Nachhaltiger wirtschaften: Mit diesem Ziel hat sich vor rund drei Jahren ein mitteldeutsches Netzwerk gegründet. Sein wichtigstes Werkzeug ist der Austausch mitunter kontroverser Positionen. Und das kommt gut an. Im Interview auf dem Klimablog der Hochschule Anhalt erklärt Dr. Daria Meyr die Idee des Netzwerks.
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Nachhaltigkeit in der Wirtschaft: Netzwerk schafft Plattform
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Frau Dr. Meyr, aus welchem Grund wurde das Netzwerk "Nachhaltigkeit in der Wirtschaft" gegründet?
Der Grund war eine Beobachtung, die von zwei Seiten ausging: sowohl von uns als Vertreterinnen und Vertreter der Wissenschaft als auch von der IHK Halle-Dessau in Vertretung der Wirtschaft. Am Rande einer Veranstaltung kamen wir mit Dr. Sophie Kühlung darüber ins Gespräch, dass es in Bezug auf nachhaltige Themen viel Aufklärungs- und Redebedarf gibt. So entstand die Idee einer unabhängigen Plattform, über die sich verschiedene Seiten austauschen können. Letztlich geht es darum, die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen regional besser zu verankern und umzusetzen.
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Es geht uns darum, die teils sehr unterschiedlichen Positionen von Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung zur Sprache zu bringen, aber auch Lösungen aufzuzeigen.
Dr. Daria Meyr
Wer hat sich dem Netzwerk seit der Gründung 2021 angeschlossen?
Inzwischen haben wir rund 80 Mitglieder aus der mitteldeutschen Wissenschaft und Wirtschaft, aber auch Verwaltung und Gesellschaft. Wir streben in jedem Quartal ein Netzwerktreffen an unterschiedlichen Orten in Sachsen-Anhalt an. Zu jedem Netzwerktreffen kommen etwa 30 bis 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Was passiert auf diesen Netzwerktreffen?
Jedes Treffen hat einen bestimmten Themenschwerpunkt. Bislang waren das zum Beispiel die "Steigerung der Biodiversität in der Landschaft", "Bioökonomie findet Stadt", die Kreislaufwirtschaft unter besonderer Berücksichtigung von Kunststoffabfällen und kunststofffreien Hanfbaustoffen, die Frage, wie Unternehmen nachhaltiger wirtschaften können und natürlich auch das Thema Energie. Dazu gibt es jeweils einen kurzen Impulsvortrag, um dann den Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmern viel Raum zu lassen. Bei uns liegt die Moderation der Diskussionen.
Die sind vermutlich sehr kontrovers...
Ja, und das sollen sie auch sein. Es geht uns darum, die teils sehr unterschiedlichen Positionen von Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung zur Sprache zu bringen, aber auch Lösungen aufzuzeigen. An dieser Stelle kann gerade die angewandte Forschung und speziell die Hochschule Anhalt mit ihren vielen Projekten einiges beitragen.
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© Netzwerk Nachhaltige Wirtschaft
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© Netzwerk Nachhaltige Wirtschaft
Diskutieren und inspirieren: Dr. Daria Meyr von der Hochschule Anhalt (links) und Dr. Sophie Kühling von der IHK Halle-Dessau (rechts) laden regelmäßig zu Treffen des Netzwerks ein. Aktuelle Informationen aus der Forschung, aber auch Best Practices spielen dabei eine wichtige Rolle – wie im Juli 2023 bei einer Führung durch das Umweltbundesamt mit seinem speziellen Baukonzept.
Welchen Effekt haben die Netzwerktreffen?
In erster Linie ein besseres Verständnis dafür, wie sich Nachhaltigkeit besser umsetzen lässt, wo es noch Hürden gibt, aber auch großes Potenzial. Beispiele dafür, wie Nachhaltigkeit zum Innovationsmotor werden kann, stellen wir auf unserer Website vor. Hier gibt es auch zu jedem Netzwerktreffen einen Rückblick – als Inspiration und Motivation. Wer sich in das Thema Nachhaltigkeit einlesen möchte, findet unter Informationen zahlreiche Links zu nationalen und internationalen Richtlinien und Kodizes, etwa zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex, zum Leitfaden "Nachhaltige Produktgestaltung Mittelstand Digital Leipzig-Halle" oder auch zu einem CO2-Preisrechner für Unternehmen.
Welches wird das nächste Thema sein und warum wurde es ausgewählt?
Das nächste Netzwerktreffen zum Thema Digitalisierung findet am 14. November 2024 in Präsenz statt. Das Thema wurde ausgewählt, weil Digitalisierung eine Schlüsselrolle dabei spielt, wie Unternehmen nachhaltiger wirtschaften können. Hier sind einige konkrete Gründe dafür: Effizienzsteigerung, Transparenz und Nachverfolgbarkeit, Innovationen und neue Geschäftsmodelle, Datenanalyse und Entscheidungsfindung, Kundenanforderungen und Markttrends, Regulatorische Anforderungen und Kosteneffizienz. Durch die Behandlung dieses Themas beim Netzwerktreffen können Unternehmen in Mitteldeutschland voneinander lernen, Best-Practice-Beispiele austauschen und gemeinsam Lösungen entwickeln, um die Wirtschaftsregion zukunftsfähig und nachhaltig aufzustellen.
Mehr Informationen und Links
Dr. Daria Meyr arbeitet am Forschungs-, Transfer- und Gründerzentrum der Hochschule Anhalt und ist stellvertretende Sprecherin des Netzwerks "Nachhaltigkeit in der Wirtschaft". Sprecherin ist Dr. Sophie Kühling von der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau. Zum Kernteam des Netzwerks gehören darüber hinaus: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, EINE WELT Netzwerk Sachsen-Anhalt e.V. (ENSA), Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik CSP, Handwerkskammer Halle, Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt GmbH, mohio e.V., Netzwerk Zukunft Sachsen-Anhalt e. V./RENN.mitte in Sachsen-Anhalt sowie die Stadt Halle (Saale). Weitere Partner sind auf dieser Website aufgeführt: https://nachhaltig-wirtschaften-mitteldeutschland.de/startseite/#Kernteam
Das Forschungs-, Transfer- und Gründerzentrum bildet die Schnittstelle der Hochschule Anhalt zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Es bietet verschiedene Services zu Projekten oder auch Veranstaltungen an. Nachzulesen auf diesen Seiten: https://www.hs-anhalt.de/hochschule-anhalt/einrichtungen/forschungs-transfer-und-gruenderzentrum/ftgz.html
... ist für Nachfragen und Anfragen erreichbar unter Tel.: +49 Tel.: +49 (0) 3496 67 5314 oder per E-Mail: daria.meyr(at)hs-anhalt.de
... arbeitet im Forschungs-, Transfer- und Gründerzentrum der Hochschule Anhalt und hat das Netzwerk Nachhaltigkeit in der Wirtschaft mit initiiert. Mehr zu Dr. Daria Meyr am Ende des Artikels.
Titelbild: radekcho/stock.adobe.de