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Prof. Dr. Markus Meyer

Zum Wintersemester 2021 wurde Dr. Markus Meyer als Professor für Nationalen und Internationalen Naturschutz an die Hochschule Anhalt berufen. Die internationale Ausrichtung seiner Lehre ergibt sich aus seiner eigenen Studienzeit. Hier gibt er uns einen Einblick in die Schwerpunkte seiner Lehre und seine Pläne am Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung.

Prof. Meyer, herzlich willkommen an der Hochschule Anhalt. Bevor wir über Ihre neue Aufgabe sprechen, lassen Sie uns kurz zurückblicken. Was hat Sie in Ihrer eigenen Studienzeit am meisten geprägt?
Was mich geprägt hat, ist ein bisschen untypisch: Ich habe erst Wirtschaftswissenschaften im Bachelor studiert und bin danach in die Umweltwissenschaften gewechselt. Im Nachhinein hat mir der Wechsel aber viel gebracht. Ich habe besser mit Ökonomen zusammenarbeiten können und davon profitiert, mich in neue Sachen einzuarbeiten. Es ist gut, mal etwas Neues zu wagen und auch interdisziplinäres Wissen nicht zu vergessen. Ich befürworte es auch, wenn sich Studierende fachlich breiter aufstellen. Es braucht Fachkenntnis, aber ich sehe das Fachfremde positiv und möchte den Studierenden gerne raten, ein bisschen nach links und rechts zu schauen.

Das Zweite, was mich geprägt hat, war die internationale Ausrichtung meines Studiums. Ich habe Umweltwissenschaften an der Universität Hohenheim und der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften studiert. Da gab es weniger Frontalunterricht, als es zu der Zeit in einem klassischen deutschen Studiengang üblich war, dafür mehr selbstständiges Arbeiten und Online-Veranstaltungen. Es war selbstverständlich auf Englisch zu studieren und mit ganz unterschiedlichen Mitstudierenden im Hinblick auf den kulturellen Hintergrund und die Arbeitsweise zu agieren. Auslandserfahrung finde ich auch für meine Studierenden heute bereichernd.

Sie begannen Ihren beruflichen Werdegang an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Von 2016 bis 2017 waren Sie in der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forst, danach Projektleiter einer Forschungsgruppe für Agrar- und Regionalentwicklung sowie Juniorprofessor an der Universität Twente, zuletzt am Bayerischen Landesamt für Umwelt. Gibt es so etwas wie ein verbindendes Thema, das Ihren Forschungsbereich beschreibt?
Ja, mich beschäftigt die Wechselwirkung zwischen Naturschutz und Landnutzung. Also die Frage, wie sich die Landnutzung auf Ökosystemleistungen und Biodiversität auswirkt und wie das durch verschiedene Politikinstrumente gesteuert werden kann. Mich reizt daran das übergreifende und das integrierende Arbeiten mit verschiedenen Akteurinnen und Akteuren.

Ihnen ist es wichtig, dass die Studierenden fachlich und methodisch die Wechselwirkungen zwischen Naturschutz und Landnutzung in verschiedenen Konstellationen bewerten und optimieren können. Wie möchten Sie sie darauf vorbereiten?
Der Kern der Studiengänge Naturschutz und Landschaftsplanung, aber auch Umweltplanung, sind zum einen die Schutzgüter. Meiner Meinung nach ist es aber auch wichtig, mit anderen Akteuren zusammenzuarbeiten. Auch mit denen, die gegen oder in Konkurrenz mit dem Naturschutz agieren. Man muss gemeinsame Lösungen suchen. Wie können die Perspektiven der verschiedenen Akteure gesehen, verstanden und berücksichtigt werden und wie können wir den Anforderungen besser begegnen. Die Studierenden sollen vorbereitet werden, auch andere Perspektiven zu verstehen – und da sehe ich einen großen Vorteil am Campus Bernburg. Hier können die Studentinnen und Studenten das mit den anderen Studiengängen wie beispielsweise Landwirtschaft direkt üben.

Haben Sie sich für dafür langfristig ein bestimmtes Ziel gesetzt?
Ja, langfristig würde ich mir wünschen, dass sich mehr Vernetzung mit dem Studiengang Landwirtschaft ergibt. Es wäre gut, wenn die Studierenden der Landwirtschaft und des Naturschutzes mehr in Kontakt miteinander kommen; das könnte durch ein gemeinsames Modul passieren oder indem gewisse Inhalte der Fächer jeweils mehr in das andere Fach integriert werden.

Wenn Sie Ihre Art der Lehre mit drei Worten beschreiben müssten, welche wären das und was ist der Grund dafür?
Erstens stärker projektorientiert, zweitens interdisziplinärer, und drittens, das ergibt sich auch aus meiner Biografie, möchte ich die Module um internationale ergänzend ausrichten, also öfter mal die Perspektive, weg vom nationalen Naturschutz, mehr nach außen verlagern.

Worauf freuen Sie sich in der Zusammenarbeit mit den Studierenden am meisten?
Nach dieser langen Corona-Zeit freue ich mich auf ein mehr Austausch vor Ort und darauf, persönlich ins Gespräch zu kommen. Worauf ich mich auch freue ist, studentische Projekte zu entwickeln, mit den Studierenden gemeinsam auszuarbeiten und sie auch etwas an der Forschung zu beteiligen.

Antworten Sie gerne mit persönlichem Bezug oder allgemein: Welche Entdeckung, Erfindung oder Erkenntnis wünschen Sie sich in den nächsten zehn Jahren?
Was ich mir wünschen würde, ist, dass man die Resilienz von Landschaften in Bezug auf externe Einflüsse wie den Klimawandel oder das Management vor Ort simulieren kann. Mit einem Modell zu Schwachstellen und Kippunkten der Landschaft und ihren Leistungen könnten wir das Management verbessern. Zugleich könnten wir die Wirkung von einzelnen Instrumenten des Naturschutzes oder der Agrarpolitik flächenscharf prognostizieren: Dann wüssten wir genau, welche Politikinstrumente helfen und wie sie umgesetzt werden müssten, würden weniger öffentliche Gelder verschwenden und hätten bessere Argumente für einen gesellschaftlichen Konsens.

Haben Sie ein Motto, das Sie den Studierenden mit auf Ihren Lebensweg geben möchten?
Wechseln Sie ab und zu Ort und Perspektive - gute Ideen kommen nicht immer am Schreibtisch.