Projekt

Jan Büchsenschuß - (FB3) Semesterarbeit

Architektur und Sprache

  • Turm zu Babel

„Jede ästhetische Spekulation … lehnen wir ab.“ – Diese unheilvolle Bemerkung Mies van der Rohes, die ironischerweise selbst zu einer Form der ästhetischen Spekulation wurde, markiert einen problematischen Bruch in der Geschichte der Architekturtheorie.

Spekulation – verstanden als das jahrhundertealte intellektuelle Spiel des Sich-Näherns an die Welt der (architektonischen) Ideen durch Probieren und Kombinieren von Begriffen und Symbolen – gerät auf einmal aus dem Blickfeld der Architekten. 

Dabei zieht allein die Sprache die Grenze zwischen dem Denkbaren und dem Nicht-denkbaren – wie der Philosoph Ludwig Wittgenstein etwa zur gleichen Zeit betont. Damit ist architektonische Gestaltung – auch wenn sie wortlos vollzogen wird – ohne dahinterliegende Begriffe, die den Formen Struktur und Denkbarkeit verleihen, nicht möglich. Grund genug also, sich über Mies` mahnendes Dogma hinwegzusetzen und ästhetische Spekulation als Spannungsfeld zwischen Architektur und Sprache zu betreiben. 

Die Studenten waren vor die Aufgabe gestellt, sich dem Thema ‚Architektur und Sprache‘ aus zwei Richtungen zu nähern. Auf der einen, eher theoretischen Seite haben wir die Sprachfähigkeit der Architektur selbst untersucht. Beim Lesen architektursemiotischer Texte ging es um das Erkennen und Definieren der kommunikativen Facetten gebauter Architektur. Jenseits von Schönheit und Funktion kommunizieren architektonische Formen Botschaften, deren Verstehen eine grundlegende Voraussetzung ist, um architektonische Gestaltung zu verstehen.

Auf der eher angewandten Seite ging es um das exemplarische Überprüfen der Übersetzbarkeit von Architektur in Sprache und wieder zurück. Es wurden Textpassagen aus der Geschichte der Architekturtheorie aber auch aus zeitgenössischer Belletristik mit bauwerksbeschreibenden Inhalten gelesen und versucht, dass dort beschriebene Gebäude möglichst präzise zu rekonstruieren. Das Ergebnis war oft verblüffend. Denn Sprache, so exakt wie sie im Detail klingt, kann nie ein Gebäude als Ganzes beschreiben. Die Rekonstruktionsversuche der Studenten wichen daher zum Teil gravierend voneinander ab, ohne dass dem ursprünglichen Text widersprochen wurde. Ein Gebäude zu beschreiben – sei es als literarische Übung, aber auch im Rahmen einer Entwurfspräsentation – stellt immer eine Auswahl dar, die Vieles unerwähnt lässt. 

Sich einen eigenen Text zu wählen und eine entsprechende Rekonstruktion anzufertigen, war im Anschluss die abzugebende Semesterarbeit. Den visuellen Darstellungen war ein begleitender Text beizufügen, in welchem die gestalterischen Entscheidungen zu begründen waren, die nicht aus der Textpassage hervorgingen.

 

Semesterarbeiten

Nico Sanne: "Hannibal" von Thomas Harris 

Janick Schmid: "Pippi Langstrumpf" von Astrid Lindgren

Markus Passeck: Kaiserhaus Seligenstadt aus "Architektur, Struktur, Symbol: Streifzüge durch die Architekturgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart" von Maike Kozok

Natalie Feist: "Die Nadel" von Ken Follett

Fred Richter: "Traum im Polarnebel" von Juri Rytcheu

Pia Mohrholz: "Die 3 Lilien" von Rose Snow

Janet Landwehr: "Jäger der Finsternis" von H. P. Lovecraft