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Prof. Dr. André Zänker

Immobilienmanagement besteht aus mehr als die Vermittlung von Häusern! Wer diesem Studium nachgeht, lernt wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge einzuordnen, die Funktionsweise des Marktes sowie Chancen und Risiken zu bewerten. Um bestmöglich auf das Berufsleben vorbereitet zu sein, ist eine fundierte Grundlagenausbildung notwendig, der neu an die Hochschule Anhalt berufene Professor für Immobilienmanagement, Dr. André Zänker. In diesem Interview fasst er die Trends der Immobilienbranche zusammen und zeigt auf, welches Handwerkszeug die Studierenden brauchen, um auf dynamische Entwicklungen der Immobilienbranche vorbereitet zu sein.

Professor Zänker, bevor wir über Ihre neue Aufgabe sprechen, lassen Sie uns kurz zurückblicken. Wie sind Sie zu Ihrem Fachgebiet gekommen?
Ich hatte vielfältige Interessen und habe mich schlussendlich für ein Studium der Betriebswirtschaft an der Universität Leipzig entschieden. Die Entscheidung erfolgte mit dem Ziel, während des Studienverlaufs den Fokus auf Immobilienmanagement zu legen. Während eines Auslandssemesters in Lille in Frankreich traf ich dann die Entscheidung, mich auf die Gebiete Immobilienmanagement, Bankwesen und Controlling zu spezialisieren.

Sie haben am 15. März 2022 von der Hochschule Anhalt den Ruf als Professor für Immobilienwirtschaft, insbesondere Immobilienmanagement erhalten. Bereits seit Oktober 2021 sind Sie Vertretungsprofessor und Studienfachberater. Veränderte die Berufung Ihre Aufgaben? 
Da ich bereits als Vertretungsprofessor Lehr- und Betreuungstätigkeiten im Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Anhalt übernommen hatte, kenne ich die Studierenden und natürlich auch die Kolleginnen und Kollegen schon gut. Der berufliche Start hier am Standort Bernburg wurde mir auch sehr leicht gemacht. Ich habe auch gleich die Funktion als Studienfachberater des Bachelorstudiengangs Immobilienwirtschaftslehre übernommen. Mit der Berufung müssen noch Lehrveranstaltungen konzipiert und erarbeitet werden. Neues zu entwickeln macht mir aber sehr viel Spaß und ich freue mich auf die Arbeit mit den Studierenden.

Braucht die Immobilienwelt Forschung und wenn „ja“ welche Gebiete, Aspekte oder Entwicklungen sollten erforscht werden? 
Dafür müssen wir kurz zurückblicken. Das Immobilienmanagement ist ein Teilaspekt der noch recht jungen, speziell auf Immobilien ausgerichteten Betriebswirtschaftslehre. Bis Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts gab es Schnittstellen zu immobilienbezogenen Auseinandersetzungen überwiegend in den Bereichen Bau, Volkswirtschaft oder Wohnungspolitik. Das theoretische Fundament für die Lösung von immobilienspezifischen, betriebswirtschaftlichen Fragestellungen fehlte. Institutionen der Immobilienwirtschaft erkannten, dass innerhalb der Immobilienbranche eine Vielzahl an spezifischen Kompetenzen und Fähigkeiten erforderlich sind.

Was ist daraufhin passiert?
Es wurden - wie an der Hochschule Anhalt - immobilienwirtschaftliche Studiengänge gegründet und Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten geschaffen. Diese Angebote haben dazu beigetragen, dass sich die Vertreter der Immobilienbranche zunehmend professionalisieren und qualifizieren können. Viele Menschen assoziieren mit der Immobilienwirtschaft typischerweise den Immobilienmakler und dessen Vermittlungsgeschäft, was den verschiedenartigen Geschäftsaktivitäten von Immobilienunternehmen nicht gerecht wird. Allein die differenzierte Betrachtung von Disziplinen des Immobilienmanagements führt zu sehr unterschiedlichen Berufs- und Leistungsbildern. Die Grundlagenforschung ist jedoch gegenwärtig weit fortgeschritten und die Immobilienbranche ist zunehmend gefordert, einheitliche Standards zu entwickeln und zu setzen.

