Bilder aus der Ferne können wichtige Informationen zum Klimawandel liefern: zu Veränderungen der Vegetation, Hitzeinseln in urbanen Räumen oder Trockenstress von Wäldern. Um die breite Nutzung von Fernerkundungsdaten voranzutreiben, wird an der Hochschule Anhalt in verschiedenen Projekten geforscht. Akteurinnen und Akteure sowie Themen stellen wir auf dem Klimablog vor. Den Anfang macht ein Interview mit Marion Pause, Professorin für Photogrammetrie und Fernerkundung am Campus Dessau.
Aktuelles
Klimawandel mit den Augen von oben | Teil 1
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© HS Anhalt | Marvin Gabler
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Wir haben bereits viele technische Möglichkeiten und auch Zugriff auf viele Aufnahmen von Satelliten, Gyrokoptern oder Drohnen. Jetzt geht es um die Inwertsetzung mit Anwenderinnen und Anwendern.
Frau Professor Pause, mit welchen Bildern aus der Ferne hatten Sie zuletzt zu tun? Wie wurden sie aufgenommen, was war darauf zu sehen und was haben Sie damit gemacht?
Wir haben zum Beispiel Thermaldaten, sogenannte Wärmebilddaten, vom Stadtgebiet Dessau mit dem Forschungsgyrokopter der Hochschule Anhalt aufgenommen. Hier erkennen wir sehr deutlich die kühlende Wirkung von Stadtbäumen in bebauten Gebieten oder wie Flächen mit einem hohen Versieglungsgrad als Hitzeinseln wirken. Unser Forschungsinteresse gilt der Verbesserung der Aussagekraft solcher Bilddaten hinter welchen sich komplexe physikalische Prozesse verbergen. Für die Nutzbarmachung von Thermaldaten sind verschiedene Korrekturen erforderlich, um beispielsweise zeitliche und räumliche Veränderungen in den thermischen Eigenschaften von Siedlungsgebieten plausibel zu belegen.
Warum ist Forschung zum Thema Fernerkundung wichtig?
Wir haben bereits viele technische Möglichkeiten und auch Zugriff auf viele Aufnahmen von Satelliten, Gyrokoptern oder Drohnen. Jetzt geht es um die Inwertsetzung dieser Bilder und dazu brauchen wir mehr Fragen von Anwenderinnen und Anwendern – aus der Stadtentwicklung, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, zum Schutz der Natur. Was wir können und was gebraucht wird, muss vielfach erst noch zusammengeführt werden.
© Marion Pause
Prof. Marion Pause in Kanada: Im April hat sie hier an einer Schulung gemeinsam mit Bastian Sander von der Hochschule Anhalt (ganz rechts) teilgenommen. Dabei ging es um die Nutzung eines neuen Fernerkundungssensors, den Prof. Marion Pause und Prof. Uwe Knauer vom Campus Bernburg-Strenzfeld zukünftig für gemeinsame Forschungsprojekte nutzen wollen.
In einer Ihrer aktuellen Publikationen geht es um die Überwachung der Vegetations- und Geodiversität der Erdoberfläche im Klimawandel. Warum ist das wichtig?
Mithilfe der sogenannten bildgebenden Fernerkundung haben wir die einzigartige Möglichkeit, Veränderungen der Landoberfläche und ihrer räumlichen Muster und damit auch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren zu dokumentieren! Dazu zählt beispielsweise die Wechselwirkung von grüner, urbaner Infrastruktur wie Stadtbäumen und Hecken und der Hitzebelastung. In der Agrarlandschaft geht es etwa darum, Zusammenhänge großräumig sichtbar zu machen und datenbasiert zu quantifizieren, zum Beispiel Bodenfeuchte und Biodiversität in Abhängigkeit der Landnutzung und Landnutzungsänderung. Dies ist wichtig, um Entscheidungsträger:innen belastbare Datengrundlagen an die Hand zu geben, um damit nachhaltige Klimaanpassungsmaßnahmen zu realisieren und Verständnis und Akzeptanz in der Gesellschaft zu schaffen.
Was könnte man anhand des von Ihnen beschriebenen Ansatzes zum Beispiel überwachen?
