Geschichte

Altehrwürdige Residenzstadt

Die erste Erwähnung Bernburgs erfolgte im Jahr 961. Eine städtebauliche Besonderheit, die Bernburg prägt, sind die drei historischen Stadtkerne. Das vollständig erhaltene Wohnschloss (vorwiegend im Baustil der Renaissance) der Herzöge von Anhalt-Bernburg ist die bekannteste Sehenswürdigkeit - auch die Krone Anhalts genannt.

Das historische Bernburg

  • Schloss Bernburg

    Am östlichen Saaleufer erhebt sich auf einem hohen Sandsteinfelsen das ehemalige Residenzschloss der Fürsten und späteren Herzöge von Anhalt- Bernburg. In einer Schenkungsurkunde Ottos I. vom 29. Juli 961 wird eine „civitas brandanburg“ erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1138 wurde die Burg in einer Auseinandersetzung zwischen den Welfen und den Staufern erstürmt und niedergebrannt. Zu dieser Zeit war sie Witwensitz von Eilika Billung von Sachsen (um 1081 – 1142), der Mutter Albrechts des Bären (um 1100 – 1170), der die Burg an gleicher Stelle wiedererrichten ließ. Aus dem 12. und 13. Jahrhundert sind noch die Reste der Burgkapelle (7) sowie der imposante Bergfried (Eulenspiegelturm) (14) zu sehen. In gotischer Zeit wurden der „Blaue Turm“ (4), das „Alte Haus“ (5) und das „Krumme Haus“ erbaut. Im 16. Jahrhundert erfolgte der Ausbau zu einem der eindrucksvollsten Renaissanceschlösser Mitteldeutschlands. Fürst Wolfgang (1492 – 1566), ein sehr früher Bekenner der Reformation, ließ ab 1538 den westlichen Teil des so genannten Langhauses von Schloss Bernburg errichten (11). An das Wirken des Renaissance- Baumeisters Andreas Günther erinnern heute die als Ecktürme aufgeführten Runderker an der westlichen Stirnseite des Langhauses, die häufig auch als „Leuchten“ bezeichnet werden, sowie die daran befestigten Fassadenreliefs. 

    Baumeister Nickel Hoffmann vollendete 1570 mit dem „Joachim- Ernst-Bau“ (12) das „Langhaus“ von Schloss Bernburg. Ende des 17. Jahrhunderts fügte Fürst Viktor Amadeus Barockbauten – Brückenportal (2), Viktor-Amadeus-Bau (13) und Hofmauer (15) – dem Schloss hinzu. Weitere Ergänzungen aus dieser Zeit stellen die Reitbahn mit Marstall, die Orangerie sowie die Schlosskirche St. Aegidien dar. Seit 1858 sind im Schlossgraben unterhalb der Schlosseinfahrt in einem artgerechten, 1996 modernisierten Gehege Braunbären untergebracht. Ein besonderes Baudenkmal von Schloss Bernburg ist der mächtige Eulenspiegelturm aus dem späten 12. Jahrhundert. Mit seinen drei Meter starken Mauern war der Bergfried ein letzter sicherer Rückzugsort der Burg. In der 22. Episode des Eulenspiegelepos wird darüber berichtet, dass der Narr dem Grafen von Anhalt als Turmwächter gedient haben soll. Aus 38 Metern Höhe bietet sich bis heute ein weiter Blick über die Stadt Bernburg und das idyllische Saaletal. 

    Schlossführungen:

    Stadtinformation

    Tel. 03471 3469311

    www.bernburger-freizeit.de

  • Kirche St. Aegidien

    Die Schlosskirche entstand wahrscheinlich zeitgleich mit der Stiftskirche in Gernrode und ist somit romanischen Ursprungs. Dies ist an der Apsis und dem Vierungsturm ablesbar. Die erste Nennung erfolgte allerdings erst 1375. Charakteristisch für die Kirche ist das Nebeneinander der verschiedensten Stile, welches auf rege Bautätigkeit hinweist. Der heute dominierende barocke Stil geht auf einen Umbau im Jahr 1752 zurück. Als Schlosskirche des anhaltbernburgischen Fürstensitzes erlangte sie große Bedeutung. 

