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Gebürtiger Bernburger übernimmt Professur im Gebiet Pharmazeutische Analytik und Qualitätssicherung

Florian Priese ist in Bernburg geboren, hat in Magdeburg Pharmatechnik studiert und promoviert und war im Anschluss international in der Industrie tätig. Jetzt kehrt er an die Hochschule Anhalt zurück, um seine Begeisterung für die Analytische Chemie und Pharmatechnik mit den Studierenden zu teilen. Die Möglichkeit, das Leben durch verschiedene Medikamente zu verbessern, war für Professor Dr. Florian Priese selbst der ausschlaggebende Faktor für die Entscheidung für sein Fachgebiet, wie er im Interview erzählt.

Professor Priese, herzlich willkommen an der Hochschule Anhalt. Bevor wir über Ihre neuen Aufgaben sprechen, lassen Sie uns kurz zurückblicken. Sie haben von 2003 bis 2007 Pharmatechnik an der Hochschule Magdeburg studiert. Wie kamen Sie zu Ihrem Studiengang? Nach dem Abitur 2002 war ich mir nicht sicher, was ich studieren wollte. In der Schule lagen mir die MINT-Fächer, besonders die Naturwissenschaften und ich schwankte bei der Studienwahl zwischen Wirtschaftsinformatik oder Maschinenbau. Meine Oma hatte mir zu der Zeit erzählt, dass sie ihren neuen Blutdrucksenker nur noch einmal am Tag nehmen muss und nicht mehr dreimal über den Tag verteilt. Das war eine deutliche Erleichterung für sie, da sie auch noch andere Arzneimittel täglich einnehmen musste. Das hat damals meinen Fokus verändert. Ich entschied mich dann für Pharmatechnik, um das Leben von Menschen nachhaltig zu verbessern.

Hat Ihre Oma Ihren Werdegang mitverfolgen können?
Ja, sie verfolgt das bis heute. Sie ist froh, dass es mir mit der Entscheidung, die sie beeinflusst hat, so gut geht. Ich habe schon im Studium gemerkt, dass es das Richtige für mich war. Ich mochte die Verbindung zwischen Theorie und Praxis und konnte das theoretische Wissen direkt im Labor anwenden.

Was waren Ihre wichtigsten beruflichen Stationen vor Ihrer Berufung?
Ich habe keinen „klassischen“ Werdegang, weil ich nach dem Diplom erst einmal für zwei Jahre in die Industrie ging und dort Berufserfahrung sammelte. Erst danach ging ich für die Promotion zurück an die Hochschule Anhalt und die Uni Magdeburg (im Rahmen einer Kooperationspromotion). Das war beides sehr prägend, im Rahmen der Promotion konnte ich mich beispielsweise intensiv über einen längeren Zeitraum in ein Thema einarbeiten und bin zu internationalen Konferenzen in Istanbul oder Amman gereist, um dort meine Ergebnisse vorzustellen.

Welche Stationen kamen danach?
Beim Schweizer Pharmakonzern Novartis habe ich Rollen an unterschiedlichen Standorten mit steigender Verantwortung übernommen. Für die Professur kommt mir dieser Werdegang nun zugute: Ich habe grundlegende Positionen in der Pharmaindustrie mit verschiedenen Arzneiformen selber durchlaufen und verfüge daher über ein breites Spektrum an Einblicken.
Die letzten drei Jahre vor der Berufung habe ich bei der IDT Biologika in Dessau-Roßlau den Bereich Drug Product geleitet. Geprägt wurde ich durch Vorgesetzte, die mich aktiv entwickelt und gefördert haben und eine sukzessive Entwicklung ermöglichten. Mit 32 hatte ich noch keine Führungsverantwortung und schon vier Jahre später ein Team von 400 Leuten und ein Bereichsbudget von mehreren Millionen zu verantworten.

Eine Studie in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit ergab 2020, dass nahezu zwei Drittel unserer Hochschulabgänger in der Nähe der Hochschule verbleiben. Bei Ihrem Job in der Industrie sind Sie international viel herumgekommen – und kehrten als gebürtiger Bernburger bereits vor dem Wechsel an die Hochschule wieder in die Region zurück. Was hat Sie dazu motiviert? 
Als gebürtiger Bernburger wollte ich langfristig wieder nach Sachsen-Anhalt zurückkehren. Da ist sicherlich eine gewisse Heimatverbundenheit, die mich zurückkommen ließ, aber vor allem auch die gut aufgestellte Pharmaindustrie in Sachsen-Anhalt mit vielen Möglichkeiten.

