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Wildpflanzen statt Kulturarten: Wie Blühstreifen mit Pflanzen aus der Region Äcker stabiler und artenreicher machen

  • Bunte Blühwiese mit vielen blauen Kornblumen und vereinzelten roten und gelben Blüten. Im Hintergrund Menschen, die sich auf einem Gelände mit Zelten und Gebäuden bewegen. © hochschule anhalt
    Blühstreifen mit Pflanzen aus der Region: Auf den DLG-Feldtagen 2026 zeigte die Hochschule Anhalt verschiedene Varianten.

Ein breiter Streifen mit blühenden Kornblumen, Mohn, Färberkamille: der säumte in diesem Jahr den Landesstand von Sachsen-Anhalt auf den DLG-Feldtagen 2026. Angelegt hat ihn Sandra Mann bereits im Oktober 2025. „Wenn man alles richtig macht und schon mit einer Herbstansaat auf die Flächen geht, hat man schon im Folgejahr im Juni sehr schöne Pflanzenbestände und die sind gefüllt mit Insektenvielfalt", sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschule Anhalt. 

Was sie dem Publikum an den drei DLG-Feldtagen in Bernburg zeigt und erklärt, ist das Ergebnis von mehr als 20 Jahren Arbeit mit gebietseigenen Wildpflanzen – also Arten, die im jeweiligen Naturraum heimisch sind und dort seit Jahrhunderten vorkommen. Davon konnte sie auch Landwirte überzeugen. Pflanzengemeinschaften mit Wiesenflockenblume, Wiesenmargerite, kleinem Wiesenknopf, Glockenblume wachsen inzwischen wieder auf Äckern, die lange Zeit intensiv bewirtschaftet wurden und auf denen wichtige Strukturen fehlten. Mit positiven Effekten für die Agrarlandschaft.

Kulturarten brachten nicht die erhofften Ergebnisse

Lange Zeit wurden Blühstreifen in Sachsen-Anhalt und anderen Bundesländern mit sogenannten Kulturartenmischungen eingesät. Diese Zuchtsorten blühen zwar oft bunt, aber  viele  heimische Tiere sind entwicklungsgeschichtlich nicht diese Arten angepasst. Die erhofften Effekte blieben aus.

Gebietseigene Wildpflanzen haben einen anderen Wirkungsradius. Sie sind an lokale Böden und klimatische Bedingungen angepasst. Wildbienen, Schwebfliegen,  Falter und viele weitere Tiergruppen finden hier Nahrung und Lebensraum, die ihren biologischen Bedürfnissen entsprechen.

Seit 2015 ausschließlich regionale Herkünfte

Ab 2010 richtete Sandra Mann mit dem Team der Hochschule Anhalt erste Versuchsanlagen in Sachsen-Anhalt ein, in enger Kooperation mit der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG). Seit 2015 schreibt das Blühstreifenprogramm des Landes gebietseigene Herkünfte verbindlich vor. Aktuell stehen in Sachsen-Anhalt über 5.700 Hektar Blühstreifen, die mit diesen Mischungen angelegt wurden; beantragt wurden seitdem, in dieser jeweils 5-jährigen Fördermaßnahme, bereits über 8.000 Hektar.

„Mehrere Bundesländer haben das Programm mit gebietseigenen Wildpflanzen inzwischen übernommen, mit Anpassungen an ihre jeweiligen Standortbedingungen“, erklärt Sandra Mann. Dabei werden die Maßnahmen kontinuierlich weiterentwickelt. Die Finanzierung erfolgt in Sachsen-Anhalt über Agrarumweltprogramme des Landes. 

30 bis über 60 Arten, je nach Einsatzzweck

Die Mischungen sind auf den Verwendungszweck abgestimmt. Blühstreifen für Agrarumweltmaßnahmen auf Ackerstandorten enthalten rund 30 Arten: Wiesenflockenblume, Wiesenmargerite, Wegerich, kleiner Wiesenknopf, Gewöhnlicher Dost, Wiesen-Pippau und Glockenblume gehören dazu. Mischungen für extensive, artenreiche Wiesen-Neuanlagen oder Aufwertungsmaßnahmen können über 60 Arten umfassen. Hiermit können auch  FFH-Lebensraumtypen entwickelt werden. FFH steht für die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, die bestimmte Lebensräume und Arten besonders schützt. Die magere Flachlandmähwiese ist ein Beispiel dafür.

Neben Ackerflächen und extensiven Grünland stehen an der Hochschule auch Wildpflanzenmischungen für Weinberge, artenreiche Wegraine und Solaranlagen/ Agri-PV-Flächen im Fokus, die ebenfalls bei den DLG-Feldtagen zu sehen waren. 

