An der Hochschule Anhalt wurde Dr. Frank Heckel zum Professor für das Gebiet Web Engineering am Fachbereich Informatik und Sprachen berufen. Sein Hintergrund, der vom Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin bis hin zur Führungsposition bei Dataport geprägt wurde, sieht er als Vorteil für mögliche Kooperationen oder Projekte an der Hochschule. Im Interview teilt Professor Heckel seine Visionen für die Lehre und wie er beabsichtigt, Methodenkompetenz und Fachwissen zu vereinen, um die Studierenden bestmöglich auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten.
Prof. Heckel, herzlich willkommen an der Hochschule Anhalt. Bevor wir über Ihren neuen Aufgabenbereich sprechen, lassen Sie uns kurz zurückblicken. Was haben Sie studiert – und wo?
Ich habe angewandte Informatik mit der Vertiefungsrichtung Medieninformatik an der TU Chemnitz studiert. Das war eine spannende Zeit, obwohl meine Kommilitonen und ich uns aufgrund der eher theoretisch ausgerichteten Strukturen an der Universität viele praxisbezogene Inhalte im Selbststudium aneignen mussten. Der Unterschied zu einer Hochschule liegt dabei vor allem im direkten Praxisbezug, der an Hochschulen oft stärker ausgeprägt ist – ein klarer Vorteil an der Hochschule Anhalt. Dennoch habe ich mein Studium sehr genossen. Informatik habe ich gewählt, weil mich Computer faszinieren und ich gerne programmieren können wollte.
Was waren im Anschluss Ihre wichtigsten beruflichen Stationen?
Direkt nach meinem Studium war ich Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS in Bremen, das heute unter dem Namen Institut für digitale Medizin bekannt ist. Dort verbrachte ich zehn Jahre bis 2017. Die Zeit war sehr vielfältig, geprägt von Industrieprojekten, anwendungsorientierter Forschung und Softwareentwicklung. Daraus hat sich dann eine Promotion ergeben. Nach einer kurzen Zwischenstation in der Industrie bin ich dann für mehr als fünf Jahre als Führungskraft zu Dataport, dem IT-Dienstleister der norddeutschen Landesverwaltungen sowie von Sachsen-Anhalt, gegangen. Ich habe dort erfolgreich für Halle und Magdeburg eine Softwareentwicklungsgruppe aufgebaut, wir waren in der Spitze 40 Mitarbeitende. Auch heute pflege ich noch gute Kontakte, die ich gerne für mögliche Kooperationen, als Praxispartner für duale Studiengänge oder Projekte an der Hochschule nutzen würde.
Sie wurden für das Gebiet Web Engineering zum Professor berufen. Was fasziniert Sie an Ihrem Fachgebiet?
Mich fasziniert die ständige Veränderung und Weiterentwicklung von Anwendungen. Mit Webanwendungen und -technologien stehen uns eine unglaubliche Bandbreite an Tools zur Verfügung, um sämtliche Probleme zu lösen. Das macht Webtechnologien zu einem bedeutenden Querschnittsbereich in der Informatik – sei es für Office- oder Multimedia-Plattformen. Heutzutage laufen viele Anwendungen über Webapplikationen, was auch die Anforderungen verändert, etwa hinsichtlich mobiler Nutzung, Barrierefreiheit oder Offline-Funktionalität. Diese Nutzungsarten sind mittlerweile Standard für Web-Applikationen. Gleichzeitig erfordert es eine ganzheitliche Herangehensweise, um diese Applikationen langfristig auf dem neuesten Stand zu halten – von der Planung und Entwicklung über die Bereitstellung bis hin zur Weiterentwicklung und Wartung. Ein weiteres wichtiges Thema in diesem Kontext ist Datenschutz und Datensicherheit. Als Informatiker ist es entscheidend, diesen Aspekt im Blick zu behalten, und auch Studierende müssen dies verinnerlichen. Diese Webapplikationen müssen während des laufenden Betriebs stetig verbessert werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist Amazon, das kontinuierlich neue Versionen seiner Dienste bereitstellt, ohne den Betrieb zu unterbrechen. Diese kontinuierliche Verbesserung und Innovation machen Web Engineering für mich sehr faszinierend.
