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Blühstreifen oder Ökolandbau?

  • Weite Landschaft mit sanften Hügeln, grünen Wiesen und blühenden Feldern voller Kornblumen. Im Hintergrund ein kleines Dorf mit roten Dächern und bewaldeten Bergen unter blauem Himmel. © Hochschule Anhalt/Costanza Geppert

Wie lassen sich Artenvielfalt und eine wirtschaftlich tragfähige Landwirtschaft miteinander verbinden? Eine aktuelle Studie unter Beteiligung der Hochschule Anhalt zeigt: Sowohl Blühstreifen als auch ökologischer Landbau fördern die Biodiversität auf landwirtschaftlichen Flächen. Beide Maßnahmen erhöhten die Artenvielfalt im Vergleich zu konventionell bewirtschafteten Weizenfeldern um 20 bis 30 Prozent. Wirtschaftlich schnitten die ökologisch bewirtschafteten Flächen unter den untersuchten Bedingungen am besten ab. Die Ergebnisse sind im Journal of Applied Ecology erschienen und liefern wichtige Anknüpfungspunkte für das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt AgriRestore an der Hochschule Anhalt.

Über zwei Jahre untersuchte das Forschungsteam Winterweizenfelder in neun Landschaften rund um Göttingen. Verglichen wurden konventionelle Felder mit und ohne Blühstreifen sowie ökologisch bewirtschaftete Felder. Dabei zeigte sich: Der ökologische Landbau beherbergte die meisten Wildpflanzenarten, Blühstreifen wurden dagegen von dreimal so vielen Bienenarten besucht wie die ökologisch bewirtschafteten Felder. Auch die Zusammensetzung der Artengemeinschaften unterschied sich deutlich. „Ökologischer Landbau und Blühstreifen sind deshalb kein Entweder-oder. Sie fördern teilweise unterschiedliche Arten und können sich beim Erhalt der Biodiversität sinnvoll ergänzen“, erklärt Dr. Peter Batáry, Erstautor der Studie und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule Anhalt.

Besonders interessant sind für die Forschenden die wirtschaftlichen Ergebnisse. Obwohl die ökologisch bewirtschafteten Flächen rund 50 Prozent geringere Weizenerträge erzielten, lagen ihre Gewinne um mehr als 150 Prozent über denen der konventionellen Kontrollflächen. Gründe dafür waren unter anderem bessere Vermarktungsmöglichkeiten und EU-Förderungen. Auch Blühstreifen erwiesen sich unter Berücksichtigung der entsprechenden Förderung als wirtschaftlich konkurrenzfähig. „Die Ergebnisse zeigen, dass Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität nicht zwangsläufig mit wirtschaftlichen Nachteilen verbunden sein müssen“, betont Batáry. „Für eine nachhaltige Landwirtschaft müssen wir beides zusammendenken: die ökologische Wirkung und die wirtschaftliche Tragfähigkeit.“

Für die Forschung an der Hochschule Anhalt sind die Erkenntnisse auch über die aktuelle Studie hinaus relevant. „Die Ergebnisse bieten uns eine sehr gute Grundlage für die weitere Feldforschung in unserem Projekt AgriRestore“, erklärt Koautorin Prof. Dr. Christina Fischer. Die Professorin für Faunistik und Artenschutz der Hochschule Anhalt untersucht gemeinsam mit einem Forschungsteam, wie sich die Biodiversität in intensiv genutzten Agrarlandschaften Sachsen-Anhalts wiederherstellen und langfristig erhalten lässt. Die Studie liefert dafür wichtige Hinweise. 

Kontakt: 

Prof. Dr. Christina Fischer
Hochschule Anhalt
Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung
Christina.Fischer@hs-anhalt.de
Tel.: +49 (0) 3471 355 1197