Plötzlich und unerwartet verstarb unser hochgeschätzter Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Feldversuche
Joachim Schröder
10.05.1950 - 09.09.2024
Die Arbeitsgruppe Feldversuche hat einen Mitarbeiter verloren, der über Jahrzehnte mit hoher Kompetenz und einer außergewöhnlichen Einsatzbereitschaft das Bernburger Feldversuchswesen geprägt hat. Er war als Mensch und Fachmann eine Institution.
Joachim Schröder wurde am 10.05.1950 in Goldbach in Thüringen als Sohn eines Landwirts geboren. Nach der Schulzeit absolvierte er in Bad Berka eine Berufsausbildung als Forstfacharbeiter. Aber bereits 1970 nach dem Grundwehrdienst landete er gemeinsam mit seiner Frau Marie-Luise in Bernburg im damaligen Institut für Getreideforschung Bernburg-Hadmersleben. An der institutseigenen Fachschule für Getreidesaatzucht erlangte er 1972 den Abschluss als wissenschaftlich-technischer Assistent. Der damalige Direktor des Instituts, Prof. Dr. Hans-Georg Steikhardt erkannte schnell das Organisationstalent in Joachim Schröder und er bekam die Stelle als Wissenschaftsorganisator. Gleichzeitig qualifizierte er sich über ein dreijähriges Fernstudium an der Agraringenieurschule für Versuchswesen Quedlinburg weiter. Sein Wille zur fachlichen Weiterbildung zeigt sich auch im späteren Fernstudium an der Sektion Pflanzenproduktion der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, das er 1983 erfolgreich als Diplomagraringenieur abschloss.
1981 wechselte Joachim Schröder die Arbeitsstelle und begann eine Tätigkeit als Hauptagronom der Zuckerfabrik Elsnigk im Zuckerkombinat Bernburg. Es war eine Zeit der intensiven Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftsbetrieben in der Region. Mit der politischen Wende kam das Aus für die damaligen Zuckerkombinate und Joachim Schröder musste sich neu orientieren. 1992 begann seine Tätigkeit als Versuchstechniker in den Forschungsprojekten der Hochschule Anhalt am Standort Bernburg-Strenzfeld. Weit über sein Ruhestandsalter hinaus war er bis zu seinem plötzlichen Tod mit seinen jahrzehntlangen Erfahrungen auf dem Versuchsfeld der Hochschule Anhalt nicht wegzudenken.
Joachim Schröder war mit der Versuchstechnik bestens vertraut. Von seinen Fertigkeiten haben viele Generationen von Studierenden und MitarbeiterInnen die Arbeit auf dem Versuchsfeld erlernt. Seine kommunikative Art sicherte der Arbeitsgruppe Feldversuche viele Verbindungen zu Saatzuchtbetrieben und Pflanzenzüchtern, wenn es darum ging, neue Sorten und Stämme für die Versuchsanstellungen zu besorgen.
Ein besonders produktives Verhältnis pflegte er zu Prof. Dr. Georg Kratzsch, dessen Ideen er in den Versuchsanstellungen umsetzte und mit dem er immer wieder gemeinsam die Pflanzenbestände in den Versuchsparzellen begutachtete. Herauszustellen ist auch sein Einsatz für umfangreiche Versuche zum Winter- und Sommerdurum. Eigenständig sicherte er hierbei seit Jahren eine intensive Zusammenarbeit mit der Erzeugergemeinschaft „Qualitätshartweizen Vorharz“.
Seit über 15 Jahren war er auch der geschätzte Kontaktmann und Ausführende für die Vorgaben der Studierendengruppen und Praxisvertretern im jährlichen Weizenwettbewerb der Hochschule Anhalt.
Joachim Schröder war über die vielen Jahre seiner Tätigkeit am Standort Bernburg-Strenzfeld eng vernetzt. Eine besonders enge Zusammenarbeit pflegte er mit den Versuchstechnikern und dem Labor der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Bernburg. An der gegenseitigen Unterstützung der örtlichen Einrichtungen bei den Versuchsarbeiten hatte er einen bedeutenden Anteil.
Beim Aufbau und Betrieb des Lehr- und Versuchsweinbergs der Hochschule Anhalt war Joachim Schröder ein wertvoller Begleiter. Bei allen Aktionen zur Pflanzung oder zum Gerüstaufbau war er dabei, genauso wie bei den jährlichen vielfältigen Pflegearbeiten in den Versuchsvarianten.
Die Arbeit mit pflanzenbaulichen Versuchen im Rahmen der Arbeitsgruppe Feldversuche hat ihm auch einfach Freude bereitet. Ansonsten wäre eine solche Einsatzbereitschaft weit über das Ruhestandsalter hinaus auch nicht möglich gewesen. Darüber hinaus war es für ihn eine Selbstverständlichkeit, sich auch bei den großen kulturellen Veranstaltungen des Hochschulstandorts aktiv einzubringen.
Joachim Schröder war in jungen Jahren aktiver Fußballspieler. Am Standort Strenzfeld hat er über viele Jahre den Freizeitfußball von Mitarbeitern und Studenten organisiert. Als Fußballschiedsrichter war er in der Region weit bekannt und berichtete auch regelmäßig in der „Mitteldeutschen Zeitung“ über die örtlichen Skatturniere. Er war generell stark an Politik und Sport interessiert. Seine Kommentierungen zu solchen aktuellen Themen werden wir vermissen.
Joachim Schröder wurde in Thüringen geboren. Obwohl er seit Jahrzehnten mit seiner Familie in Bernburg wohnte, blieb Thüringen im Innern des Herzens seine Heimat. Er hat uns alle überzeugt, dass über Thüringer Bratwürste und Thüringer Bier aus Pössneck und Apolda nichts kommt.
Joachim Schröder war verheiratet und Vater einer Tochter und eines Sohns. Mit besonderer Freude sprach er von seinen Enkelkindern. Zwangsläufig standen dabei die sportlichen Begabungen im Vordergrund, er war aber auch stets bestrebt, seine Enkelkinder mit der Region in Sachsen-Anhalt bekanntzumachen.
Der plötzliche Tod hat das Zusammensein mit der Familie jäh abgebrochen. Unser Mitgefühl gilt seiner Frau, seinen Kindern und Enkelkindern.
Wir werden Joachim Schröder ein ehrendes Gedenken bewahren.
Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter Orzessek