Mittels Fernerkundung haben wir die Möglichkeit, die Wirkung von Maßnahmen zur Steigerung von Klimaanpassung und Biodiversität belastbar für die Gesellschaft zu dokumentieren. Beispielsweise könnte man überwachen, wie die intensive Etablierung von Flurgehölzen sich auf den Boden, Wasserhaushalt, die Bodenqualität und die Biodiversität in der Agrarlandschaft auswirkt. Im urbanen Raum können wir überwachen, wie Maßnahmen der Stadtbegrünung oder die Auswahl bestimmter, baulicher Materialien sich auf die thermische Belastung in Siedlungen auswirken.
Wie breit werden die Potenziale der Fernerkundung aus Ihrer Sicht aktuell genutzt?
Ich würde sagen, nur zu einem Bruchteil. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Die Potenziale der Fernerkundung sind vergleichsweise jung und müssen in Überwachungsprozesse erst noch implementiert werden. Dazu wollen wir auch mit unseren Studienangeboten beitragen. Darüber hinaus können wir durch Praxisprojekte weitere Überzeugungsarbeit leisten und zeigen, wie sich Fernerkundung konkret nutzen lässt.
Sie beteiligen sich unter anderem an der Kooperation mit der Stadt Dessau-Roßlau zur BUGA 2035. Inwiefern kommt dabei die Fernerkundung ins Spiel?
Momentan sind wir noch in der Planungsphase aktueller Projekte. Aber wir werden auf jeden Fall unseren Gyrokopter für Befliegungen und Datenerhebungen nutzen. Zum Beispiel könnte es darum gehen, wo sich die Stadt besonders aufheizt und wo man Gegenmaßnahmen durch Begrünungen treffen sollte. Für Städte ist aktuell interessant, wie sich ihre Grünflächen entwickeln. Auch das kann man mit Aufnahmen aus dem Gyrokopter sehr gut beobachten. Im Idealfall wird die Kooperation (unter anderem) zu einer Blaupause für das, was mit digitalen Möglichkeiten in der Stadtplanung- und -entwicklung möglich ist. Deshalb arbeiten wir auch interdisziplinär, das heißt mit dem Studiengang Nachhaltige Stadtentwicklung sowie Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich Landschaftsplanung in Bernburg zusammen.
Sie forschen sowohl an technischen Fragen der Fernerkundung als auch konkreten Anwendungsfällen. Was ist für Sie wichtiger?
Beides gleichermaßen. Dass wir die technologische Entwicklung – insbesondere die Fernerkundung per Gyrokopter mit der entsprechenden Kameratechnik – und Anwendungsfälle so eng kombinieren, sehe ich auch als Alleinstellungsmerkmale der Hochschule Anhalt.
Prof. Dr. Marion Pause…
- lehrt und forscht am Fachbereich 3 der Hochschule Anhalt: Architektur, Facility Management und Geoinformation
- hat Geodäsie an der TU Dresden studiert und an der Ludwig Maximilian Universität München auf dem Gebiet der multi-sensoriellen Fernerkundung promoviert
- befasst sich wissenschaftlich wie praktisch damit, Daten mit bildgebenden Technologien der Photogrammetrie und Fernerkundung zu erfassen und auszuwerten
- koordiniert Messkampagnen und Forschungsprojekte unter Einsatz des hochschuleigenen Forschungsgyrokopters, unter anderem in Kooperation mit dem Helmholtz Zentrum für Umweltforschung in Leipzig
- Mehr Informationen auf ihrer persönlichen Seite: https://www.hs-anhalt.de/hochschule-anhalt/service/personenverzeichnis/person/dr-marion-pause.html
Fernerkundung an der Hochschule Anhalt:
Wie Fernerkundungsdaten Landwirtschaft und Naturschutz unterstützen können, wird auf dem Campus Bernburg-Strenzfeld der Hochschule Anhalt erforscht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Themen und Projekte stellen wir in weiteren Artikel auf dem Klimablog vor.
... ist für Nachfragen und Anfragen erreichbar unter Tel.: +49 (0) 340 5197 1564 oder per E-Mail: marion.pause(at)hs-anhalt.de
... aktuelle Publikation: Monitoring vegetation- and geodiversity with remote sensing and traits / Lausch, Angela. - Enthalten in: Philosophical transactions of the Royal Society, Bd. 382 (2024). DOI: https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rsta.2023.0058
... mehr über ihre Themen und Aufgaben an der Hochschule Anhalt am Ende des Interviews