Steigende Temperaturen stellen die landwirtschaftliche Weidehaltung vor neue Herausforderungen. Wie gut kommen Weidekühe mit den neuen klimatischen Bedingungen zurecht und ab wann fühlen sie sich nicht mehr wohl? Das untersucht Prof. Dr. Heiko Scholz von der Hochschule Anhalt – auch mit Hilfe digitaler Technologien.*
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Landwirtschaft im Klimawandel: Hitzestress bei Mutterkühen auf der Weide
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Hitzestress bei Mutterkühen auf der Weide: Das Projekt in Kürze
Warum das Forschungsthema wichtig ist
Hitzephasen werden in Europa zunehmen. Damit sind Tiere auf der Weide einer stärkeren Sonneneinstrahlung und häufiger Temperaturen von über 30 Grad ausgesetzt. Dazu gibt es bislang nur wenige Studien unter den klimatischen Verhältnissen von Deutschland. Landwirtinnen und Landwirte sind jedoch auf konkrete Daten angewiesen, um Stress rechtzeitig zu erkennen und angemessen zu reagieren. Zumal sie zunehmend mit der Forderung konfrontiert sind, zugunsten des Tierwohls auf Weidehaltung zu setzen. Solche wissenschaftlichen Erkenntnisse stellen darüber hinaus eine wichtige Grundlage für behördliche Kontrollen dar.
Was die Forschung (bislang) gezeigt hat
Zwischen Mai und September 2024 hat Prof. Dr. Heiko Scholz erstmals 45 Mutterkühe und deren Kälber auf der Weide anhand verschiedener Kennzahlen untersucht: von Körperoberflächentemperatur über Graseverhalten bis hin zu Kot- und Harnwerten. Entscheidend für das Erkennen von Hitzestress war die Atemfrequenz. Sie war während der Nachmittagsstunden am höchsten, das heißt die Tiere hatten zu dieser Zeit am stärksten mit der Hitze zu kämpfen. Das zeigte sich sowohl in der direkten Beobachtung der Tiere zu verschiedenen Tageszeiten als auch in den Überwachungsdaten von digitalen Sensoren. So wurden zehn Kühe zusätzlich 24 Stunden mit Hilfe eines Sensor-Halsbandes überwacht.* Darüber war unter anderem erkennbar, dass sie in Hitzephasen ihr Fressverhalten änderten und zunehmend auch in der Nacht das Futter auf den Weideflächen aufnahmen.
Wie die Ergebnisse genutzt werden können
Die Studie weist schon jetzt auf wichtige Indikatoren und Folgen für Hitzestress hin. Im kommenden Jahr werden die Untersuchungen fortgeführt und die Ergebnisse um weitere Daten ergänzt. Um den Hitzestress für die Weidetiere zu reduzieren, lassen sich folgende Maßnahmen für ein angepasstes Weidemanagement formulieren:
- junges Futter, über das die Kuh beim Wiederkäuen selbst weniger Wärme produziert
- eine angepasste Wasserversorgung mit kurzen Wegen für die Kühe
- luftige Plätze mit viel Windbewegung zur Abkühlung
Seine Ergebnisse und Erkenntnisse stellt Prof. Dr. Heiko Scholz auf der Fachmesse "Eurotier" erstmals vor: vom 12. bis 15. November 2024 in Hannover: https://www.hs-anhalt.de/hochschule-anhalt/aktuelles/fachmessen/eurotier-2022.html
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Prof. Dr. Heiko Scholz engagiert sich in Lehre, Forschung und Wissenstransfer der Hochschule Anhalt. Die Erkenntnisse seiner Projekte teilt er in Vorträgen, Workshops und auf Fachmessen.
Forschung für die landwirtschaftliche Tierhaltung: Ausblick mit Prof. Dr. Heiko Scholz
Herr Prof. Scholz, wie sind Sie auf das Thema für Ihr Studie gekommen?
Die Fragen kamen direkt aus der Praxis. Die Hochschule Anhalt ist einer der wenigen Standorte, die überhaupt zum Thema Fleischrinder forschen. Und da ich im deutschsprachigen Raum viele Vorträge halte, wurde das Thema direkt an mich herangetragen.
Warum ist es so wichtig, ausreichend Daten zu den Kühen zu erheben? Gibt es nicht genügend praktische Erfahrungswerte zum Tierwohl?
Kein ernstzunehmender Landwirt lässt seine Tiere leiden. Er will wissen, was er dagegen tun kann. Es geht um die Frage, ab wann haben die Kühe Stress und muss ich um 9, 12, 15 oder 18 Uhr auf die Wiese, um zu schauen, ob es den Kühen gut geht. Und das unter neuen Bedingungen, zu denen es kaum Erfahrungswerte gibt. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, fundierte Entscheidungen treffen zu können und diese notfalls auch zu rechtfertigen.
Denken Sie, dass mit entsprechenden Maßnahmen Weidehaltung trotz des Klimawandels auch weiterhin möglich ist?
Ja, das denke ich. Welche Maßnahmen dafür wichtig sind, habe ich in meinen Vorträgen schon oft vorgestellt. Angesichts des Klimawandels steigt der Druck diese umzusetzen. Die Anpassung ist der entscheidende Schritt, um die Wiederkäuerhaltung als entscheidenden Teil zur Erhaltung unserer Kulturlandschaft zu ermöglichen.
Prof. Dr. Heiko Scholz...
- lehrt und forscht an der Hochschule Anhalt seit 2008 auf dem Gebiet der Tierproduktion und Ökonomik in der Tierproduktion.
- ist sowohl Wissenschaft als auch Praxis der Agrarökonomie eng verbunden: als Facharbeiter für Pflanzenproduktion, staatlich geprüfter Techniker für Agrarwissenschaft und Absolvent des Landwirtschaftsstudiums an der Hochschule Anhalt.
- promovierte nach einem dreijährigen Forschungsaufenthalt in der Lehr- und Versuchsanstalt für Tierproduktion und Technik des Landes Sachsen Anhalt in Iden-Rohrbeck zum Doktor der Agrarwissenschaften am Institut für Tierzucht und Tierhaltung mit Tierklinik der landwirtschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
- arbeitet auch für seine aktuelle Forschung eng mit der Lehr- und Versuchsanstalt für Tierproduktion und Technik des Landes Sachsen Anhalt in Iden-Rohrbeck zusammen, unter anderem für das Projekt zum Hitzestress bei Mutterkühen.
- stellt auf der diesjährigen Fachmesse "Eurotier" auch Studienergebnisse zu diesen Themen vor:
- Bewertung des LCS von Milchkühen (Effekte von tier- und umweltassoziierten Einflussfaktoren auf das Lahmen von Kühen)
- Winteraußenhaltung von Mutterkühen
- Mineralstoffversorgung bei Sauen
... ist für Nachfragen und Anfragen erreichbar unter Tel.: +49 Tel.: +49 (0) 3471 355 1178 oder per E-Mail: heiko.scholz(at)hs-anhalt.de
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*Die Untersuchungen waren Teil eines Projekts, das 2024 vom Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt gefördert wurde.