  • Bunte Wiesenblumen in voller Blüte: Hohe, schlanke Stängel mit blauen Kornblumen, gelben Sonnenblumen, weißen und violetten Blüten, umgeben von grünem Gras. Eine lebendige, farbenfrohe Blühwiese am Rand eines Feldes. © hochschule anhalt
    Kornblume, Mohn und Färberkamille bestimmten das Bild des Blühstreifens auf den DLG-Feldtagen 2026 in Bernburg.
  • Junger Brennnessel-Halmbruch mit fein gefiederten, leicht behaarten Blättern, wachsend auf humusreicher Erde zwischen Grünpflanzen. Pflanze wirkt kräftig und aufrecht. © hochschule anhalt
    Wie entwickelt sich der Boden des Ackers mit Blühstreifen? Dazu beantwortete Sandra Mann Fragen auf den DLG-Feldtagen am Beispiel des angelegten Blühstreifens.
  • Eine Person mit roten Haaren sitzt im Freien auf dem Rasen, umgeben von blühenden roten und blauen Wildblumen. Sie trägt ein schwarzes T-Shirt und blaue Jeans. Im Hintergrund ist ein sonniger Himmel mit wenigen Wolken zu sehen. © hochschule anhalt
    Sandra Mann vor dem Blühstreifen, den sie im Oktober 2025 angelegt hat.

Biodiversität in der Landwirtschaft von Sachsen-Anhalt: Artenvielfalt schützt den Boden

Ein vielfältiger Pflanzenbestand bringt ein ebenso vielfältiges Wurzelsystem mit sich. Die verschiedenartigen Wurzeln verankern den Boden in unterschiedlichen Tiefen – ein Mechanismus, der Erosion bremst. Für Gewässerrandstreifen und Hanglagen eignen sich die Mischungen deshalb ebenfalls besonders gut.

Untersuchungen zur Wirkung auf die Tierwelt zeigen sehr positive Ergebnisse für Vögel, Wildbienen, Schwebfliegen und Falter.*

Wildpflanzen-Blühstreifen für die Ackerfläche: Keine negativen Auswirkungen auf Nachbarschläge

Ein häufiges Bedenken in der Praxis: Könnten sich Arten aus den Blühstreifen auf benachbarte Ackerflächen ausbreiten? Monitorings und Befragungen von Landwirt:innen zeigen jedoch keine negativen Auswirkungen. „Wir verzichten bewusst auf Problemarten wie Gräser“, erklärt Sandra Mann.  Es handelt sich vorwiegend um Wiesen- und Saumarten, die in der Bewirtschaftung nicht stören.

Für die Blühstreifen und -flächen gibt es Empfehlungen für ein extensives Management, welches mit ca. 20 cm hohen und abschnittsweisen Schröpfschnitten umgesetzt wird. Hiermit werden die Blühzeiten verlängert und eine Entwicklung unerwünschter Arten wird verhindert. Da spätestens ab dem zweiten Standjahr nie die gesamte Fläche geschröpft wird, gibt es für die Tiere immer Nahrungs-und Rückzugsräume. 

Artenreiches Grünland und was Betriebe für die Ökoregelung 5 wissen müssen

Betriebe, die Grünland-Neuanlagen oder Grünland-Aufwertungen im Rahmen von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen planen oder ihr Grünland artenreicher entwickeln wollen, so dass sie beispielsweise auch Anträge in der Ökoregelung 5 stellen können, finden in den vorgestellten Mischungen eine praxiserprobte Grundlage. Informationen zur Neuanlage und Aufwertung sind auch auf den Seiten www.offenlandinfo.de und www.spenderflaechenkataster.de zu finden. Über die Ökoregelung 5, welche die ergebnisorientierte extensive Bewirtschaftung von Dauergrünlandflächen fördert und den Nachweis regionaler Kennarten erfordert kann man sich in diesem Dokument der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau informieren: https://llg.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MLU/LLFG/Dokumente/04_themen/futterbau_gruenland/empfehlungen_hinweise/Schriftenreihe_LLG_2-2023_Kennarten.pdf

Weitere Informationen zu Sandra Mann und der gesamten Forschungsgruppe von Prof. Dr. Sabine Tischew und Prof. Dr. Anita Kirmer an der Hochschule Anhalt: https://offenlandinfo.de/

* Publikation: Mehrjährige Wildpflanzen-Blühstreifen in Sachsen-Anhalt: Eine effektive Maßnahme zur Erhöhung der Artenvielfalt in intensiv genutzten Agrarlandschaften / Kirmer, Anita u.a. Enthalten in: Biodiversität in der Agrarlandschaft (2021), S.101-116.

 

Weitere Themen auf den DLG-Feldtagen 2026 der Hochschule Anhalt waren:

Regionale Eiweißversorgung: Was Erbsen und Soja aus Sachsen-Anhalt leisten könnten

Agri-Photovoltaik: Solarstrom vom Acker und was dafür nötig ist

 

Mehr zum Thema Biodiversität & Naturschutz auf dem KlimaBlog der Hochschule Anhalt.