Welche technologischen Trends und Entwicklungen sehen Sie derzeit im Bereich des Web Engineerings, und wie beeinflussen diese Trends Ihre Forschung und Lehre?
Diese Frage ist spannend, denn insbesondere in den letzten zwei bis drei Jahren hat sich im Bereich der Kommunikation und der Zusammenarbeit mit Web-Applikationen unglaublich viel getan. Die Corona-Pandemie hat Videokonferenzen zur neuen Normalität gemacht. Persönlich nutze ich auch gerne Whiteboard-Applikationen wie Miro. Ideen wie die von Meta, dass wir zukünftig in einer virtuellen Welt zusammenarbeiten werden, sind dagegen noch nicht vollständig ausgereift. Was aber sicher einen starken Einfluss haben wird, sind generative KIs wie ChatGPT. Auch gesellschaftlich vollziehen sich Veränderungen; die Art und Weise, wie wir Informationen, Nachrichten und Unterhaltung konsumieren, hat sich in den letzten Jahren bereits stark verändert und wird sich weiterentwickeln.
In meiner Lehre plane ich, diese Aspekte zu integrieren, indem ich beispielsweise digitale Tools wie Whiteboard-Applikationen in den Unterricht einbinde. Gleichzeitig halte ich es für entscheidend, bereits im Bachelorstudium die Grundlagen für eine ganzheitliche Betrachtung zu legen. Themen wie Datensicherheit und Datenschutz sind dabei wichtige Bausteine für angehende Informatiker, um mit fundiertem Wissen in den Beruf zu starten. Dazu gehört auch ein Verständnis dafür, was mit den Daten geschieht, die in der Cloud gespeichert werden, und wo genau sich diese Daten befinden. Medienkompetenz ist heutzutage unerlässlich und sollte von jedem erlernt werden.
Können Sie uns kurz einige Schwerpunkte nennen, die Sie in der Lehre setzen wollen?
Natürlich. Neben der Vermittlung des grundlegenden Handwerkszeugs der Informatik und der Software- und Webentwicklung ist es mir ein besonderes Anliegen, dass die Studierenden vor allem Methodenkompetenz erwerben. Angesichts der raschen Veränderungen in der Informatik im Allgemeinen und in der Webentwicklung im Speziellen ist es entscheidend, dass unsere Absolventinnen und Absolventen nicht nur über solide Fachkenntnisse verfügen, sondern auch die Fähigkeit besitzen, sich schnell auf neue Methoden und Technologien einzustellen. Daher liegt der Fokus unserer Lehre darauf, die Studierenden optimal auf diese Herausforderungen vorzubereiten, indem wir stark auf die Vermittlung von Methodenkompetenz setzen und gleichzeitig ein solides Fundament an Fachwissen vermitteln. Um das zu erreichen, möchte ich die Lehre möglichst praxisnah gestalten.
Was ist Ihrer Meinung nach eine besonders wichtige Fähigkeit, die die Studierenden für ihre berufliche Zukunft aus dem Studium mitnehmen sollten?
Wie bereits gesagt, verändert sich die Informatik permanent und mit einer immer größeren Geschwindigkeit. Flexibilität und ein lebenslanges Lernen sind deshalb zwei zentrale Fähigkeiten im Berufsleben. Die Studierenden müssen später in der Lage sein, sich schnell in neue Technologien und Themengebiete einarbeiten zu können.
Weiterhin ist es wichtig, dass unsere Studierenden die Zusammenarbeit im Team lernen und wir ihnen die Fähigkeit zu einer wertschätzenden Kommunikation vermitteln. Softwareentwicklung erfolgt immer mit mehreren Personen und mit einer Vielzahl von Schnittstellen zu anderen Menschen und Disziplinen. Kommunikation ist deshalb eine Schlüsselkompetenz, um erfolgreich Softwareprodukte entwickeln zu können. Denn Software zu entwickeln ist schon lange nichts mehr, was einzelne Menschen machen.
Prof. Heckel, herzlichen Dank für das Gespräch.