Projekt

Prof. Dr. Sabine Tischew - (FB1) Forschungsprojekt

In-situ-Erhaltung von Wildpflanzen für Ernährung und Landwirtschaft mittels Schirmarten (IsWEL)

In Deutschland sind ca. 3500 Wildpflanzenarten verbreitet. Davon definiert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft schätzungsweise 2800 Arten als Wildpflanzenarten für Ernährung und Landwirtschaft (WEL-Arten). Eine Teilmenge dieser Arten, die sogenannten wildlebenden Verwandten unserer Kulturpflanzen (WVK-Arten), sind für die Züchtung verbesserter Sorten notwendig und spielen somit eine besondere Rolle für die Sicherung der Lebensmittelproduktion und die Erzeugung anderer agrarischer Rohstoffe.
Die Erhaltung von WEL-Arten in Ex-situ-Sammlungen ist nur begrenzt möglich, da die Lagerungskapazitäten nicht ausreichen, um die Arten und deren innerartlichen Vielfalt repräsentativ erhalten zu können. Zudem handelt es sich um statische Muster, welche sich nicht an veränderte Umweltbedingungen anpassen. Auch in situ sind diese Arten nur unvollkommen geschützt - 16 % der 572 in Europa vorkommenden WVK gelten als unterschiedlich stark gefährdet. Daher muss die In-situ-Erhaltung von WEL-Arten, insbesondere von WVK, verstärkte Aufmerksamkeit erhalten.
Ein globales Netzwerk genetischer Erhaltungsgebiete (GenEG) wird als effektivste Maßnahme angesehen, um Populationen von WEL-Arten und ihrer innerartlichen Vielfalt systematisch in situ zu schützen. Hierbei ist ein GenEG als Fläche definiert, die für aktive und dauerhafte Erhaltungsmaßnahmen ausgewiesen wird und auf der ein angepasstes Management sowie ein Monitoring der genetischen Vielfalt natürlich vorkommender Wildpflanzenpopulationen erfolgen.

Ziel des Projektes ist es, für den Ausbau eines deutschen Netzwerks genetischer Erhaltungsgebiete (GenEG) bundesweit WEL-Schirmarten und Kandidaten für GenEG aus WEL-Arten-Hotspots zu identifizieren sowie GenEG in bestimmten Regionen modellhaft umzusetzen.
Für eine möglichst effiziente Auswahl effektiver GenEG soll das Schirmartenkonzept herangezogen werden, welches es ermöglicht, die biologische Vielfalt vereinfacht abzubilden und Artenschutz-maßnahmen zu priorisieren. Auf diese Weise sind die GenEG auch nicht mehr auf einzelne Arten ausgerichtet, vielmehr stehen Hotspots von WEL-Arten unterschiedlicher Habitattypen im Fokus.
Im Gesamtergebnis soll ein GenEG-Auswahlverfahren für prioritäre WEL entstehen, welches ökonomisch effizient ist und in bestehendes Handeln des Naturschutzes und der Agrarfinanzierung integriert werden kann.

Die Bearbeitung des Projektes erfolgt zusammen mit dem Julius Kühn-Institut (Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen) und der Hochschule Geisenheim University und wird im Rahmen des Modell- und Demonstrationsvorhabens im Bereich Biologische Vielfalt mit Mitteln des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert (Laufzeit: 07/2020 bis 12/2023).