Projekt

Benjamin Dörr - (FB3) Masterarbeit

Rekonstruktion des Schlossparks Lützschena

Bald 200 Jahre liegt die Errichtung des Schlossparks Lützschena zurück, einem Zeugnis der Zeit des Biedermeier und der geistesgeschichtlichen Epoche der Romantik, der zudem ein Abbild der Lebens- und Gedankenwelt des Erbauers Maximilian Speck von Sternburg1, einer der herausragenden Leipziger Persönlichkeiten des frühen 19. Jahrhunderts, ist.

Das Ausstattungsprogramm des Parks stellt das Untersuchungsgebiet der Arbeit dar, an deren Ende eine denkmalpflegerische Zielstellung steht, die Vorschläge für den Umgang mit dem kulturellen Erbe geben möchte. Dabei ist im weitesten Sinne eine Wiederherstellung des verloren gegangenen Erscheinungsbildes angestrebt. Die Grundlage dazu bildet eine Ausarbeitung der historischen Quellen. Nach einer Analyse der historischen Dokumente sollen einerseits die Erscheinungsformen, andererseits die intendierten Aussagen der Ausstattungselemente herausgearbeitet werden, um so eine formelle wie auch inhaltliche Basis zu schaffen, die die Intentionen des Erbauers darstellt. Gleichzeitig werden in diesem Teil der Arbeit neue Erkenntnisse zum Park gewonnen, die auf kultur- und kunsthistorischer Ebene für weitere Untersuchungen eine Grundlage darstellen können. Denn die bisherige wissenschaftliche Bearbeitung des Lützschenaer Schlossparks geht nicht über einzelne Aufsätze hinaus, zumal diesen immer wieder ein fehlender Überblick über die komplette Parkausstattung von 1830 anzumerken ist.

Eine umfassende Darstellung der einzelnen Elemente wird in einem Katalogteil im Anhang geleistet, in welchem Nutzung bzw. Bedeutung, Datierung und Beschreibung nach den zeitgenössischen Quellen zu jeder Architektur, sowie zu den skulpturalen Architekturen (arrangierte Szenen) und zu einigen weiteren für den Park bedeutsamen Ausstattungselementen angeführt sind. In weiteren Katalogteilen sind das Skulpturenprogramm des Parks, eine Auflistung sämtlicher sonstiger Elemente sowie die im Park angebrachten Zitate angeführt.

Die Leitschicht der Arbeit, also der zeitliche Untersuchungsrahmen, stellt den Park unter seinem Erbauer Maximilian Speck von Sternburg dar, der das Gut Lützschena im Jahr 1822 erworben hat und der 1856 verstarb. Aufgrund der vorhandenen Quellen kann diese Leitschicht auf die zwei Jahrzehnte zwischen 1822 und 1842 begrenzt werden. Ein Text von 1830, herausgegeben vom Gutsherrn selbst, kann als die bedeutendste zeitgenössische Quelle benannt werden. Weitere Textquellen stammen von 1826 und 1836 und wurden ebenfalls von Maximilian verfasst. Bildquellen stammen von 1826 sowie 1830 und 1842. In den Jahren 1867 und 1898 wurden unter dem Majorat3 von Maximilians Sohn Alexander Fotoserien angefertigt, die für die Arbeit ebenfalls von großer Bedeutung waren.

Maximilian Speck von Sternburg errichtete den Park unmittelbar nach Erwerb des Guts auf einem neu erschlossenen Gebiet zwischen den Flüssen Weiße Elster, Hinterwasser und dem so genannten Polenzkanal im Osten. Er selbst hatte die Ausstattungselemente kompiliert, wobei ihm – insbesondere für die Architekturen – Magazine mit Mustern als Formvorlagen dienten. Die Auswahl dieser Architekturen, sowie die der übrigen Objekte wirft ein deutliches Licht auf die Person Maximilian Speck von Sternburg: Während er im Allgemeinen modischen Tendenzen seiner Zeit folgte, sind im Einzelnen deutliche individuelle Züge und persönliche Intentionen auszumachen.

Nach Maximilians Tod versuchte dessen Sohn Alexander den Park in dem von ihm gekannten Zustand zu erhalten. Da Maximilian die Architekturen nahezu ausschließlich aus Holz errichtet hatte, waren diese im Laufe der Zeit verfallen. Unter Alexander erfolgte nun der Nachbau in Stein von mindestens vier Architekturen, während das Skulpturenprogramm Maximilians zum Zeitpunkt der Fotografien von 1867 zumindest teilweise nicht mehr vorhanden war. Auffällig ist, dass bei den zu dieser Zeit erfolgten

baulichen Maßnahmen im Park versucht wurde, den Gedanken des Erbauers zu entsprechen. Erst ab den Zehner-Jahren des 20. Jahrhunderts wurde durch die Aufstellung barocker Skulpturen im Park entgegen den Gedanken des Erbauers gehandelt.

1945 wurde das Gut enteignet, mit einer Parzellierung und Neuverteilung des Parkgeländes. Glücklicherweise gelang es dem Ururenkel des Gründers, Wolf-Dietrich Speck von Sternburg, durch großen Einsatz und Engagement, nach der politischen Wende die wesentlichen Teile des ehemaligen Parkgebiets zurück zu erwerben. In Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt der Stadt Leipzig soll der Park nun unter Mithilfe eines Fördervereines sukzessive wiederhergestellt werden. In den Jahren 1986 und 2000 erfolgten dafür denkmalpflegerische Rahmenzielsetzungen durch die Stadt Leipzig. Hierbei wurde der heutige Bestand der Elemente aufgeführt und es erfolgte eine Vermessung des Parks sowie ein Aufmaß seiner einzelnen erhaltenen Fragmente; einen Schwerpunkt bildet zudem die vorgefundene Flora. In der vorliegenden Arbeit soll demgegenüber eine Aufarbeitung des Quellenmaterials aus der Entstehungszeit des Parks geliefert werden. Die Intention der denkmalpflegerischen Zielsetzung ist es, die ursprünglichen Aussagen der Parkelemente wieder aufleben zu lassen, um den Lützschenaer Schlosspark als ein Zeugnis der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowie als ein Werk seines Erbauers erfahrbar zu machen. Das Ziel der Arbeit ist es, Anregungen zu geben, um den Park wieder zu einem für die Stadt und das Land kulturell bedeutsamen Ort werden zu lassen.