Projekt

Charlotte Feneis - (FB3) Masterarbeit

Schädigender Einfluss von Licht an Baudenkmalen – Die Wandteppichmalereien der Schlosskirche Wittenberg

  • Lutherepitaph in seiner Einbausituation in der Schlosskirche Wittenberg nach 1900. Ersten Schäden an der Wandteppichmalerei treten deutlich hervor. © Charlotte Feneis
  • Originale Wandteppichmalerei von 1982, die hinter dem Luther-Epitaph seit ihrer Entstehungszeit (licht-)geschützt überstanden hat. © Charlotte Feneis

Wissenschaftliche Studien, die sich mit dem Thema der objektschädigenden Wirkung von Licht befasst haben, konzentrierten sich hauptsächlich auf Kunstobjekte von Ausstellungen und Museen. Eine Zusammenfassung der in diesem Kontext gebräuchlichen Begriffe sowie vorangegangenen Untersuchungen und deren Ergebnisse finden sich beispielsweise in der Norm CIE 157 aus dem Jahre 2004. Darin werden u. a. kunst- und naturhistorische Materialien diskutiert, nach ihrer Lichtempfindlichkeit klassifiziert und maximale Beleuchtungsdauern zur Vermeidung von Schäden durch Licht vorgeschlagen.

Kulturgüter, wie Baudenkmale sind im Gegensatz zu archäologischen Funden oder anderen wertvollen Sammlungsgut, die in Museen und Depots untergebraucht sind meist ungeschützt Umwelteinflüssen ausgesetzt. Diese Tatsache macht es besonders notwendig sich mit dem Erhalt der Bausubstanz und den mit dem Baukörper verbundenen Materialien eines Denkmals zu befassen. Bei Letzteren kann es sich beispielsweise um Fußböden, Holzvertäfelungen, Wandmalereien, Tapeten, Putze, Stuck- und Freskoarbeiten handeln. Der Einfluss von hygrothermischen Faktoren auf Baudenkmale ist allgemein bekannt und konservatorisch bewertbar. Der Aspekt der schädigenden Wirkung von Licht scheint in seiner ganzen Bandbreite hingegen noch nicht vollständig in der Denkmalpflege angekommen zu sein. Neben der universell vorhandenen Sonnenstrahlung wird auch in Denkmalen häufig auf eine zusätzliche künstliche Beleuchtung zurückgegriffen. Sie soll die Sehaufgabe des Menschen erleichtern oder den Innenraum und dessen Ausstattung in das richtige Licht rücken. Da sich eine künstliche Beleuchtung bis auf den Spektralbereich und die Intensitätsverteilung physikalisch nicht von der Sonnenstrahlung unterscheidet, muss auch das Schädigungspotential von künstlich erzeugter Strahlung berücksichtigt werden.

Zunächst befasst sich die Arbeit mit allgemeinen gebäudeklimatischen Zusammenhängen und strahlungsphysikalischen Grundlagen, die die Beschreibung der Sonnenstrahlungscharakteristik und der Eigenschaft relevanter Lichtarten miteinschließt. Schwerpunktmäßig wird im theoretischen Teil der Arbeit der Erkenntnisstand der schädigenden Wirkung von optischer Strahlung zusammengefasst und mögliche Schutzmaßnahmen, darunter auch die Verwendung von Schutzgläsern, vorgestellt.

Exemplarisch wird in der Arbeit die schädigende Wirkung von Licht an Baudenkmalen am Beispiel der Schlosskirche Wittenberg aufgezeigt. Einführend erfolgt ein Überblick über die Bau- und Instandsetzungsgeschichte der selbigen. Während der Anfertigung der Masterarbeit (2013/2014) unterlag die Schlosskirche bereits umfassenden Restaurierungs- und Sanierungsmaßnahmen um sie für das 500-jährige Reformationsjubiläum in dem historischen Zustand von 1892 erscheinen zu lassen. Als konkrete Untersuchungsfläche an der Schlosskirche wurde ein Fragment der originalen Wandteppichmalerei gewählt, welches während den Restaurierungsmaßnahmen hinter dem Lutherepitaphen entdeckt wurde (s. Lutherepitaph und Originale Wandteppichmalerei von 1982). Die dort entnommenen Farbmittelproben und das Ergebnis deren chemischer Analyse bildeten die Grundlage der für die Laborversuche hergestellten Proben (Untersuchte Pigment- und Farbstoffproben). Unter Normklimabedingungen wurden die Farbmittelproben mit normiertem D65-Tageslicht einmal direkt, durch ausgewählte Kantenfilter und durch originale Fensterglasmuster der Schlosskirche bestrahlt. Nach definierten Bestrahlungszeiten wurde die farbliche Veränderung der Farbmittelproben mit Hilfe eines Auflichtmikroskops und einem Farbmessgerät dokumentiert und die Ergebnisse analysiert (Farbliche Veränderung (Ausbleichen) des organischen Rotfarbstoffes Krapplack).

Die dadurch erzielten Resultate tragen dazu bei sowohl allgemeine Aussagen über die Lichtbeständigkeit der in dieser Arbeit untersuchten Farbmitte zu treffen, als auch im konkreten Fall der Schlosskirche Wittenberg den schädigenden Einfluss der Tageslichtbeleuchtung auf die historische Wandteppichmalerei vorherzusagen.