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Neue Professorin für Faunistik und Artenschutz

Prof. Fischer, nach Ihrem Biologiestudium an der Universität in Jena, promovierten Sie an der Universität in Göttingen in den Agrarwissenschaften. Anschließend schärften Sie Ihr wissenschaftliches Profil als Postdoc am Leibnitz-Zentrum für Agrarlandforschung in Münchberg, um danach an der Technischen Universität in München zu habilitieren und zu arbeiten. Was waren Ihre Aufgaben in dieser Zeit?

Prof. Christina Fischer: Mein Arbeitsbereich an der TU München war sehr vielfältig. In der Lehre standen die Themen Populationsbiologie und Naturschutz, Grundlagen der Agrar- und Landschaftsökologie, aber auch die statistische Auswertung und Modellierung von Umweltdaten im Mittelpunkt. In meinen Forschungsprojekten beschäftigte ich mich mit Fragestellungen zum Einfluss der Landnutzungsänderung auf die Biodiversität und damit zusammenhängenden Ökosystemprozessen in temperaten und tropischen Agrarlandschaften und in semiariden Weidelandschaften. 2020 wechselte ich an die Universität Salzburg zur Arbeitsgruppe Zoologische Evolutionsbiologie. Zusammen mit Wissenschaftlern aus verschiedenen Ländern Europas untersuchte ich, inwieweit Straßenränder zur Erhaltung der Biodiversität beitragen. Besonders in ausgeräumten Landschaften spielt die Konnektivität durch arten reiche Straßenränder eine wichtige Rolle für die Möglichkeit der Neu- und Wiederbesiedlung von Flächen. Neben meiner wissenschaftlichen Tätigkeit hatte ich 2020 auch die Möglichkeit kurzzeitig meine Praxiserfahrung als Biodiversitätsberaterin im Landkreis Berchtesgadener Land zu vertiefen.


Für das Gebiet Faunistik und Artenschutz sind Sie nun am Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsarchitektur zur Professorin berufen. Was wird zu Ihren Aufgaben zählen?
Eine meiner umfangreichsten Aufgaben wird die Lehre in diesem Fachgebiet sein. Ich werde unter anderem Vorlesungen und Seminare zu Wirbeltieren abhalten und zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen die Veranstaltungen Faunistik und naturwissenschaftliche Grundlagen in den Bachelor- und Masterstudiengängen Naturschutz und Landschaftsplanung und im Bachelor Landschaftsarchitektur und Umweltplanung lehren. Meine Erfahrung in der angewandten Statistik will ich nutzen, um den Studierenden zu zeigen, dass theoretische Grundlagen für die Praxis notwendig sind und es Spaß macht mithilfe fundierter Auswertungsmethoden Zusammenhänge zu erkennen. Daneben bin ich gerade im Aufbau verschiedener Forschungsprojekte, die sich mit der Effektivität von Naturschutzmaßnahmen für die Biodiversität in Offenlandschaften beschäftigen.


Welche Ziele verfolgen Sie dabei?
Allen voran möchte ich in meiner Lehre den Studierenden die Freude an Naturschutzthemen vermitteln. Die Absolventinnen und Absolventen sollen mit einem soliden Handwerkszeug in das Berufsleben starten. Dazu zählen neben dem fachlichen Wissen, Kenntnisse zur Planung und Umsetzung von Freilandexperimenten, der sichere Umgang mit Monitoringprogrammen und verschiedenen technischen Hilfsmitteln, wie zum Beispiel Telemetriesystemen. Aber auch die Auswertung von Daten, mithilfe aktueller Methoden der Umweltstatistik gilt es zu beherrschen. Ziel meiner Forschung ist es die kausalen Zusammenhänge zwischen Umweltveränderungen, dem Vorkommen von Organismen und deren Ökosystemfunktionen in Offenlandschaften besser verstehen zu können und Kompromisse zwischen der Landnutzung und dem Natur- und Umweltschutz zu finden.


Welche Herausforderungen wird es möglicherweise geben?
Die Übertragbarkeit und Umsetzung solcher wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Praxis, das wird eine der schwierigsten Aufgaben sein. Einerseits ist es manchmal schwer Forschungsergebnisse so umzusetzen, dass daraus einfache, praxistaugliche Naturschutzmaßnahmen resultieren. Anderseits stehen sich gerade im Bereich Natur- und Artenschutz häufig viele unterschiedliche Interessen gegenüber, was es schwierig macht echte Kompromisse zu finden.


Mit welchen Projekten aus der Forschung werden Sie aktuell die Hochschule bereichern?

Ganz konkret werde ich im kommenden Sommersemester zusammen mit der Arbeitsgruppe von Professorin Sabine Tischew mit einem Projekt zur Raumnutzung des Ziegenmelkers in der Oranienbaumer Heide starten. Der Ziegenmelker ist eine bodenbrütende Vogelart, die in trockenen europäischen Heiden und Sandheiden vorkommt. In Sachsen-Anhalt ist die Art als „gefährdet“ eingestuft. Wir wollen das Bewegungsverhalten von Ziegenmelker mithilfe von GPS-Empfängern untersuchen, um den Einfluss der Nahrungsverfügbarkeit, Beweidung und der Vegetationszusammensetzung und –struktur, sowie der Räuberdichte auf das Verhalten der Art zu verstehen. Daraus wiederum können wir Rückschlüsse auf die Populationsentwicklung ziehen. Ziel ist es, Landschaftspflegemaßnahmen zum Erhalt und zum Schutz von Ziegenmelkern zu entwickeln. Zusammen mit der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau wollen wir uns zudem langfristig mit Kleinsäugern in unseren Agrarlandschaften beschäftigen. Ich selbst werde die Ökosystemfunktionen von Mäusen und Spitzmäusen genauer untersuchen.


In welcher Art und Weise können die Studierenden davon profitieren?
Da ich in meiner Lehre darauf achte Inhalte anwendungsorientiert zu vermitteln, haben die Studierenden die Möglichkeit Einblicke in die neusten Entwicklungen in der Naturschutzforschung zu bekommen. Weiterhin werden viele Forschungsprojekte gar nicht ohne die Unterstützung der Studierenden, die sich im Rahmen von Projekt- und Abschlussarbeiten in meine Forschung einbringen, möglich sein.


Sie beginnen mit Ihrer Lehre zum Sommersemester. Wie wird sich Ihr Unterricht gestalten?
Ich hoffe sehr, dass ich im April die Möglichkeit habe in Präsenz zu unterrichten. Gerade bei den praktischen Kursen ist es viel einfacher die Inhalte im direkten Kontakt zu vermitteln als über die verschiedenen Online-Tools. Für Vorlesungen sehe ich es als weniger problematisch an, da hier die Studierenden die Möglichkeiten haben die Inhalte viel flexibler zu lernen und zu wiederholen.


Professorin Fischer, herzlichen Dank für das Interview.