etwas über die Kultur des Landes, das ist ein unglaublicher Wissensschatz. Zu meinen beruflichen Stationen gehörte u. a. die Entwicklung von Software für die Europäische Union – das war damals durch die vielen zu bedienenden Sprachen auf der Benutzeroberfläche wirklich etwas Neues. Ich denke gerne an diesen Pioniergeist zurück.

Gelingt es Ihnen und Ihrem Team, etwas von diesem Pioniergeist heute zu vermitteln? Softwarelokalisierung kann man deutschlandweit nur an einer einzigen staatlichen Hochschule studieren – bei uns in Köthen. Die Studienmöglichkeiten auf Bachelor- und Masterniveau auch im Bereich Informatik sind exzellent. Neben der Vermittlung der mathematischen und techni-schen Grundvoraussetzungen sensibilisieren wir natürlich auch für die gesellschaftliche Verantwortung der Informa-tik. Auch bei der Softwarelokalisierung stehen Informatik-grundlagen im Fokus – in Kombination mit internationalen Sprach- und Kulturwissenschaften. In allen Studienfächern geht es neben der Fachexpertise auch um Kreativität, Sozialkompetenz und Teamfähigkeit. Diese Grundlagen sind bei den Partnern aus der Wirtschaft, mit denen der Fachbereich zusammenarbeitet, ausdrücklich erwünscht.

Was muss der akademische Nachwuchs mitbringen?
Spaß am Knobeln, den Willen, ein Problem zu lösen, mal über den Tellerrand zu schauen und kreative Wege zu suchen – das ist hier gefragt. Wir bieten Schülerinnen und Schülern viele Informationsangebote bereits im Vorfeld: In Ferienkursen, an Girls- und Boysdays und in Schüler-AGs kann die nachwachsende Generation die Hochschulwelt kennenlernen.

Womit wird sich die nachwachsende Generation beschäftigen?
Die Mensch-Maschine-Interaktion wird ein Thema sein. Zudem wollen wir hier am Fachbereich unseren Beitrag dazu leisten, dass sich die Informatik weiter entwickelt: Bislang mussten die Anwenderinnen und Anwender mit dem vorliebnehmen, was ihnen vorgesetzt wurde. Ich denke, das wird sich in Zukunft ändern. Wir müssen die Bedürfnisse der Anwenderinnen und Anwender kennen und berücksichtigen. Lösungen mit Anwendern gemeinsam entwickeln.

Und wo steht Ihr Fachbereich in zehn Jahren?
Wir werden unser Gebäude renoviert und mehr junge Frauen für die Studienrichtung Informatik begeistert haben. Wir sind divers, die Digitalisierung wird unseren Alltag noch mehr beherrschen. Die Formen der Lehre werden sich mit weiteren Online-Modulen verändert haben, die Lehrangebote von überall her abgerufen werden. Gleichzeitig ist die Interaktion mit Lehrenden von zentraler Bedeutung – die persönliche Beziehung bleibt ein wichtiges Element. Und die Studierenden werden, um am Arbeitsmarkt zu bestehen, stärker als heute Teamspieler sein müssen.