Zum 30. Historischen Erntefest in Bernburg-Strenzfeld kommt ein außergewöhnliches Stück Landtechnik aufs Feld: Ein historischer Dampfpflugsatz aus Hohenheim wird nach rund zehn Jahren wieder in Strenzfeld vorgeführt. Christoph Gajda von der Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt Halle begleitet den Historischen Erntefest seit rund 20 Jahren ehrenamtlich. Im Interview erklärt er, warum die Vorführung heute eine Seltenheit ist und welcher Aufwand dahintersteckt.
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„Es raucht, es faucht, es ist groß“
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© Hochschule Anhalt/Renate Geue
Herr Gajda, Sie begleiten das Historische Erntefest seit rund 20 Jahren. Haben Sie das Dampfpflügen in Strenzfeld schon selbst erlebt?
Ja, ich bin seit ziemlich genau 20 Jahren beim Erntefest dabei. Damals war ich 16 und bin irgendwie in den Kreis der Leute reingerutscht, die sich ehrenamtlich um die alten Traktoren gekümmert haben. Ich bin dann geblieben und versuche heute bei der Traktorensammlung in Strenzfeld, gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen, alles ein bisschen am Laufen zu halten. Den Dampfpflug habe ich hier auch schon als Mitwirkender erlebt. Das letzte Mal muss ungefähr 2015 oder 2016 gewesen sein.
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"Die Hohenheimer gehen mit ihrem Dampfpflugsatz normalerweise nicht auf Reisen. Deshalb ist es wirklich etwas Besonderes, dass wir ihn nach rund zehn Jahren wieder in Strenzfeld erleben können."
Christoph Gajda
Was macht die Vorführung in diesem Jahr so besonders?
Deutschlandweit gab es lange noch drei Dampfpflugsätze: einen in Landshut-Schönbrunn, einen in Hohenheim und einen in Kirchheim unter Teck. Mittlerweile ist nur noch der aus Hohenheim betriebsbereit. Die anderen sind nicht mehr betriebsfähig. Dampftechnik ist mit hohen Kosten verbunden, der TÜV und der Unterhalt sind teuer und man braucht speziell geschultes Personal.
Die Hohenheimer gehen mit ihrem Dampfpflugsatz normalerweise auch nicht auf Reisen. Sie führen ihn bei sich in Hohenheim vor. Deshalb ist es wirklich etwas Besonderes, dass wir ihn nach rund zehn Jahren wieder in Strenzfeld erleben können.
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© Christoph Gajda
Christoph Gajda vor einem historischen Dampfplug -
© Hochschule Anhalt / Renate Geue
Der alte Lanz Bulldog von Christoph Gajda beim Mähbindern
Wie funktioniert das Dampfpflügen eigentlich?
Das ist das sogenannte Seilzugverfahren. An jedem Feldende steht eine Lokomobile, die sieht aus wie eine riesengroße Dampflok, nur auf Rädern. Dazwischen wird ein Pflug per Seilzug hin und her gezogen. Eine Lokomobile wiegt ungefähr 20 Tonnen.
Das Verfahren hat zwei wesentliche Vorteile: Es ist bodenschonend, weil man keinen Bodendruck durch die Maschinen auf der Fläche hat. Und man konnte damit auch bei Regen und vor allem große Flächen bearbeiten.
Welche historische Bedeutung hatte diese Technik?
Der Dampfpflug war die erste industriemäßige Bodenbearbeitung. Im 19. Jahrhundert kam die Industrialisierung, die Flächen wurden größer und die Landwirtschaft musste sich entwickeln. Traktoren gab es noch nicht. Der Dampfpflug war damals das erste wirkliche Mittel, um Landwirtschaft im großen Stil zu betreiben. Das ist eine Technik, die zu dieser Zeit allgegenwärtig war und viel ermöglicht hat. Und die kann man beim Erntefest heute noch einmal hautnah miterleben.
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"Das Dampfpflügen wird den ganzen Tag parallel zum Programm zu erleben sein."
Christoph Gajda
Die Vorführung sieht spektakulär aus. Wie viel Aufwand steckt dahinter, bevor der erste Pflug über das Feld gezogen wird?
Sehr viel. Die Maschinen werden von einer Spezialspedition mit drei LKWs, also drei Tiefladern, nach Strenzfeld gebracht. Die Hohenheimer reisen mit einer Mannschaft von neun Leuten an. So etwas kann man nicht einfach bedienen. Dafür braucht man verschiedene Qualifikationen und Prüfungen.
Am Tag des Erntefestes stehen die Leute frühmorgens auf und heizen die Maschinen an. Das dauert seine Zeit, bis sich überhaupt genug Dampf entwickelt hat und die Maschinen betrieben werden können. Zur Eröffnung wollen wir dann raus aufs Feld fahren. Das Dampfpflügen soll den ganzen Tag parallel zum Programm zu erleben sein.
Lohnt sich dieser große Aufwand? Wie reagieren die Besucherinnen und Besucher auf den Dampfpflug?
Das ist etwas sehr Besonderes, und war es auch früher schon. Es kommen tatsächlich Leute aus nah und fern. Es haben sich bereits Leute aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Süddeutschland angemeldet, die extra deshalb kommen, um den Dampfpflug zu sehen. Die sagen: Das wird einmalig sein, so etwas hier überhaupt einmal zu erleben. Manche buchen sich dafür extra ein Hotelzimmer.
Die Leute, die sich mit Landtechnik beschäftigen, wissen auf jeden Fall, dass das etwas ganz Besonderes ist. Und für alle anderen ist es einfach eine Attraktion: Es raucht, es faucht, es ist groß.
Bettina Kranhold
RedaktionVeronika Rivera
Historisches ErntefestBunt, lebendig und traditionell:
Das Historische Erntefest auf dem Gutshof des Internationalen Pflanzenbauzentrums der DLG in Bernburg-Strenzfeld statt. Ab 10:00 Uhr beginnt das Fest mit dem traditionellen Erntekorso, der die Entwicklung der Landwirtschaft darstellt. Die Hochschule Anhalt und die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt organisieren das Erntefest, das in diesem Jahr zum 30. Mal stattfindet.
29. August 2026, ab 10:00 Uhr
Gutshof Bernburg-Strenzfeld, 06406 Bernburg (Saale)
Wir freuen uns auf einen Besuch!