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Ingenieurethik mit Nebenwirkungen

  • Juliane Poturnak und Tim Förster sind Biotechnologiestudierende am Campus Köthen. Gemeinsam belegten sie das Wahlpflichtmodul Ingenieurethik.

Was der Kurs mit ihnen gemacht hat? Nicht nur die Sicht auf ihre zukünftige Ingenieurstätigkeit hat sich geändert, sondern vor allem ihr persönlicher Lebensstil, berichten Juliane Poturnak und Tim Förster von der Hochschule Anhalt. Ein Semester lang beschäftigten sich die Biotechnologie-Studierenden im Wahlpflichtmodul Ingenieurethik mit „Konzepten zur Reduzierung der Verpackungen bei Lebensmittelprodukten“. Ihr Thema war eines von 12, die unter dem Modulverantwortlichen Professor Jens Hartmann, bearbeitet wurden. Vortrag, Diskussion und Hausarbeit war der Arbeitsauftrag, der auf die Studierenden wartete.

Doch trotz ihrer intensiver Beschäftigung, um den Arbeitsauftrag zu erfüllen, konnten die ethischen Fragen nicht so einfach beantwortet werden. Jedenfalls ist den Studierenden Poturnak und Förster klar geworden, dass nicht nur ein Konzept die Frage des Verpackungsmüll beantworten kann. Mehrere Ansätze müssen ihrer Meinung nach gleichzeitig verfolgt werden. Gerade Gemüse ist oft in Plastik verpackt, Kräuter sind mit Plaste-Schale und Plaste-Folie sogar doppelt eingeschweißt. Nicht immer ist ein Wechsel zu nachhaltigeren Materialien oder gar das Weglassen einer Verpackungen möglich.

Die Studierenden sind sich sicher, dass es noch sehr viel Raum für Innovation gibt und sehen hier ihre Aufgabe: „Als werdende Ingenieure können einen Teil beitragen, neue umweltfreundliche Materialien erforschen und, hoffentlich irgendwann, im industriellen Maßstab nutzbar machen.“ Die Verantwortung jedoch müsste von Verbraucherseite, wie auch von Seite der Produzenten und Zwischenhändler wahrgenommen werden. Auch die Politik sehen sie in der Pflicht, die Umweltbelastung durch Gesetze zu verringern.

Neben den Biotechnologie-Studierenden haben seit 2016 alle Studiengänge des Fachbereichs Angewandte Biowissenschaften und Prozesstechnik die Möglichkeit, sich im Wahlpflichtmodul Ingenieurethik mit den ethischen Grundsätzen und Problemstellungen ihrer künftigen Tätigkeiten zu konfrontieren. Leitfäden und Regeln geben ihnen Orientierung, um die ethischen und moralischen Fragestellungen zu beantworten. Statt auswendig lernen, heißt es in diesem Fach debattieren und diskutieren lernen. Der Diskurs zwischen Lehrenden/Experten und den Studierenden steht für Professor Hartmann im Vordergrund. Begriffe wie Sicherheit und Risiko, Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Mut zur Wachstumswende werden durch die Diskussionen erfahren und sollen als Handwerkszeug für den künftigen Beruf in die Gesellschaft eingebracht werden.

Problemstellungen aus diesem Modul, wie sie Poturnak und Förster bearbeitet haben, ändern die Sicht auf die künftigen Ingenieurstätigkeiten. Nicht jedem Studierenden, der ein Studium in dieser Richtung beginnt, ist klar, mit welchen moralischen und ethischen Fragen er sich in seinem künftigen Beruf einmal auseinandersetzen wird.

Für die beiden Verpackungs-Spezialisten hat sich vor allem ihr persönlicher Lebensstil geändert. Nicht nur bedingt durch ihr eigenes Thema, sondern auch durch die lebhaften und aktiven Gespräche mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern: „Wir haben jetzt zum Beispiel unseren Verbrauch an Einwegverpackungen deutlich eingeschränkt, unseren Fleischkonsum stark reduziert und achten besser auf eine ordnungsgemäße Mülltrennung. Auch sind wir seitdem seltener mit dem Auto unterwegs“, erzählen die künftigen Biotechnologen. Ingenieurethik hat also Nebenwirkungen. Ein wertvoller Kurs für künftige Ingenieurinnen und Ingenieure, mit Auswirkungen auf die Gesellschaft.