    In der 1625 errichteten, kulturgeschichtlich interessanten Gruft des Chores und der Apsis liegen die Gebeine der Familienmitglieder der Fürsten und Herzöge von Anhalt- Bernburg (jüngere Linie, 1603 – 1863). Auch die als Stifterin tätige letzte Herzogin Friedrike (verstorben 1902) ist hier beigesetzt. Besondere Bedeutung gewann die Kirche durch ihre Stellung als regionales Zentrum des Protestantismus. Herausragende Verdienste erwarb sich der Superintendent Friedrich Adolf Krummacher (1767 – 1845). Er war der Initiator der Union zwischen reformierter und lutherischer Kirche. Sein Schwiegersohn, Wilhelm von Kügelgen (1802 – 1867), war Hofmaler und Kammerherr des zuletzt regierenden Herzogs Alexander Carl. Mit seinen Memoiren „Jugenderinnerungen eines alten Mannes“ wurde er als Literat der Biedermeierzeit bekannt.

  • Reitbahn (Marstall) des Schlosses (Rathaus II)

    Der klassizistische Reit- und Marstall entstand 1756, die bauliche Vollendung erfolgte 1824/25. Ein Umbau fand 1919 bis 1921 statt. Seit Beginn der 90er Jahre wird das Gebäude als Rathaus II durch die Stadtverwaltung genutzt. Sehenswert ist die Art-Deco- Einrichtung im Gebäude.

  • Ehemalige Orangerie des Schlosses

    Der einst zweigeschossige Prachtbau des Hochbarock (erbaut 1732 – 1734) ist noch in seiner beeindruckenden Fassaden-Ausführung vorhanden. Diese trägt Züge des Dresdner Zwingers. Die Fassadenelemente wurden beim Bau der Turnhalle des Gymnasiums Carolinum an gleicher Stelle neu verwendet.

  • Das Rathaus

    1895 entstand das Rathaus im Stil des Historismus (Neore‑ naissance). Eine bauliche Besonderheit ist das viel ältere Portal des Turmes. Die Blumenuhr an der Vorderfront wurde 1938 angelegt. Auch das Interieur des Rathauses weist manche Besonderheit auf. Ein technisches Kleinod ist die geografisch-astronomische Kunstuhr des national und international bedeutenden Turmuhrmachers Johann Ignaz Fuchs. Sie zeigt die Bernburger Zeit, Sternzeit, Mondbewegung, Kalendarium und die Zeit von 20 Weltstädten an. Die Mechanik besteht aus 196 Rädern, Getriebe- und Hebeltechnik. Das Herzstück ist ein Zahnrad, welches sich in vier Jahren einmal dreht. Die Uhr muss selbst in Schaltjahren nicht nachgestellt werden. Johann Ignaz Fuchs schenkte dieses Meisterwerk der Uhrmacherkunst 1878 seiner Wahlheimatstadt Bernburg.

  • Kloster der Marienknechte

    Das vermutlich vor 1308 gegründete Kloster liegt etwas abseits der Breiten Straße an der früheren Stadtgrenze. Bemerkenswert an der Klosterkirchenruine sind die Reste einer schmalen Kanzel und das Maßwerk einiger Fenster sowie die Ansätze des Kreuzgewölbes im Kreuzgang. Das Kloster wurde in der Reformationszeit von Fürst Wolfgang von Anhalt vor 1530 säkularisiert und im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Das Denkmal beherbergt heute Fachbereiche der Hochschule Anhalt (FH). Zu hohen kirchlichen Feiertagen finden hier ökumenische und gemeinsame Gottesdienste der Stadtkirchengemeinden statt.

  • Der rekonstruierte Kurpark

    Der rekonstruierte KurparkVon 1902 bis 1939 war die Stadt Bernburg Kurort (Solbad) – die Deutschen Solvaywerke lieferten für die Heilbehandlungen „die stärkste Sole Deutschlands“. Direkt neben dem repräsentativen Kurhaus entstand ein bemerkenswerter Kurpark, der allerdings nach Ende des Badebetriebes zusehends verfiel. Dank der städtebaulichen Landesinitiative URBAN 21 konnte der Landkreis Bernburg den Kurpark in seiner alten Schönheit wiederherstellen.