Projekt

Marco Chiriaco - (FB3) Masterarbeit

Denkmal und Rekonstruktion - Haben Denkmalrekonstruktionen einen Denkmalwert? Untersuchungen zum Denkmalwert ausgesuchter rekonstruierter archäologischer Denkmale in Sachsen-Anhalt.

  • Zackmünde, Lkr. SLK, Kreisgrabenanlage, Rekonstruktion, physische Rekonstruktion © Frank Dieter Peyer

Sachsen-Anhalt ist reich an archäologischen Spuren. Überall im Land stößt der aufmerksame Betrachter auf Spuren der Menschheitsgeschichte. Neben einer Vielzahl an gut erhaltenen mittelalterlichen und neuzeitlichen Stadtbildern sowie prächtigen Sakralbauten aus verschiedenen Epochen. Ferner ist Sachsen-Anhalt mit vier Kulturdenkmalen auf der Welterbeliste der UNESCO vertreten.

Die größte Anzahl der Spuren unserer Vergangenheit ist allerdings nicht obertätig sichtbar. Dieses historische Erbe zeigt sich bei Eingriffen in den Boden und legt von einer einmaligen Kulturlandschaft Zeugnis ab. Diese gilt es zu bewahren und zu schützen als auch in ihrer fassbaren Dimension den interessierten Bürgerinnen und Bürgern zu vermitteln.

Die zahlreichen Museen Sachsen-Anhalts, Deutschlands, Europas und der Welt laden dazu ein, auf Entdeckungsreise zu gehen und sich mit unserer Vergangenheit vertraut zu machen. Leider sind die Möglichkeiten des Mediums „Museum“ schnell erschöpft, wenn es um die Vermittlung räumlicher Dimensionen von Bauwerken in der prähistorischen Landschaft geht. Dioramen, Kleinfunde sowie die immer stärker werdende Präsenz digitaler Medien können zwar die Phantasie anregen; sie sind aber nicht erlebbar.

Seit etwas mehr als einhundert Jahren entstehen im europäischen Raum archäologische Freilichtmuseen, die ein direktes „Erleben“ von Vorzeit ermöglichen wollen. Dazu zählen, neben der reinen Präsentation von Baukörpern im Maßstab 1:1, auch Elemente von living history, die diese Bühnen mit Leben zu füllen versuchen.

Archäologische Rekonstruktionen stellen die Planer oftmals vor große Herausforderungen, wie etwa die historische Authentizität an den originalen Standorten wiederherzustellen, ohne dabei vorhandene Substanz zu zerstören. Oftmals gehen den Rekonstruktionen umfangreiche Ausgrabungen voraus, auf deren Ergebnisse diese dann fußen.

Die Rekonstruktion selbst ist dabei auch immer dem Forschungsstand sowie dem Zeitgeist unterworfen. In jüngerer Zeit wird verstärkt der Versuch unternommen, nicht nur das Objekt selbst, sondern auch die Arbeitsschritte historisch korrekt zu rekonstruieren und anzuwenden, um im Experiment vergangene Arbeitsprozesse sowie Intentionen nacherleben zu können.

Eine zentrale Frage, die sich immer in den Raum stellt, ist die Frage nach dem Denkmalwert einer archäologischen Rekonstruktion in sich. Ist das, was wir heute schaffen, überhaupt ein Denkmal – und hat es eine Würdigkeit, die wir beschreiben und erfassen können?

