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Landwirtschaft und Klimaanpassung: Warum Betriebe ganzheitliche Lösungen brauchen

  • Eine Kuh steht in einer nebligen Wiese und weidet bei goldenem Morgen- oder Abendlicht, umgeben von sanftem Dunst und Bäumen im Hintergrund. © hochschule anhalt | heiko scholz

Trockenperioden, Starkregen, neue Anforderungen beim Klimaschutz und schwankende Erträge stellen viele landwirtschaftliche Betriebe vor Herausforderungen. Die Anpassung an veränderte Bedingungen betrifft dabei selten nur einen einzelnen Bereich. Fütterung, Tierhaltung, Ressourcenverbrauch und betriebliche Abläufe greifen ineinander.

Prof. Dr. Heiko Scholz betrachtet Landwirtschaft und Klimaanpassung deshalb als zusammenhängendes System. Seine Forschung reicht von der Futterproduktion über die Tierhaltung bis zur Erfassung von Emissionen. Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die sich unter Praxisbedingungen umsetzen lassen. Einige hat er in diesem Jahr bereits auf den Landwirtschaftsmessen agra und BraLa vorgestellt. Im März ließ er sich sogar von Japan inspirieren. 

Landwirtschaft als vernetztes System

Wer die Landwirtschaft an veränderte klimatische Bedingungen anpassen will, muss viele Faktoren gleichzeitig betrachten. Die Wahl der Futterpflanzen beeinflusst den Bedarf an Betriebsmitteln. Haltungsverfahren wirken sich auf Tiergesundheit und Arbeitsaufwand aus. Emissionen hängen wiederum von Fütterung, Leistung und Management ab.

An diesen Schnittstellen setzt die Arbeit von Professor Heiko Scholz an. Seine Projekte beschäftigen sich mit Fragen, die landwirtschaftliche Betriebe unmittelbar betreffen. Dazu gehören die Versorgung mit Eiweißfuttermitteln, die Haltung von Mutterkühen unter wechselnden Witterungsbedingungen und die Erfassung von Methanemissionen.

Heimische Eiweißquellen für die Fütterung

Ein Schwerpunkt seiner Untersuchungen liegt auf Ganzpflanzensilagen aus Körnerleguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen oder Lupinen. Solche Kulturen gewinnen an Bedeutung, weil sie zur Versorgung von Milchkühen mit Eiweiß beitragen können.

In den Jahren 2024 und 2025 untersuchte sein Team die Entwicklung von Trockenmassegehalt, Ertrag und Nährstoffgehalt verschiedener Körnerleguminosen. Ziel war es, geeignete Erntezeitpunkte und Bedingungen für die Silierung zu bestimmen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Ernte bei einem Trockenmassegehalt zwischen 30 und 50 Prozent erfolgen sollte. Bei Weißen Lupinen wurden Erträge von 121 Dezitonnen Trockenmasse pro Hektar erreicht. Nach einer Silierdauer von mehr als 100 Tagen lagen die Trockenmasseverluste bei weniger als fünf Prozent.

Für die Praxis sind solche Ergebnisse vor allem deshalb interessant, weil sie den Einsatz heimischer Eiweißquellen unterstützen können. Dadurch lassen sich betriebliche Fütterungssysteme breiter aufstellen und der Bedarf an zugekauften Eiweißfuttermitteln verringern.

Wie Mutterkühe mit Witterung umgehen

Ein weiteres Forschungsfeld beschäftigt sich mit der ganzjährigen Außenhaltung von Mutterkühen. Die Tiere sind dabei unterschiedlichen Wetterbedingungen ausgesetzt. Regen, Wind und niedrige Temperaturen beeinflussen ebenso das Wohlbefinden wie die Energieversorgung oder die Ausprägung des Winterfells.

Scholz‘ Team, zu dem mitunter auch Studierende gehören, untersuchte, welche Faktoren für die Bewertung von Kältestress relevant sind und wie sich daraus Empfehlungen für die Praxis ableiten lassen.

Mithilfe von Sensorsystemen wurden Veränderungen im Verhalten der Tiere erfasst. Beim Übergang von der Weideperiode zur Winterfütterung verringerte sich die tägliche Futteraufnahmezeit von etwa 500 Minuten auf rund 200 bis 230 Minuten. Gleichzeitig nahm die Dauer des Wiederkäuens zu.

