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Zum dritten Mal: Ingenieurethik als Lehrmodul am FB 7

Die Bundesingenieurkammer definiert einen Ingenieur als „wissenschaftlich ausgebildet auf dem Gebiet der Technik. Er übt seinen Beruf entsprechend seiner beruflichen Qualifikation und Erfahrung aus. Die Wahrnehmung der Aufgaben ist gekennzeichnet durch geistig-schöpferische Tätigkeit in fachlicher Verantwortung. Damit dient er in ethischer Verantwortung den Menschen und ihrer Umwelt.“


Ziel des 2016 eingeführten Wahlpflicht-Moduls Ingenieurethik ist es, Studierende aller Studiengänge des Fachbereiches Angewandte Biowissenschaften und Prozesstechnik mit ethischen Grundsätzen und Problemstellungen in ihren zukünftigen Ingenieurstätigkeiten zu konfrontieren und zu sensibilisieren sowie Leitfäden und Regeln als Orientierung in ethischen und moralischen Fragestellungen zu geben. Im Mittelpunkt stehen neben allgemeinen Grundsätzen des Ingenieurs und philosophischen Begrifflichkeiten (Fortschritt, Verantwortung, Pflicht und Werte/Wertefreiheit) insbesondere die Theorie der Folgeethik im Rahmen von technischen Erneuerungen im Life Science Bereich (z.B. Energiewende, Biotechnologie, Künstliche Intelligenz). Der Wachstumsgesellschaft mit einer steten Ertragsmaximierung sollte ein Berufskodex der Ingenieure gegenüberstehen, der Begriffe wie Sicherheit und Risiko, Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Mut zur Wachstumswende in seinen Entscheidungen diskutiert und in die zukünftige Gesellschaft einbringt. Somit steht der Diskurs zwischen den Lehrenden/Experten und den Studierenden im Vordergrund der Lehrformen. An zahlreichen Fallbeispielen sollten die Studierenden sich informieren, diskutieren und Entscheidungen treffen bzw. diese kommentieren. Im Mittelpunkt der Seminare in diesem Wintersemester 2018/2019 standen Themen und Fallbeispiele, vorrangig aus den Lebenswissenschaften. (Pharmaforschung & Produktion, Gentechnik, Landwirtschaft, Lebensmittel), aber auch aus Gebieten der klassischen Verfahrenstechnik (Energietechnik, Mobilität, Umwelttechnik).

Zudem bearbeitete jedes Team während des Semesters ein spezielles Thema mit Vortrag, Diskussion und Hausarbeit:

  • Konzepte zur Reduzierung der Verpackungen bei Lebensmitteln
  • Der Markt entscheidet über die Produkte- aber wo kommen die Lebensmittelprodukte her?
  • Digitale Zukunft der Pharmaindustrie-wo steht der Ingenieur?
  • Psychopharmaka-Lebensretter mit schweren Folgen
  • Chancen der Gentherapie in der Medizin - Fallbeispiele und Zukunftsvision
  • Warum wird Gentechnik in Deutschland so kritisch gesehen?
  • Big Data beim Zusammenspiel von Biotechnologie und Landwirtschaft
  • Bioethik -Die neuen Genom-Editing-Verfahren
  • Pro und Contra der Energiewende
  • Zukunft Elektromobilität - eine Bilanz
  • Biodiversität und Landwirtschaft- die Rolle der Neonicotinoide nach dem EU-Urteil
  • Welche Ingenieurberufe sind von der Digitalisierung betroffen?

Es wurden dazu wieder 4 Expertenvorträge mit anschließenden Diskussionsrunden zu den Schwerpunktthemen Automatisierung (Prof. Sommer), Gentechnik (Frau Prof. Cordes), Regenerative Energien (Prof. Bergmann) und Luftqualität in Großstädten (Dr. Nordmann vom Umweltbundesamt Dessau-Roßlau) angeboten. Der Lernerfolg hängt immer entscheidend von der Aktivität der Studierenden ab. Diese Aktivität wurde durch unterschiedlichste Angebote in der Methodik angeregt, wissenschaftliche Ergebnisse wurden lebhaft diskutiert und es konnten so neue Perspektiven auf sich ändernde Werte und Wertevorstellungen in der Gesellschaft gewonnen werden.


Modulveranwortlicher: Prof. Dr. Jens Hartmann