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"Kein Handeln ohne soziale Position!"

Prof. Dr. Matthias Höhne vom Fachbereich Architektur, Facility Management und Geoinformation (FB3) der Hochschule Anhalt über zukunftsfähige Lehre und eine gute Wissensbasis für die Studierenden.

 

Prof. Höhne, was erwartet Studierende am FB3 in Dessau?
Prof. Matthias Höhne: Wir sind mit den drei grundständigen Studiengängen ein fachlich sehr breit aufgestellter Teil der Hochschule. Die Architektur mit der gestalterisch-emotionalen Seite, das Baumanagement mit dem Organisationsgeschick und die Geoinformation mit der Exaktheit mathematischer Informationen beschreiben am besten die sehr unterschiedlichen Anforderungen im Studium. Im Bachelorstudiengang der Architektur werden die Grundlagen im Entwerfen und im Konstruieren sowie das Planen von Siedlungen gelehrt. Die international ausgerichteten und teilweise englischsprachigen Masterstudiengänge vermitteln den Beruf des Architekten und Stadtplaners in seiner anspruchsvollen Komplexität. Die Architekturexperimente geben Raum für Neues. Die Denkmalpflege bewahrt unser kulturelles Erbe. Beides – das Experiment und die Kontinuität – sind zwei wesentliche Seiten der Architektur. Der Studiengang Immobilien- und Baumanagement verbindet Bauen, Wirtschaftswissenschaften und Informationstechnologie. Die Ingenieurtätigkeiten in Vermessung und Geoinformatik erfassen und verarbeiten Computerdaten unserer gesamten Umwelt.

 

Was ist Ihr Herzensthema, wenn es ums Bauen geht?
Die Antwort ist einfach: gute Architektur bauen. Was zeichnet gute Architektur aus? Es ist eine optimal nutzbare, schöne, wirtschaftliche und langlebige Architektur. Dies wäre im besten Sinn nachhaltige Architektur. Seit meinem Berufsstart 1989 in Köln lässt mich das Thema der ökologischen, oder wie man heute sagt, der nachhaltigen Architektur nicht los. Eine für mich sehr prägende Aufgabe war der 1995 fertiggestellte Neubau der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. An diesem Projekt sieht man, dass sich die Themen energie- und ressourcensparendes Bauen bis heute nicht verändert haben.

 

Welche Themen sind den Studierenden wichtig?
Wenn wir die Studierenden fünf oder mehr Jahre ausbilden, erhalten wir natürlich einen Einblick, welche Interessen sie haben. Die Studierenden wollen Fähigkeiten und Wissen erwerben, um im Beruf zu bestehen. Bei den hohen Anforderungen, die in den einzelnen Studienrichtungen gestellt werden, führt dies zur Herausforderung, das Studium zu bewältigen. Die Diskussionen in den Seminaren zeigen auch, dass unsere Studierenden nicht ohne soziale Position handeln. Aktuelle Themen wie energieeffizientes Entwerfen, preiswerter Wohnungsbau oder ressourcenschonende Konstruktionen werden aktiv aufgenommen. Bei dem am Standort Dessau allgegenwärtigen Bauhaus-Jubiläum frage ich mich nach der Bedeutung des Bauhauses für die junge Generation. Hier könnte ich mir vorstellen, dass die Vorbilder nicht in einem 100-jährigen Rückblick gesucht werden. Dies zeigen die Diskussionen zu den Projektarbeiten im Semester sowie unsere Vortragsreihe „Dessauer Gespräche“. Die studentischen Beiträge hinterfragen wie vor 100 Jahren die aktuellen Themen der Architektur. Ist das Aufrufen zeitgeistiger Triggerpunkte bereits Haltung? Es verlangt mit Sicherheit mehr Rückgrat, wenn man dem Zeitgeist eine eigene Position entgegenstellt.

 

Möchten Sie uns einen Ausblick auf die Zukunft Ihres Fachbereichs geben?
Wer in den letzten Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden gebaut hat, benötigte Architekten, Vermesser, Kostenund Organisationstalente. Dies klingt natürlich erst einmal pathetisch. Es gibt uns jedoch beim Blick in die Zukunft eine gewisse Gelassenheit. Bei der Rückschau fällt auch auf, dass sich gesellschaftliche Positionen wandeln. Handwerk und Intellekt sind die Konstanten. Daraus resultieren die Verpflichtung, Fähigkeiten und Wissen zu vermitteln und ebenso die Toleranz gegenüber anderen fachlichen Standpunkten.