Ihre Antwort lautet also „Ja“, es braucht Forschung im Immobilienmanagement. Welche Bereiche würden Sie da aktuell nennen? 
Aktueller Forschungsbedarf besteht insbesondere im Bereich Digitalisierung in Verbindung mit der Weiter- bzw. Neuentwicklung von Geschäftsmodellen und -prozessen. In diesem Zusammenhang ist die Analyse der Marktrelevanz von sogenannten PropTechs sehr interessant. Aufgrund der besonderen Eigenschaften von Immobilien und Immobilienmärkten werden auch weiterhin Themenbereiche wie Markttransparenz und Datenverfügbarkeit Forschungsschwerpunkte der Hochschulen und Universitäten bilden können, welche natürlich auch in die Lehre einbezogen werden.

Stichwort Lehre: Was ist Ihnen wichtig, was möchten Sie den Studierenden mitgeben? 
Ein ist anwendungsbereites Grundlagenwissen ist wichtig. Das hört sich trocken an, aber die Grundlage jeder Anwendung und Forschung ist das Basiswissen. Überschneidungsfreie Definitionen und Genauigkeit bei Fachbegriffen sind  auch im beruflichen Alltag wesentlich.
Mein Lieblingsbeispiel ist dafür die richtige Anwendung von Flächendefinitionen, da diese typischerweise die Basis der Kennzahlen für Miet- oder Investitionsentscheidungen bilden und somit eine fehlerhafte Bestimmung von Flächengrößen sehr schnell finanzielle Konsequenzen hat.
Am Ende des Studiums verfügen die Studierenden über ein solides Fundament für den weiteren Weg innerhalb der Immobilienbranche. Die Anforderungen und Rahmenbedingungen entwickeln sich dynamisch. Daher ist es notwendig, dass Problemstellungen aus dem Berufsalltag flexibel gelöst werden und nicht eine Lösung für ein Problem auswendig gelernt wird. Mein Ziel ist es vor allem, dass die Studierenden lernen zu denken und auch lernen, zu lernen.

Immobilienmanager müssen sich auch lernen, sich in einem wandelnden Berufsfeld zurechtzufinden. Die großen Veränderungen und Herausforderungen unserer Zeit wie Nachhaltigkeit oder Globalisierung werden sich stark auf die künftige Arbeit von Immobilienmanagern auswirken. Kann man die Studierenden darauf vorbereiten?
Die Immobilienwirtschaft unterliegt wie vielen Branchen verschiedenen Trends und wird durch diese geprägt. Aktuell sind Themen wie Nachhaltigkeit, Künstliche Intelligenz, Mietrecht, Digitalisierung oder die Internationalisierung der Märkte kontrovers in der Diskussion. Für die Studierenden ist zunächst wichtig, die Entwicklungen und Trends zu erkennen. Aus einigen Trends können sich neue Standards innerhalb der Branche entwickeln und bilden oft neue technische, wirtschaftliche, aber auch rechtliche Rahmenbedingungen. Auf diese Veränderungen werden die Studierenden gut vorbereitet und sollen lernen, sich mit dem erlangten Wissen in einer sich dynamisch entwickelnden Umwelt zurechtzufinden.

Der deutsche Immobilienmarkt hat sich in den letzten Jahren verändert. Vermehrt erwerben internationale Investoren Immobilien in Deutschland. Hat diese Entwicklung Auswirkungen auf die Lehre? 
Ja, in Deutschland sind seit fast zwei Jahrzehnten auch internationale Immobilieninvestoren sehr aktiv. Das hat auch zur Professionalisierung der Akteure des Immobilienmarktes beigetragen. Es ist für die Studierenden wichtig zu wissen, welche Anforderungen die verschiedenen Typen von Immobilieninvestoren an Immobilien, Immobilienprojekte oder die Zusammensetzung von Immobilienportfolios stellen. Andererseits investieren deutsche institutionelle Immobilieninvestoren auch auf internationalen Immobilienmärkten, weshalb während der Lehrveranstaltungen an geeigneten Stellen internationale Bezugspunkte gesetzt werden. Die Aktivitäten der meisten Unternehmen der deutschen Immobilienbranche sind jedoch eher regional bzw. sogar lokal ausgerichtet, was bei aller Diskussion einer Internationalisierung nicht in Vergessenheit geraten darf. Nur ein geringer Teil der derzeitigen Studierenden strebt im Berufsleben eine international ausgerichtete Karriere an.

Herr Prof. Zänker, vielen Dank für das Interview.