Projekt

Carina Berger - (FB3) Masterarbeit

Die Hauptpost am Augustusplatz in Leipzig. Eine denkmalpflegerische Betrachtung

  • Das Hauptpostgebäude in Leipzig © Gary L. Catchen In: Leipzig. Bauten der öffentlichen Verwaltung. Hauptpostamt.

In dieser Masterarbeit wird die Hauptpost am Augustusplatz in Leipzig thematisiert werden. Die Autorin beschränkt sich nicht nur auf das Hauptgebäude, welches in den 1960er Jahren entstand, sondern behandelt den gesamten zur Post gehörigen Komplex. Um in die Thematik einzuführen, behandelt das erste Kapitel den Anfang des 19. Jahrhundert entstandenen und bis zu seiner Zerstörung im zweiten Weltkrieg immer wieder erweiterten Postkomplex. Die Literaturlage zur Geschichte des Postwesens ist sehr gut – insbesondere über die Entstehung des preußischen Postwesens. Doch auch Leipzig, als wichtiges Zentrum des Post- und Briefverkehrs, findet nicht wenig Beachtung. Post- und Fernmeldewesen waren ein sehr beliebtes und viel diskutiertes Thema, da es für Fortschritt, Industrialisierung und Technisierung stand. Das Gebäude der Post am Augustusplatz war vor der Zerstörung im zweiten Weltkrieg zum Beispiel hochgeschätzt, was den Akten der Archive und der Literatur um die Jahrhundertwende zu entnehmen war.

Das zweite Kapitel der Arbeit beschäftigt sich dann mit dem noch existierenden Postgebäude, welches im Stile der DDR-Moderne ausgeführt wurde. Ergänzend zu der Baubeschreibung erfolgt ein Vergleich mit seinem Vorgänger. Zu den zahlreichen Wettbewerben und zur Bauausführung war in der Literatur und in den Archiven leider nur sehr wenig zu finden. Da das Postgebäude, seit es bereits im 19. Jahrhundert seinen Standort am Rande des Stadtzentrums zugewiesen bekommen hatte, ein wichtiger Teil der Platzgestaltung ist, soll ebenso auf den Leipziger Augustusplatz eingegangen werden. Im speziellen wird hier die Bedeutung des Platzes für die Stadt beleuchtet, welche Aufgabe dieser vor dem Krieg erfüllte und auch inwieweit sich die Platzgestaltung unter der DDR-Regierung gewandelt hat. Ein großer Teil der Literatur stammt hier von Thomas Topfstedt, der sich als Professor der Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt DDR-Architektur, umfassend mit Leipzig beschäftigt hat.

 

Als letzter und wichtigster Punkt wird im dritten Kapitel der Umgang mit Bauten der DDR-Moderne in der Denkmalpflege dargestellt. Neben dem Hauptgegenstand, der Post, werden dazu mehrere Gebäude vergleichend hinzugezogen. Erster Bau ist der Palast der Republik in Berlin, der nicht gerettet werden konnte und an dessen Stelle nun ein Museumskomplex unter Einbeziehung der Fassade des alten Schlosses gebaut wird. Zweites Vergleichsobjekt ist der Kulturpalast in Dresden, der für die Dresdner Philharmonie innen komplett umgestaltet werden soll. Weiterhin wird die Entwicklung der Gebäude am Augustusplatz nach der Wende betrachtet. Die Oper und das Gewandhaus finden dabei keine Beachtung, da bei beiden Gebäuden nach der Wende kaum Veränderungen vorgenommen wurden. Die meisten Diskussionen verursachte das Hauptgebäude an der sudwestlichen Seite des Augustusplatzes und die dafür gesprengte Paulinerkirche. Auch die Umgestaltung des Platzes von 1994 sowie Zukunftsprognose, sowohl für das Postgebäude, als auch für die verbliebenen DDR-Bauten wird in dieser Masterarbeit behandelt.

 

Der Platz, wo sich heute die Hauptpost befindet, hat eine weit zurückreichende Tradition, ebenso das damit verknüpfte Postwesen. Bereits im 17. Jahrhundert war Leipzig zu einem kommerziellen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Zentrum aufgestiegen. Entscheidend dafür war die Lage Leipzigs am Kreuzungspunkt vieler Handelsstraßen. Dies begünstigte nicht nur die Herausbildung Leipzigs als Messestadt, sondern auch als Zentrum des kursächsischen Postwesens. Das Oberpostamt des Landes Sachsen findet man bereits seit 1693 in dieser Stadt. Die Bezeichnung Oberpostdirektion, als oberste Verwaltungsstelle der kursächsischen Post ist erst seit dem 1. Januar 1843 gebräuchlich.

Für die stetig wachsende Bedeutung und die stetig wachsenden Aufgaben der Post brauchte die Stadt ein größeres Gebäude an einem neuen Standort. Vormals war sie in der Alten Waage am Leipziger Markt in der Nähe des Rathauses zu finden. Am Augustusplatz, angrenzend an den Grimmaischen Steinweg, besaß die Stadt ein, diesen Aufgaben gewachsenes, Areal mit einer Größe von 5.154 sächsischen Quadratellen (entspricht 3.195,48 Quadratmeter). Zusätzlich wurden angrenzende Grundstücke aufgekauft und bestehende Bauten abgerissen, so auch das ehemalige Gasthaus „Zum weisen Schwan“.5 Am Grimmaischen Steinweg befanden sich ebenso ein weiterer Gasthof „Weiser Engel“ genannt, Blockmars Hof und private Gebäude, welche dem Neubau weichen mussten.6 So entstand ein Gesamtareal mit einer Größe von 9.914 Quadratellen (entspricht 6.146,68 Quadratmeter).

Nicht nur der Augustusplatz ist für die Lage der Hauptpost von Bedeutung, auch der im Westen abgehende Grimmaische Steinweg ist entscheidend. Er ist die Verlängerung der Dresdner Straße in die Stadt hinein, welche als „vorzügliche“ Handelslage galt. Dem entsprechend war sie nicht nur für den Handel, sondern auch für das Postwesen entscheidend, da er gut ausgebaut und hoch frequentiert war.