Ein zentrales Element dieser Arbeit ist die Frage, ob archäologische Rekonstruktionen einen Denkmalwert haben. Um diese Frage beantworten zu können, muss der Begriff des „Denkmalwert“ definiert und dann anhand verschiedener Beispiele aus Sachsen- Anhalt und Deutschland überprüft werden. Dazu erscheint es notwendig, zuerst die archäologische Rekonstruktion an sich zu betrachten. Dazu muss der Prozess der „Rekonstruktion“ von anderen Maßnahmen, wie etwa Konservierung, getrennt werden und in seinen unterschiedlichen Definitionen verglichen werden. Dies schließt auch eine kurze Betrachtung der Historie archäologischer Rekonstruktionen sowie eine Betrachtung von Sinn und Unsinn dieser Maßnahme ein. Ergebnis dieser Betrachtungen sollte eine Liste von Anforderungen an archäologische Rekonstruktionen, basierend auf juristischen sowie gesellschaftlichen Anforderungen sein. Diese soll dann an vier ausgewählten archäologischen Rekonstruktionen verschiedenster Zeitstellung in Sachsen-Anhalt sowie weiterer ergänzender Beispiele aus der Bundesrepublik Deutschland angewandt und im Abschluss zu einer Bewertung eines jeden Beispiels führen. In der Zusammenfassung soll dann versucht werden, die Frage nach dem Denkmalwert archäologischer Konstruktionen zu klären. Dabei soll ferner überprüft werden, ob anhand der gewählten Beispiele eine generelle Aussage möglich ist oder ob schon bei dieser kleinen Stichmenge Differenzen in Bezug auf die allgemeine Denkmalwürdigkeit von archäologischen Rekonstruktionen aufzuzeigen ist. Die ausgewählten Beispiele aus Sachsen-Anhalt sind ausnahmslos archäologische Rekonstruktionen. Auf die Betrachtung eines historisch rekonstruierten Baudenkmals (Stiftskirche St. Peter, Petersberg bei Halle/Saale, Saalekreis) wurde aufgrund von mangelnder Kausalität verzichtet. Im Laufe der Betrachtungen hat sich herausgestellt, dass zwischen archäologischen Denkmalen sowie zwischen Baudenkmalen unterschieden werden muss. Ausführungen zum Denkmalwert historischer Bausubstanz stehen dazu in gewaltiger Fülle zur Verfügung, so dass auf eine Betrachtung im Rahmen dieser Masterthesis verzichtet werden muss, um auch den zeitlichen Rahmen als auch den Umfang nicht zu sprengen sowie um eine Fragestellung sauber bearbeiten zu können.

Grundlage der Bewertungen bilden eigene Besuche aller behandelten Beispiele in den letzten Jahren. Dabei spielte die Fragestellung nach dem Sinn und Zweck als auch der Qualität archäologischer Rekonstruktionen nach dem Verlassen der Objekte oftmals eine Rolle und führte in der Folge meist zu angeregten Diskussionen, insbesondere dann, wenn Besuche zusammen mit Fachkollegen erfolgten. Die Fragen nach der Authentizität sowie der Machbarkeit spielten dabei ebenfalls eine Rolle wie nach der Erhaltung und Finanzierbarkeit der Objekte und Ensembles unterschiedlichster Größe. Dies wird sicherlich auch noch weit über diese Arbeit hinaus weiterhin erfolgen.

Alle Photographien wurden dabei, soweit nicht anders ausgewiesen, selber angefertigt. Dazu wurden manche Rekonstruktionen häufiger besucht. Unterschiedliche Kamerasysteme kamen dazu zum Einsatz. Dies hat aber primär keinen Einfluss auf die Aussagekraft. Daher soll auf ein Kapitel zur Photographie sowie einer Erläuterung der Systeme verzichtet werden. Es soll nur erwähnt werden, dass überwiegende Digitalspiegelreflexkamerasysteme und Objektive von Canon zum Einsatz kamen. Die Photographien sowie gesammelte eigene Eindrücke sind somit wichtige Elemente der Argumentationsstruktur. Methodisch konnte auf eine große Anzahl von Sekundärliteratur zurückgegriffen werden. Ferner konnten verschiedene Archivalien, wie etwa die entsprechenden Ortsakten aus dem Ortsaktenarchiv des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in Halle/Saale, zur Benutzung eingesehen werden. Besonders erfreulich war die hohe Kooperationsbereitschaft aller Wissenschaftler und Institutionen, die im Rahmen dieser Arbeit konsultiert wurden.