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„Wir haben uns für ein flexibles Studienjahr 2020/2021 entschieden.“

  • Der Präsident im Interview

Prof. Dr. Jörg Bagdahn, Präsident der Hochschule Anhalt im Gespräch über den digitalen Start ins Sommersemester und wie es Studierenden gelingen kann, geforderte Lerninhalte zu absolvieren.

Professor Bagdahn, die Hochschule Anhalt hat sich schon frühzeitig mit der Frage beschäftigt, welche Auswirkungen die Ausbreitung des Coronavirus auf den Lehrbetrieb haben kann. Geben Sie uns einen Einblick in die Arbeit des Krisenstabs der Hochschule. Welche Themen beschäftigen ihn?
Der Krisenstab der Hochschule hat in den vergangenen drei Wochen fast täglich getagt. In den Sitzungen hat die Hochschulleitung den Pandemieplan und Pläne für den eingeschränkten Hochschulbetrieb festlegt. Zum Schutz unserer Studierenden und Mitarbeiter haben wir uns für den Ausfall von Prüfungen, Vorlesungen und Praktika entschieden. Der größte Teil der Belegschaft agiert aus dem Homeoffice heraus. Bibliotheken, Computer-Pools, Labore und Werkstätten, alle öffentlichen Einrichtungen sind geschlossen. Dienstreisen, Veranstaltungen und Beratungen sind bis auf Weiteres untersagt. Mit der Verschiebung des Vorlesungsbeginns auf den 20. April 2020 wollen wir dazu beitragen, die Ausbreitung des Coronavirus in Sachsen-Anhalt zu verlangsamen.

Wie ist der derzeitige Ausblick auf das Sommersemester? Denken Sie, dass ein regulärer Studienbetrieb möglich sein wird?
Das Sommersemester 2020 wird für Mitarbeiter und Studierende herausfordernd. Dennoch ist sich die Hochschulleitung einig darüber, dass der Vorlesungsbetrieb starten wird. Allerdings ist noch nicht absehbar, ab wann eine reguläre Präsenzlehre wieder möglich ist. Daher werden wir in starkem Maße auf Angebote der Online-Lehre setzen.

Wie sehen Ihre konkreten Pläne dazu aus?
Um entsprechende Angebote für die Online-Lehre in allen Bereichen anbieten zu können, arbeiten derzeitig alle Kolleginnen und Kollegen fachübergreifend zusammen. Dabei geht es zum Beispiel darum, was die Lehrenden in den ersten Wochen den Studierenden online vermitteln wollen und über welche Ressourcen sie verfügen. Wir haben eigene IT-Systeme, eigene Server-Strukturen und wir haben eigenes Fachpersonal. Aus den Fachbereichen können wir Erfahrungen und Entwicklungen nutzen. Hauptbestandteil der Online-Lehre ist die Lernplattform „Moodle“. Darüber hinaus wird es möglich sein, Seminare über Videokonferenzen durchzuführen. Die konkreten Planungen erfolgen in jedem Studiengang, dort erhalten die Studierenden auch die Informationen zum Ablauf. Ich bitte an dieser Stelle um Verständnis, dass wir am 20. April nicht den vollständigen Ablauf des Semesters parat haben werden, sondern dass es im Laufe der nächsten Wochen immer wieder zu Aktualisierungen kommen kann.

Ist es aufgrund der besonderen Situation für Studierende überhaupt möglich, reguläre Studienleistungen im Sommersemester zu erbringen?
Das Präsidium der Hochschule hat sich für ein „Flexibles Studienjahr 2020-2021“ entschieden. Dieses zeichnet sich durch drei Schwerpunkte aus:

  1. die Verschiebung von Modulen des Sommersemesters in das Wintersemester und umgekehrt bzw. eine vorgezogene Absolvierung von für ein Online‐Studium geeigneter Module aus nachfolgenden Semestern,
  2. die Nutzung des bisher als vorlesungsfreie Zeit im Studienjahresablaufplan ausgewiesenen Zeitraums vom 26. Juli bis 13. September 2020 sowie
  3. eine flexible von den Festlegungen der Studien- und Prüfungsordnung abweichende Anwendung von Vermittlungsformen (Vorlesung, Übung, Seminar, Praktika, Selbststudium).

Mit diesem Ansatz wollen wir die Möglichkeit schaffen, dass man trotz der Einschränkungen durch die COVID-19-Krise die Lehrinhalte absolvieren kann.

Einen ersten Vorgeschmack, wie Fern- und Online-Lehre gestaltet sein könnten, erhalten Studierende und Mitarbeiter durch die digitalen Bildungsangebote, die die Hochschule zum Semesterstart am 1. April auf ihrer Internetseite zusammengestellt hat. Was ist Ihre Intention dabei?
Studierende und Lehrende stehen derzeit vor der Herausforderung, das kommende Semester digital zu beginnen. Die Bildungsangebote sollen den Einstieg in die Online-Lehre für beide Seiten erleichtern, Unsicherheiten abbauen und die Zusammenarbeit untereinander stärken. Die Inhalte sind kein Bestandteil des offiziellen Lehrbetriebs, sondern ein Angebot zur Vorbereitung auf ein Semester mit Lehre auf Distanz. Wie unter den Studierenden gibt es unter den Lehrenden technikaffine Menschen. Hier gilt es jetzt, jenes Wissen untereinander zu teilen, ins Gespräch zu kommen und sich gegenseitig zu unterstützen.