Projekt

Prof. Dr. Sabine Tischew - Agrarmanagement (FB1) Forschungsprojekt

EU-LIFE Projekt VinEcos

  • Pfortenser Köppelberg - Vegetationserfassungen © Anita Kirmer
  • Beweidung mit Suffolk-Schafen am Saalhäuser Weinberg © Anita Kirmer
  • Schafbeweidung am Saalhäuser Weinberg © Anita Kirmer
  • Saalhäuser Weinberg: Steinhummel an Oregano © Anita Kirmer

Im Zuge der Klimaerwärmung kommt es immer häufiger zu extremen Klimaereignissen wie anhaltende Trockenperioden und Starkregenfälle. Gerade im Steillagenweinbau erhöht dies die Erosionsgefahr und führt zu einem zunehmenden Wasserstress der Weinreben. Das EU-LIFE Projekt „Optimierung von Ökosystemdienstleistungen im Weinbau vor dem Hintergrund des Klimawandels“ (VinEcos) will deshalb innovative, an den Klimawandel angepasste Bewirtschaftungsweisen im Weinbau entwickeln, die zur Erhöhung der Biologischen Vielfalt beitragen und damit die Ökosystemdienstleistungen im Weinberg verbessern. Die im Projekt geplanten Untersuchungen werden auf drei Demonstrationsflächen des Landesweingutes Kloster Pforta modellhaft umgesetzt. Dabei stehen folgende Fragen im Mittelpunkt:

  • Welche Art von Ökosystemleistungen stellt das Ökosystem Weinberg bereit?
  • Welche Auswirkungen hat eine Erhöhung der Biodiversität im Weinberg auf diese Ökosystemleistungen?
  • Wie können Ökosystemleistungen im Weinberg vor dem Hintergrund des Klimawandels ökologisch und ökonomisch nachhaltig optimiert werden?

Arbeitspaket 1. Ressourcenschonende Produktionsverfahren und Anbautechniken (verantwortlich: Landesweingut Kloster Pforta)
Auf ausgewählten Flächen des Landesweingutes werden Produktionsverfahren und Anbautechniken entwickelt, die an die erwarteten Klimaveränderungen angepasst sind (z. B. Naturwuchserziehung). Positive Effekte sind eine Vitalisierung der Reben durch mehr Freiheit und eine Auflockerung der Traubenstruktur. Es wird ein Reduktion der Krankheitsanfälligkeit und damit auch des Pflanzenschutzmitteleinsatzes erwartet, was mit einer Kostenreduzierung verbunden ist.

Arbeitspaket 2. Erprobung von Wildpflanzenmischungen zur Gassenbegrünung – Pfortenser Köppelberg (verantwortlich: Hochschule Anhalt)
Es wurden zwei Saatgutmischungen von 48 niedrig wachsenden, anspruchslosen Pflanzenarten zusammengestellt. Die Vegetation soll Nektar- und Pollenquellen bereitstellen, einen guten Erosionsschutz gewährleisten und durch einen bunten Blühaspekt einen hohen ästhetischen Wert aufweisen. Die Verwendung von regionalem Wildpflanzensaatgut stellt eine optimale Anpassung der ausgewählten Arten an die regionalen Klimabesonderheiten sicher. Auf dem Pfortenser Köppelberg wurde im August 2016 ein wissenschaftlicher Blockversuch mit drei Varianten angelegt: 2 Wildpflanzenmischungen, 1 konventionelle Weidelgras-Weißklee-Mischung. Auf allen Varianten wird die Abundanz von Pflanzen, Schmetterlingen, Wildbienen und Vögeln regelmäßig erfasst und Parameter für Bodenentwicklung und Erosionspotential sowie Gesundheit und Wasserstress der Weinreben erhoben.

Arbeitspaket 3. Schafbeweidung in Steillagen – Saalhäuser Weinberg (verantwortlich: Hochschule Anhalt)

Durch die Schafbeweidung soll der Maschineneinsatz im Steillagenweinbau reduziert werden. Neben der Pflege der Gassen und Unterstockbereiche sollen die Schafe auch die Stockaustriebe entfernen. Auf dem Saalhäuser-Weinberg wurde ein wissenschaftlicher Blockversuch mit Weide- und Mulchvarianten angelegt. Im November 2016 wurden die Standorte durch Ansaat von artenreichen Wildpflanzenmischungen vorbereitet (siehe AP2). Von Mitte Juni bis Mitte August 2017 wurden die Beweidungsvarianten mit 3 Muttertieren und 7 Lämmern (Merino-Landschafe) in zwei Intervallen beweidet. Zwischen den Beweidungsgängen diente die benachbarte Streuobstwiese als Weidefläche. Die Datenerhebung erfolgte analog zu Arbeitspaket 2. Zusätzlich erfolgten Aktivitätserfassungen der Schafe im Weinberg.

Arbeitspaket 4. Bodenanalysen und Erosionskontrolle (verantwortlich: Jena-Geos)
In regionalen Weinbergen werden hochauflösende Bodenkarten für eine teilflächengenaue Bewirtschaftung der Weinbaustandorte erstellt und ein weinbergspezifisches Risikovorhersage-Tool entwickelt. Für Vergleiche verschiedener Ansaat- und Managementvarianten auf den Versuchsstandorten werden ausgewählte Bodenparameter gemessen und der Bodenverlust durch Sedimentfallen bestimmt.

Arbeitspaket 5. Bewertung der Ökosystemleistungen (verantwortlich: Landgesellschaft Sachsen-Anhalt)
Die Effekte konventioneller und im Projekt entwickelter Begrünungs- und Managementmethoden sollen hinsichtlich ihrer Wirkungen auf die Biodiversität sowie auf ausgewählte Ökosystemleistungen bewertet werden. Dafür wurden Versorgungsleistungen (z. B. Traubenproduktion und -qualität), Regulierungsleistungen (z. B. Bestäubung, Wasserrückhaltekapazität, Erosionsschutz) und kulturelle Leistungen (z. B. Bildung, Tourismus, Ästhetik) ausgewählt. Als wichtige Indikatoren dienen z. B. Abundanz blühender Pollen- und Nektarpflanzen, Anzahl von Schmetterlingen, Wildbienen und Vögeln, Bodenfeuchte, Bodenabtrag, Wasserstress der Reben, Rebenvitalität, Säure- und Zuckergehalt der Trauben, Erntemenge. Im zweiten Schritt werden die prognostizierten klimatischen Veränderungen einbezogen und der Mehrwert der im Projekt entwickelten Maßnahmen durch eine Kosten-Nutzen-Analyse bewertet.

Gefördert durch: EU LIFE Programm; Projektnummer LIFE15 CCA/DE/000103; Projektlaufzeit 7/2017-6/2020

Weiterführende Informationen finden Sie auf
www.life-vinecos.eu
http://www.offenlandinfo.de/projekte/projektinhalte/optimierung-von-oekosystemdienstleistungen-im-weinbau/