Projekt

Victoria Delmare - (FB3) Masterarbeit

Sanierungs- und Umbaukonzepte historischer Apotheken in Leipzig

  • Ansicht Offizin auf Handverkaufstisch der Adlerapotheke, Leizig © Victoria Delmare
  • Handverkaufstisch Offizin der Adlerapotheke, Rendering von 2018, Eigener Entwurf mit Entwurfspläne von Fuchshuber Architekten 14.06.2018 © Victoria Delmare

Apotheken gehören zu den wichtigsten Einrichtungen einer Stadt, da sie einerseits Teil der Versorgung der Bevölkerung mit notwendigen Medikamenten sind und andererseits eine Beratung für Patienten ermöglichen, bei welcher auch Hinweise zu Wechselwirkungen von Medikamenten gegeben werden können. Sie existieren als Stadtapotheken in festen Bürgerhäusern seit Jahrhunderten und sind aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Heutzutage besitzt fast jeder Stadtteil einer Stadt solch eine Apotheke.
Diese Masterarbeit soll einen Überblick über die Entwicklung der Apotheken in ihrer äußeren und inneren Gestaltungsform geben. Anfänglich existierten Apotheken als Bretterbuden auf dem Marktplatz, die dann im Erdgeschoss der bürgerlichen Fachwerkhäuser und später in die festen Steinhäuser der Stadt einzogen. Da sich das Apothekerwesen und die medizinische Forschung stetig weiterentwickelten, veränderten sich auch die Apotheken. Zunehmend wurden Arzneien in der Apotheke hergestellt, weshalb sich die ehemaligen Kramläden zu einem Verkaufsbereich – Offizin mit einem Labor und später einer Material- und Kräuterkammer entwickelten. Diese erweiterten sich ab dem 17. Jahrhundert zunehmend, weshalb ganze Apothekenhäuser entstanden. Aufgrund der wachsenden Industrialisierung konnten viele Arzneimittel im Laufe der Jahre in Fabriken als Massenware hergestellt werden. Die zur Herstellung notwendigen Räumlichkeiten innerhalb der Apotheke verkleinerten sich wiederum.
Weiterhin soll es neben der Entwicklung der Apothekenarchitektur auch abgeleitet um die drei Fallbeispiele in Leipzig gehen. Um diese zu Beschreiben benötigt es die Entwicklung des Apothekenwesens in Leipzig darzustellen. Erst 1409 entwickelte sich neben der Klosterapotheke, die erste offizielle Stadtapotheke Leipzigs. Bis zur Gründung der Adlerapotheke 1709 existierten nur drei Apotheken in der Stadt. 1883 und 1886 erfolgte aufgrund von Stadterweiterungen die Gründung der Sonnen- und der Hegelapotheke. Alle drei Apotheken befinden sich in unterschiedlichen Stadtteilen von Leipzig, weshalb auch die Grundrissstrukturen und Größen dieser sehr unterschiedlich sind. Auch die Offizineneinrichtungen sind jede auf ihre Weise einzigartig, weshalb es diese auch für die Nachwelt zu schützen gilt. In Leipzig gibt es heute insgesamt 134 Apotheken, von denen nur noch 43 vor 1945 bereits angesiedelt waren, aber im Laufe der Jahre mehrfach ihre Standorte wechselten, sowie die Einrichtung veränderte. Drei davon wurden als Beispielapotheken ausgewählt, da diese sowohl mit historischer Einrichtung und an ihrem Gründungsort weiter Bestand haben. Sie zeugen in Leipzig als einzige vom Apothekenwesen des 17. und 18. Jahrhunderts.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden viele Apotheken geschlossen, verändert oder sind umgezogen, weshalb deren ursprüngliche Einrichtungen heute nicht mehr erhalten sind. Es wurden auch jeweils neueste Techniken und Einrichtungsgegenstände in Apotheken integriert, um den laufenden und sich ändernden Anforderungen gerecht zu werden. Deshalb wurden meist auch die bis dahin noch bestehenden historischen Einrichtungen aus den Apotheken entfernt und durch neue praktikablere ersetzt. Nach den heutigen Standards und gesetzlichen Vorgaben sind vor allem Apotheken in Einkaufs- oder Ärztehäusern gezwungen sich alle 15 - 20 Jahre neu einzurichten und den technisierten Standards anpassen. Aufgrund dieser stetigen Erneuerungen und Veränderungen ist es wichtig, auch für die Zukunft, die noch bestehenden wenigen historischen Apotheken zu schützen. Damit diese dem Konkurrenzdruck standhalten können und weiterhin als Apotheke genutzt werden, müssen sie ebenfalls angepasst werden. Aufgrund dessen muss für diese eine denkmalgerechte Sanierung erfolgen. Nur so können sie weiterhin auch für die Nachwelt bestehen und erlebbar bleiben. Ziel ist es in dieser Arbeit, Sanierungs- und Umbaukonzepte für die drei Beispielapotheken Leipzigs zu entwickeln. Diese sollen ein Beispiel für die Anwendung in allen noch existierenden historischen Apotheken darstellen. Anhand dieser Konzepte wird deshalb versucht ein allgemeingültiges Sanierungs- und Umbaukonzept für historische Apotheken zu entwickeln. Weiterhin wird mit dieser Arbeit ein Leitfaden entwickelt, welcher den Ablauf einer Sanierung bzw. eines Umbaus vorgibt, beschreibt und aufzeigt, welche Kriterien dabei beachtet werden sollten. Da die Apotheken meist im Zeitstil eingerichtet wurden und im Zuge deren Veränderungen auch die Apothekengestalt veränderte, lässt sich keine allgemeine Apothekenarchitektur erkennen. Dies liegt auch daran, dass es bis heute keine Gesetze über eine Grundrissstruktur, Zusammensetzungen, Größen und Gestaltung der Räumlichkeiten gibt. Deshalb zeigt sich, dass jede Apotheke einzigartig ist. Umso mehr historische Substanz noch erhalten ist und im Laufe der Jahrhunderte nicht groß verändert wurde, sollten diese Apotheken geschützt und für die Nachwelt erhalten bleiben.
Sanierungen und Umbauten von historischen Apotheken sind immer Objektbezogen zu betrachten, weshalb kein allgemeingültiges Konzept entwickelt werden kann. Es sind deshalb Individualkonzepte abhängig von den örtlichen Gegebenheiten, wie Standort, historische Einrichtung, Wirtschaftlichkeit und Image der Apotheke notwendig.