Projekt

Dr. Holger Grönwald - (FB3) Semesterarbeit

Archäologische Lehrgrabung - Memleben

Die Lehrgrabung fand in diesem Jahr in der historisch und architektonisch bedeutsamen Kloster- und Kaiserpfalz Memleben statt. Diese liegt an der südlichen Route der Straße der Romanik. Memleben ist ein Ortsteil der Gemeinde Kaiserpfalz und ca. 60 km südwestlich von Halle entfernt.

Zwischen der prächtigen Ruine der zweiten Klosterkirche aus dem 13. Jahrhundert und dem rekonstruierten Grundriss einer Kirche aus dem 10. Jahrhundert erstreckte sich das Grabungsareal entlang der Scheune aus dem 17. Jahrhundert.

In der Nähe oder sogar in Memleben selbst lag die bedeutende Pfalz des ostfränkischen Königs Heinrich I. und seines Sohnes Kaiser Ottos des Großen. Der genaue Standort lässt sich nicht lokalisieren. Memleben wurde Ende des 9. Jahrhunderts in der Besitzurkunde des Klosters Hersfeld verzeichnet. Die immense historische Bedeutung als Sterbeort Heinrichs I. und Ottos des Großen wurde durch die Klostergründung Ottos II. nach dem Jahr 973 manifestiert. 

Das Kloster stieg schnell zur bedeutenden Reichsabtei auf, nicht zuletzt, weil es großzügig Besitz und Rechte erhielt. Aber schon am Ende der Ottonen-Ära verlor es an Einfluss. Im 13. Jahr­hundert wurde deshalb die imposante Klosterkirche aus dem 10. Jahrhundert aufgegeben und eine kleinere Kirche mit Krypta und dreiflügeliger Klausur errichtet. Die eindrucksvolle Krypta der heute nur als Ruine zu erlebenden zweiten Kirche ist im Originalzustand erhalten. Bauernkriege und Säkularisation besiegelten das Ende des Klosters. 1551 übereignete der sächsische Kurfürst die Güter an die Landesschule Pforta, die diese bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges besaß und landwirtschaftlich nutzte. 1722 zerstörte ein Blitz das Kirchendach und leitete den Teilabbruch der Kirche ein. Erst Karl Friedrich Schinkel, der als „Chefarchitekt“ des Königreichs Preußen gegen Verfall und Abriss historischer Bauten kämpfte, konnte die Memlebener Anlage sichern lassen. Bis zum Ende der DDR wurde die Klosteranlage als landwirtschaftliche als Volkseigenes Gut genutzt. Nach 1989 übernahmen die Gemeinde und ein Förderverein die Verantwortung für das historische Erbe. Seit 2008 ist die Stiftung Kloster und Kaiserpfalz Memleben Eigentümerin der Klosteranlage, die die denkmalpflegerische Sicherung sowie die Weiterentwicklung des gesamten Klosterareals gewährleistet. In den Klausurbereichen befindet sich heute das Museum mit einer Dauerausstellung zur Geschichte des Klosters Memleben.

Auch im nächsten Jahr startet eine neue Grabungskampagne. Wann genau erfahren Sie im Video. Wir freuen uns über die interessierten Besucher des Museums.