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Design gegen Angst: Wie eine kluge Weste die Designwelt erobert
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© Fynn Ole Fritz
Janne Kreimer will sich mit ihrer Weste gegen Angst für mentale Mobilität stark machen
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"Die Weste kann ich einfach unter meinem Kleid, Pullover oder Blazer tragen. Sie umarmt mich im entscheidenden Moment.«
Janne Kreimer
Janne Kreimer (23) wusste schon als Kind, dass sie später in einem kreativen Job arbeiten will. Und weil sie schon immer ein Faible für das Bauhaus hatte, schrieb sie sich 2021 für den Studiengang Integriertes Design an der Hochschule Anhalt ein. Heute darf sie sich als eine neue Stimme im Feld Design verstehen: Im Wintersemester 2023/24 entwarf Janne ein Konzept für eine Weste gegen Angstzustände. Dafür wurde sie mit dem RIMOWA Designpreis ausgezeichnet, der auf 20.000 Euro dotiert ist. Sie hat bewiesen, dass kluge Eleganz verbunden mit schlichtem Design die Welt ein kleines bisschen besser macht.
Die Idee kam Janne nach einem Gespräch mit anderen Studierenden. »Unser Thema hieß Mobilität. Es stand uns frei, wie wir es interpretieren wollen. Ich habe mich für die mentale Mobilität entschieden. Schon deshalb, weil ich mit Prüfungsangst zu kämpfen habe«. sagt Janne. Die Studierende kennt das Gefühl von Gewichtsdecken oder Gewichtswesten, die einen gleichmäßigen Druck auf den Körper ausüben und so das unbewusste Nervensystem beruhigen. Aber während einer Prüfung, einer Präsentation oder bei der Arbeit hilft ihr das nicht. Sie entschied sich, ein funktionelles und ästhetisches Kleidungsstück zu entwerfen, das sie gezielt unterstützt, wenn sie es braucht. Die Weste kann ich einfach unter meinem Kleid, Pullover oder Blazer tragen. Sie umarmt mich im entscheidenden Moment.«
Die junge Designerin tauschte sich dazu mit Expertinnen und Experten verschiedener Fachgebiete aus. Etwa aus der Neurobiologie, Psychologie und der alternativen Medizin. Aber auch mit Unternehmen, die sich auf Kompressionsstoffe spezialisiert haben. »Eine therapeutische Methode, um Stress und Angstzustände zu lindern, ist die ‚Deep Pressure Stimulation‘. Durch diese Form der Drucktherapie kam ich zur Akupunktur oder besser Akupressur.« Denn die Punkte lassen sich nicht nur mit Nadeln, sondern auch mit gezieltem Druck stimulieren.«
Gesteuert wird die Weste über Soft Robots. Das sind kleine aufblasbare, robotische Elemente, die individuell durch Luftdruck das Gefühl eines Daumendrucks simulieren. Wo sie sitzen müssen und wie sie aussehen, dazu hat sich Janne an der traditionellen chinesischen Medizin orientiert. »Es gibt ganz viele Punkte, die am Körper verteilt liegen und ich habe mir die herausgesucht die am Oberkörper lokalisiert sind.« Als Kreise verbunden verschmelzen sie zu einer organischen Form. Sie werden erst sichtbar, wenn die Weste aktiv ist. Mit ihrem raffinierten und schlichten Aussehen wird die Weste damit zum Designerstück. Dieses muss keineswegs versteckt werden, sondern kann offen getragen werden kann.
Heute darf sich die 23-Jährige als eine neue Stimme im Feld Design verstehen. Das Konzept der von ihr entworfenen Weste gegen Angstzustände wurde mit dem RIMOWA Designpreis ausgezeichnet, der mit 20.000 Euro dotiert ist. »Mit dieser Auszeichnung habe ich bis zuletzt nicht gerechnet und ich bin nach wie vor überwältigt. Es ist toll, dass auch Leute außerhalb der Hochschule und auch außerhalb der Designbranche die Idee verstehen. So bekommt das Thema Ängste mehr Aufmerksamkeit. Denn es betrifft einfach so viele Menschen.«
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»Das Konzept des Integrierten Designs der Hochschule Anhalt hat sich für mich sehr bewährt. Im Prozess konnte ich immer wieder die Verbindungen zwischen den einzelnen Disziplinen erkennen und nutzen."
Janne Kreimer
Bis Weste und Soft Robots zu einer Einheit verschmolzen, experimentierte Janne Kreimer mit verschiedenen Prototypen:
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© Paulina Schröder
Gesteuert wird die Weste über Soft Robots. -
© Philippe Wassenberg
Das sind kleine aufblasbare, robotische Elemente, die durch Luftdruck das Gefühl eines Daumendrucks simulieren. -
© Paulina Schröder
Wo sie sitzen müssen und wie sie aussehen, dazu hat sich Janne Kreimer an der traditionellen chinesischen Medizin orientiert. -
© Philippe Wassenberg
Mit ihrem raffinierten und schlichten Aussehen wird die Weste damit zum Designerstück.
Rückblickend war der Kurs für sie ein Sprungbrett: »Das Konzept des Integrierten Designs der Hochschule Anhalt hat sich für mich sehr bewährt: Während meines Studiums konnte ich Erfahrungen in 2D, 3D und 4D sammeln. Im Prozess konnte ich so immer wieder die Verbindungen zwischen den einzelnen Designdisziplinen erkennen und nutzen.« Hinzu kam die außergewöhnlich vielseitige Unterstützung vieler Menschen des Fachbereich Design, insbesondere durch ihre Professoren Nicolai Neubert und Manuel Kretzer. Und schließlich ermöglichte ihr der Wettbewerb wertvolle Kontakte zu namhaften Größen der Designwelt.
Für die Zukunft wünscht sich die gebürtige Schwerinerin, mit ihrer Idee mehr Menschen zu erreichen und mit ihrem Produkt Unterstützung zu bieten. »RIMOWA brachte eine neue Generation von jungen Designerinnen und Designern zusammen, die sich vernetzen und voneinander lernen konnten. »Diese große Chance möchte ich auch weiterhin nutzen.«
© Marc Krause
RIMOWA fördert kreative Talente
Dafür ruft das Unternehmen seit zwei Jahren einen Wettbewerb aus. Die Initiative will Ideen in konkrete Projekte umwandeln, die sich nachhaltig und positiv auf das Zusammenleben auswirken. An der Hochschule Anhalt stieß RIMOWA damit auf offene Ohren.
Der Studiengang Integriertes Design
Das Dessauer Studienmodell bereitet Studierende auf vielseitige Anforderungsprofile vor und bietet mit einer nachhaltigen und langfristigen fachlichen Kompetenz eine Ausgangsposition, mit der sie flexibel auf zukünftige Entwicklungen in allen Arbeitsfeldern des Designs reagieren können. Die klassischen Berufsfelder erstrecken sich auf die Arbeit als selbständige oder freiberufliche Designer oder als Angestellte in Designbüros und Unternehmen, Kommunikations- und Werbeagenturen, produzierenden Unternehmen, Verlagen, Sendern sowie vielfältigen privaten oder öffentlichen Institutionen.
Weitere Informationen zum Studiengang
www.hs-anhalt.de/des
Am Samstag, dem 31. Januar 2026, öffnet der Fachbereich Design der Hochschule Anhalt von 10 bis 16 Uhr auf dem Campus Dessau die Türen. Die Dessau Design Schau geht in die nächste Runde und präsentiert alles rund ums integrierte Designstudium, die Lehre und den Alltag am Fachbereich.
Mehr Informationen: www.hs-anhalt.de/design