Projekt

Karen Hertes - (FB3) Masterarbeit

Die Eisenmühle in Elstertrebnitz. Denkmalwert und museumspädagogische Aufarbeitung.

Das Wappen der Gemeinde Elstertrebnitz bei Pegau zeigt drei gelbe beziehungsweise goldene zu einer Garbe gebundene Ähren vor einem grünen Hintergrund. Durch eine schwarze Wellenlinie vom unteren Schild geteilt, ist ein grauer oder auch silberner Hintergrund, vor dem sich drei schwarze Mühlräder aufreihen. Die Garbe steht für die Landwirtschaft der Gemeinde, die Wellenlinie für die Weiße Elster sowie den Mühlgraben und die drei Mühlräder für die drei Wassermühlen des Ortes.

Eine dieser Mühlen ist die in Deutschland mit ihrem Reibeverfahren einzigartige Eisenpulvermühle. Diese wurde 1915, auf Fundamenten von 17645 der zum Ende des 19. Jahrhunderts abgebrannten Mühle im Elstertrebnitzer Ortsteil Oderwitz, etappenweise wiedererrichtet. Als Gebäudeensemble gibt es die Bauwerke um die Eisenmühle bereits seit 500 Jahren, der Mühlenstandort als solcher ist seit dem 12. Jahrhundert urkundlich belegt.

Vor und während der zwei Weltkriege des 20. Jahrhunderts stieg die Nachfrage nach Eisenpulver erheblich an. Aufgrund dessen konnte die ursprünglich durch Wasserräder angetriebene Produktion auf Transmissionsantrieb durch Wasserturbinen umgerüstet werden. Dies belegen der historische Schriftverkehr zwischen dem Pulverisierwerk Kunze & Co. und der Amtshauptmannschaft Borna sowie die Planungsunterlagen.

Bedingt durch die weggebrochenen Exporte nach dem Zweiten Weltkrieg sowie aufgrund von Repressalien verließen die Mühlenbesitzer ihren Grund und Boden in den 1960er Jahren. Die Eisenpulvermühle wurde als VEB Volkseigentum.

Nach 1990 kam ein Enkel der ehemaligen Eisenmüller-Familie zurück nach Elstertrebnitz und übernahm das Grundstück. Die Produktion lief noch bis 1993 weiter, dann waren die Nachfrage und die Mittel versiegt. Bis zum Kauf des Ensembles im Juli 2007 durch die heutigen Eigentümer waren die Gebäude dem Verfall preisgegeben. Dann wurde in Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde in Grimma, des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen, dem Kreisarchiv des Landkreises Leipziger Land, einem Ingenieurbüro und einem Planungsberater die Eisenmühle und die durch Wasserturbinen angetriebene Wasserkraftanlage reaktiviert.

Heute ist die Eisenmühle unter anderem ein Museum. Der Vierseitenhof wird zusätzlich als Frühstückspension, Veranstaltungsort, Wohnhaus und Sammlungsort für mechanische Musikinstrumente genutzt. Die Wasserkraftanlage speist Strom in das öffentliche Netz und leistet auf diese Weise einen umweltfreundlichen Beitrag in Bezug auf die erneuerbaren Energien.

1.1 Aufgaben und Ziele der Arbeit

Als Relikte der Vergangenheit erfüllen die meisten Mühlen heute keinen Zweck mehr. Sie sind ihrer ursprünglichen Nutzung entzogen, weil die Maschinerie zur Produktion wirtschaftlicheren Herstellungsweisen gewichen ist. Aufgrund dessen muss den „traditionellen“ Mühlen eine neue Bedeutung beigemessen werden. Sie sind Kulturgüter und Zeugnisse vergangener Epochen, die eine bestimmte Bauweise und Technik vermitteln. Wenn dann die Tatsache hinzu kommt, dass es bundesweit keine weitere, auf die gleiche Weise arbeitende Eisenpulvermühle im Reibeverfahren gibt, liegt es nahe, die Letzte ihrer Art als besonders erhaltungswürdig einzustufen. Zumal das Reibeverfahren der Eisenpulverproduktion an einer der beiden erhaltenen Anlagen demonstriert werden kann.

Ein Gebäude als Originalschauplatz kann nur mit seiner Hülle beziehungsweise seinem Umfeld nicht vermitteln, wodurch es „besonders“ ist. Durch eine Ausstellung, Besucherführung oder andere Vermittlungsangebote können jedoch historische Begebenheiten und Sachverhalte dem authentischen Ort einen Kontext verleihen. Die Vermittlung an einem museal ausgestalteten Denkmal ermöglicht den unmittelbaren Zugang zum Objekt. Es bietet die Chance, historische Themen zu erschließen, zu diskutieren und zur Meinungsbildung anzuregen. Zusätzlich rücken museale und pädagogische Konzepte denkmalgeschützte Bauwerke sowie erhaltungswürdige Maßnahmen, sprich die denkmalpflegerische Arbeit, in den Fokus der Öffentlichkeit.

Hans Walter Hütter, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, fasst es zusammen: „Die museale Ausgestaltung ist somit ein Beitrag zum Erhalt und zur vitalen Nutzung von Baudenkmalen.“

Die wechselvolle Geschichte der Eisenmühle soll in dieser Arbeit beleuchtet werden, um anhand dessen den für die Gesellschaft vorhandenen historischen, kulturellen sowie technischen Wert der Mühle ersichtlich und erfahrbar zu machen.

Dafür wird unter anderem die Chronik des Elstertrebnitzer Ortsteils Oderwitz thematisiert, die als sozialer und kultureller Rahmen dient. Der Elstermühlgraben ist Fluch und Segen für die ufernahen Gebäude des Eisenmühlenensembles. Das Fließgewässer ist Antrieb für die Wasserturbinen sowie Lebensraum für Tiere und stellt beziehungsweise stellte die heutigen Eigentümer der Eisenmühle oft vor Probleme. Aufgrund dessen befasst sich das Unterkapitel 2.3 der vorliegenden Arbeit mit dem Gewässer.

Zur Erläuterung des Denkmalwertes wird die Bau- und Nutzungsgeschichte anhand der vorhandenen Primär- und Sekundärquellen beschrieben. Dazu gehören die frühen Angaben zu Pächtern und Besitzern. Des Weiteren werden der Einzug des technischen Fortschritts und die Baumaßnahmen zur Erweiterung des Betriebs Pulverisierwerk Kunze & Co. vor und nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Ende des 20. Jahrhunderts beleuchtet.

Die bauliche Wiederherstellung, Pflege und vor allem die derzeitige Nutzung des Mühlenanwesens sind Ausgangspunkt für das aufzubereitende museumspädagogische Konzept, das den Denkmalwert des Objektes herausstellen und vermitteln soll. Hierzu werden im Allgemeinen die Möglichkeiten zur Herstellung von Eisenpulver, die Ursprünge der Mühlen, ihre Arten sowie Antriebsmöglichkeiten erläutert.