Zum 1. Januar 2022 wurden Sie als Professor für das Gebiet „Pharmazeutische Analytik und Qualitätssicherung“ nach Köthen berufen. Was fasziniert Sie an Ihrem Fachgebiet?
Faszinierend an dem Studiengang Pharmatechnik ist das breite Portfolio an pharmazeutischen Dosierungsformen. Sie behandeln im Studium die klassischen festen (Tabletten, Kapseln), halbfesten (Salben. Cremes) und flüssigen (Vials, Spritzen) Arzneiformen. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass man das Leben von Menschen nachhaltig zum Guten verändern kann. Wenn ein Freund, der Asthma hat, dank optimierter Technologien wie Trockenpulverinhalator wieder Luft bekommt: das ist eine Entwicklung, die aktiv ein Leben verbessert, das ist großartig.

Können Sie uns einen Einblick in Ihr Forschungsgebiet geben? 
Aktuell bauen wir die Labore in Köthen noch auf, der Laborbetrieb zieht vom Standort Bernburg nach Köthen um. Wenn diese dann in Betrieb sind, konzentrieren wir uns auf den Bereich feste Arzneiformen, speziell auf die Anwendung der Wirbelschicht im pharmazeutischen Bereich. Damit können wir die Freisetzung eines Medikaments gezielt steuern. Also wir beeinflussen das, was meiner Oma damals eine Erleichterung war: Nur noch eine statt drei Tabletten einnehmen. Aber da gibt es noch viel mehr Potenzial – neben der Zeit kann man auch noch den Freisetzungsort im Körper gezielt steuern.

Inwieweit können Studierende von Ihrer Forschung profitieren?
Es wird Projektarbeiten geben, in der die Studierenden das selbstständige Arbeiten und wissenschaftliche Schreiben verfestigen können. Was ich aber besonders wertvoll finde, ist die Möglichkeit von hilfswissenschaftlichen Jobs. Ich habe selbst den Großteil meiner Studienzeit als Hilfswissenschaftler gearbeitet und bin überzeugt, das ist eine großartige Möglichkeit, das selbstständige Arbeiten zu trainieren und praktische Erfahrungen zu sammeln.

Können Sie uns kurz einige Schwerpunkte nennen, die Sie in der Lehre setzen wollen?
Ich möchte die Lehre so aufbauen, dass die Absolventinnen und Absolventen in allen pharmazeutischen Bereichen Wissen für den Berufseinstieg haben. Während wir im Bereich feste und halbfeste Arzneiformen gut aufgestellt sind, möchte ich den Bereich flüssige Arzneiformen weiter ausbauen, da diese essentiell für die aseptische Herstellung von Injektions- und Infusionslösungen zur pharmazeutischen Grundversorgung sind. Mir ist auch die Stärkung der Kombination aus Theorie und Praxis wichtig, da das meiner Meinung nach dem effektivsten Weg der Wissensvermittlung ist.

Welche Chancen sehen Sie für die künftigen Pharmatechnik-Studierenden?
Es ist das richtige Studium! Die Studierenden haben sehr gute Zukunftsaussichten innerhalb Deutschlands, aber vor allem auch lokal in Sachsen-Anhalt sind die Berufsaussichten mit Einstiegsgehalt im Bereich von 50.000 € im Jahr sehr gut. Es gibt durch den Fachkräftemangel eine niedrige Befristungs-Quote, von der die Jobeinsteigenden profitieren können und eine starke lokal ansässige und international wirkende Pharmaindustrie.

Welche Entdeckung, Erfindung oder Erkenntnis wünschen Sie sich in den nächsten zehn Jahren? Ich hoffe, dass wir durch neue Technologien und Methoden (mRNA, rekombinante Antikörper) weitere Fortschritte im Kampf gegen die verbleibenden Geißeln der Menschheit wie Krebs, Multiple Sklerose, AIDS und Alzheimer erzielen können. Und langfristig sollte es Forschungsinhalt sein, eine nachhaltige Lösung gegen die steigende Antibiotika Resistenz zu entwickeln.

Haben Sie ein Motto, das Sie den Studierenden mit auf Ihrem Lebensweg geben möchten?
Dass das lebenslange Lernen mit dem Studium nicht aufhört. Seit meinem Berufseinstieg in 2007 hat sich die Pharmaindustrie kontinuierlich und rasant weiterentwickelt. Zum Beispiel sind die Anforderungen der Gesundheitsbehörden hinsichtlich Qualitätsmanagements und Prozesskenntnis sehr stark gestiegen. Wo früher Mittelwert und Standardabweichung ausreichend waren, müssen jetzt zahlreiche statistische Methoden zum Einsatz kommen. 

 

Professor Friese, herzlichen Dank für das Interview.