„Unsere Gesellschaft braucht etwas, das uns wirklich weiterbringt und zugleich wieder zusammenführt“, sagt Professor Dr. Stefan Stumpp, der seit April 2024 die Professur für Transformationsprozessmanagement an der Hochschule Anhalt innehat. Mit dieser Vision gestaltet er nicht nur seine Lehre, sondern auch spannende Projekte mit Praxispartnern. Im Interview spricht er über die Herausforderungen der modernen Wirtschaft, innovative Lehrmethoden und seine Träume für transformative Prozesse, die über den Hörsaal hinausreichen.
Professor Stumpp, Sie sind an der Hochschule Anhalt sehr engagiert – als Studienfachberater, stellvertretender Vorsitzender des Prüfungsausschusses und Mitglied in verschiedenen Gremien. Seit April 2024 haben Sie außerdem die Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Transformationsprozessmanagement, übernommen. Was fasziniert Sie an dieser Position, und was sind Ihre Hauptaufgaben?
Die Rolle als Professor für Transformationsprozessmanagement ist besonders spannend, weil sie direkt am Puls der Zeit liegt. Unternehmen stehen heute vor enormen technologischen, ökologischen und sozialen Herausforderungen. Ich habe es mir zur Hauptaufgabe gemacht, ein Lehrangebot zu gestalten, das unsere Studierenden dazu befähigt, betriebswirtschaftliche Grundlagen mit anwendungsorientiertem Wissen zu verknüpfen, vernetzt zu denken und neuartige Problemstellungen in diesem unsicheren Umfeld zu lösen. Dies tun wir unmittelbar mit der Praxis. Ein Beispiel: Wir arbeiten aktuell mit dem Ostdeutschen Sparkassenverband an einem neuen Modell für ein Jugendgirokonto, das sowohl nachhaltig ist als auch wichtiges Finanzwissen an Jugendliche vermittelt.
An welchen Forschungsprojekten arbeiten Sie derzeit?
Momentan beschäftige ich mich intensiv mit adaptiver Lehre, die durch KI-Technologien unterstützt wird, sowie mit der Nutzerfreundlichkeit von Technologien in der Lehre. Ich erforsche mit meinem Team beispielsweise den Einsatz von xR-Techmologien. Ein weiteres spannendes Thema ist das Metaverse und seine Auswirkungen auf die sozialen Medien und das Marketing.
Wie setzen Sie xR-Technologien in Ihrer Lehre ein?
Wir experimentieren unter anderem in meiner Marketingübung mit virtueller Gruppenarbeit durch den Einsatz von VR-Brillen. Das funktioniert in den meisten Fällen bereits sehr gut. Die Erkenntnisse dieses Forschungsprojekts geben Aufschluss über die User Experience und die Auswirkung moderner Technologien auf virtuelle Gruppenarbeit. Eine Erkenntnis ist, dass wir mittels VR-Brille für unsere Studierenden eine neue Form der Zusammenarbeit erlebbar machen, die über jene in einer klassischen Videokonferenz in Microsoft Teams oder Zoom hinaus geht. Im neuen Wintersemester sollen die Studierenden der Marketingvorlesung zudem von einer KI-gestützten adaptiven Lernapp profitieren.
Was sind die größten Herausforderungen für Studierende in Ihren Kursen, und wie unterstützen Sie sie dabei, diese zu meistern? Die größte Herausforderung ist oftmals die Komplexität der Probleme, vor denen unsere Praxispartner stehen und mit denen sich unsere Studierenden befassen dürfen. Gerade zu Beginn eines Semesters wirkt dies wie eine riesige Hürde. Wenn man aber anfängt, eine Problemstellung strukturiert zu erfassen und prozessgeleitet genügend Raum für Nachforschung, Kreativität und vernetztes Denken gibt, finden unsere Studierenden oftmals tolle Lösungen! Das ist zwar anspruchsvoll, aber auch unglaublich bereichernd – für die Studierenden und für mich.
In der modernen Innovationsforschung gibt es sogar einen passenden Begriff für dieses Phänomen: „Multidexterität". Diese beschreibt die Fähigkeit, gleichzeitig verschiedene strategische Ansätze und Wissensstände zu kombinieren, um ein Portfolio innovativer Ergebnisse zu erzielen.
Wenn Sie die Möglichkeit hätten, einen Transformationsprozess in einem beliebigen Unternehmen oder einer Branche zu leiten, welche wäre das und welche innovativen Strategien würden Sie einsetzen?
Wenn ich ein bisschen träumen dürfte, hätte ich Lust an einem Transformationsprojekt mit dem amerikanischen Technologiekonzern Apple zu arbeiten. Ich könnte mir vorstellen, in einem User Experience Design-geleiteten Prozess am „next big thing“ mitzuwirken. Unsere Gesellschaft braucht etwas, was uns wirklich weiterbringt und zugleich wieder zusammenführt - nicht nur noch mehr unterhält oder ein Gerät mit längerer Akkulaufzeit. Ein solches Projekt könnte einen echten Mehrwert schaffen.
Professor Stumpp, herzlichen Dank für das Interview.