Darüber hinaus wurden Daten zu Fellwechsel, der Nutzung von Liegematten bei ganzjähriger Außenhaltung und verschiedenen Managementmaßnahmen in den Betrieben gesammelt. Sie  fließen in weitere Analysen ein, um Empfehlungen für die Haltung unter unterschiedlichen Witterungsbedingungen abzuleiten.

Emissionen unter Praxisbedingungen erfassen

Besonders aktuell: Die Messungen zu Methanausscheidungen bei Mutterkühen. Bisherige Berechnungsmodelle aus den 1990er Jahren gingen von Werten aus, die deutlich über dem lagen, was Scholz gemeinsam mit einem Team der Universität Halle gemessen hat. Über 100 Tiere in sechs Betrieben in Sachsen-Anhalt und Thüringen wurden mit einem mobilen Laserdetektor untersucht, auf der Weide, unter normalen Bedingungen. Ergebnis: im Mittel 247 Gramm Methan pro Kuh und Tag anstatt 400 wie in dem Modell.

Die Ergebnisse tragen dazu bei, bestehende Annahmen zur Höhe der Emissionen zu überprüfen und die Datengrundlage für die Bewertung landwirtschaftlicher Produktionssysteme zu verbessern.

Internationale Perspektiven auf Landwirtschaft und Klimaanpassung

Und wie reagieren andere Länder und Betriebe auf wechselnde Bedingungen? Im März 2026 begleitete Professor Heiko Scholz eine Gruppe von Studierenden, Dozierenden und Alumni des MBA-Studiengangs Agrarmanagement auf einer zehntägigen Reise nach Japan: von Tokio über Kyoto und Osaka bis nach Kobe und Kochi.

Japan kann nur rund 14 Prozent seiner Landesfläche landwirtschaftlich nutzen. Viele Betriebe setzen deshalb auf präzise Planung und digitale Technologien.

Auf der Farm KAMU bei Hamamatsu beobachtete die Gruppe, wie Drohnen die Düngung und den Pflanzenschutz auf Reisfeldern übernehmen. Ein Stau- und Drainagesystem steuert die Wasserversorgung der Felder und unterstützt gleichzeitig die Regulierung von Beikräutern.

Bei der Kobe Beef Marketing & Distribution Promotion Association erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die umfassende Dokumentation von Schlachtgewicht, Fettgehalt und Zuchtparametern. Die erfassten Daten bilden die Grundlage für die Zertifizierung von Kobe-Beef.

„Unsere Stationen in Japan zeigen, wie viel in der Landwirtschaft möglich ist, wenn Wissen und Transfer zusammenkommen“, sagt Scholz.

Wissenstransfer als Teil der Klimaanpassung

Seinen ganzheitlichen Ansatz auf betriebliche Zusammenhänge vermittelt Professor Heiko Scholz auch außerhalb der Hochschule. Neben den Fachmessen stellt er Forschungsergebnisse auf Fachveranstaltungen vor und tauscht sich regelmäßig mit Landwirtinnen und Landwirten aus. Die Erfahrungen aus den Betrieben fließen wiederum in neue Forschungsfragen ein.

So entsteht ein Kreislauf aus Forschung, Praxis und Lehre. Für viele Herausforderungen der Landwirtschaft und Klimaanpassung liefern gerade diese Verbindungen wichtige Impulse.

Weitere Artikel zum Thema und zu den Studien von Prof. Dr. Heiko Scholz auf dem KlimaBlog:

Redaktion

Claudia Aldinger

Prof. Dr. Heiko Scholz

... ist für Nachfragen und Anfragen erreichbar unter Tel.: +49 Tel.: +49 (0) 3471 355 1178 oder per E-Mail: heiko.scholz(at)hs-anhalt.de

Im Herbst 2026 ist er mit seinen Projekten und den landwirtschaftlichen Studiengängen der Hochschule Anhalt wieder auf der Fachmesse Eurotier vertreten: https://www.hs-anhalt.de/hochschule-anhalt/aktuelles/fachmessen/eurotier-2022.html

 

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