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Von Germanenbier bis bunten Popcorn mit Algenpigmenten

  • © Hochschule Anhalt/Renate Geue
    Maisbasierte Produkte wie buntes Popkorn mit Algenpigmenten bilden in diesem Jahr einen Schwerpunkt der Hochschule Anhalt auf der Grünen Woche.

Wie schmeckt Zukunft? Wer die Hochschule Anhalt auf der Internationalen Grünen Woche 2026 in Berlin besucht, bekommt eine erstaunlich klare Antwort: überraschend bunt, nachhaltig gedacht, und voller Ideen, die unsere Ernährung und unsere Umwelt morgen prägen könnten. Zum 100. Messejubiläum vom 16. bis 25. Januar 2026 lädt die Hochschule in die Sachsen-Anhalt-Halle (23b) am Stand der Wissenschaft (Nr.243) dazu ein, Forschung nicht nur zu sehen, sondern zu riechen, zu schmecken, zu fühlen und zu erleben.

Wer im Januar 2026 den Wissenschaftsstand der Hochschule Anhalt besuchen wird, kann sich auf ein besonders farbenfrohes Angebot freuen. Das Team um Professorin Carola Griehl vom Kompetenzzentrum Algenbiotechnologie bereitet dafür eine Auswahl an Produkten vor, die zeigt, wie vielseitig Mikroalgen heute eingesetzt werden können. Dazu gehören blaue Algen-Smoothies, das mittlerweile ikonische Algenbier, cremiges Algen-Eis und erstmals ein knuspriges Algen-Knäcke. Das charakteristische Blau vieler Produkte entsteht durch den natürlichen Farbstoff Phycocyanin, der gleichzeitig antivirale und entzündungshemmende Eigenschaften mitbringt. Ergänzend geplant sind ein eierlikörhaltiges Getränk mit algenbasierter Note sowie Mikroalgenstämme zur Gewinnung wertvoller Öle, mit Potenzial für nachhaltige Verpackungen oder besonders sanfte Kosmetikprodukte. 

Einen anderen Algenmoment bietet die Lebensmitteltechnologie pflanzlicher Produkte: Dort hat Beatrix Parthey aus dem Team von Professor Jean Titze gemeinsam mit Studierenden Algen-Crispies entwickelt. Deftige, knackige Snacks aus Mais, Ölsaaten und nährstoffreicher Wakame-Alge. Und wer es geschichtlich mag, kann sich mit einem Produkt aus der Hochschulbrauerei, dem „Germanenbier“, auf eine kleine Zeitreise begeben. Jannis Böhlke hat alte Kräutermischungen, überlieferte Rezepte und moderne Brautechnik zu einem Getränk verbunden, das neugierig macht und die handwerkliche Ausbildung der Studierenden schmeckbar werden lässt.

Für weitere Genussmomente sorgt das Technikum für Nahrungszubereitung unter Leitung von Robert Hanauska. Hier sind gleich mehrere Hingucker entstanden: farbig schimmerndes Algen-Schafsmilch-Eis, buntes Popcorn mit natürlichen Algenpigmenten und ein aromatisches Dinkel-Buchweizen-Sauerteigbrot. Letzteres zeigt, dass nachhaltige Ernährung nicht nur aus Innovation besteht, sondern auch aus dem klugen Blick auf traditionelle Rohstoffe. Buchweizen etwa punktet mit wertvollen Nährstoffen, dient Landwirtinnen und Landwirten als Zweitkultur und bietet dank langer Blütezeit Nahrung für Insekten.

Ein fast vergessener Rohstoff steht im Mittelpunkt von Professor Wolfram Schnäckel: Hagebuttenpresskuchen. Was sonst als Nebenprodukt der Ölpressung kaum Beachtung findet, wird hier zu feinem Mehl und damit zu einer ballaststoffreichen Zutat für Backwaren, Milchprodukte, Süßwaren oder Feinkost weiterentwickelt. Die Idee ist einfach, regional, und hat großes Potenzial für eine gesunde und nachhaltige Produktvielfalt.

Wie Biotechnologie unser Lebensmittelangebot weiter verändern kann, zeigt Professorin Jana Rödig mit dem Projekt Tempeh+. Die Forschenden veredeln Hülsenfrüchte nicht nur klassisch mit dem Pilz Rhizopus oligosporus, sondern experimentieren zusätzlich mit einem Vitamin-B12-produzierenden Mikroorganismus. Das Ziel: pflanzliche Proteine, die nicht nur sättigen, sondern durch natürliches Vitamin B12 einen echten Mehrwert liefern, indem das hauptsächlich in tierischen Lebensmitteln enthaltene Vitamin B12 in dem klassischen, veganen Produkt angereichert wird.

Doch die Hochschule Anhalt bringt nicht nur Kostproben mit nach Berlin, sondern auch Einblicke in eine moderne Landwirtschaft. Unter der Leitung von Professorin Kathleen Schlegel wurde untersucht, wie Zweinutzungshennen im Mobilstall tatsächlich ihren Auslauf nutzen. Dazu wurde das Gelände in verschiedene Zonen eingeteilt, um Laufwege, Aktivitätsmuster und bevorzugte Aufenthaltsorte genau zu erfassen. Die Ergebnisse helfen dabei, Haltungssysteme so weiterzuentwickeln, dass sie den Bedürfnissen der Tiere noch besser entsprechen.

In die Zukunft der Landwirtschaft blickt auch Professor Uwe Knauer. Mit seinem Projekt Transform begleitet er landwirtschaftliche Betriebe auf dem Weg zu einer modernen und nachhaltigen Landbewirtschaftung. Um diese Projekte kennenzulernen, müssen die Besucherinnen und Besucher nicht weit reisen: Mithilfe einer VR-Brille lässt er seine Projektarbeit auf der Grünen Woche lebendig werden. Im Mittelpunkt stehen die Vermittlung von Wissen sowie die Weiterentwicklung digitaler Methoden, die dabei helfen, den Anbau von Kulturpflanzen ökologisch und zugleich ökonomisch sinnvoll zu gestalten.

Auch für Städte gibt es einen Ausblick auf die Zukunft: Das Projekt KompetenzGrün zeigt, wie artenreiche Blühflächen auf innerstädtischen Arealen, Unternehmensgeländen oder Photovoltaik-Freiflächen entstehen können. Das Team bündelt mehr als 20 Jahre Erfahrung in ökologischer Renaturierung und vermittelt Wissen darüber, wie Grünräume Klimaresilienz, Biodiversität und Lebensqualität steigern können, vom Saatgut bis zur Planung und Pflege. Im UN-Dekade-Projekt-Wettbewerb ist es unter die besten 10 Projekte gewählt worden.

Auch internationale Märkte hat die Hochschule Anhalt fest im Blick. Wer wissen möchte, wie sich Lebensmittelprodukte erfolgreich im Ausland vermarkten lassen, findet im Projekt „Globale Lebensmittelmärkte“ unter der Leitung von Professorin Elena Kashtanova die richtige Anlaufstelle. In enger Zusammenarbeit mit internationalen Studierenden, Partneruniversitäten und Unternehmen analysiert das Team Konsumtrends, Zielmärkte und Marktbarrieren in Ländern wie Japan, den USA, der Ukraine oder China. Die praxisnahen Studienprojekte liefern nicht nur fundierte Markteintrittsstrategien, sondern stärken auch die Exportkompetenz der Ernährungswirtschaft in Sachsen-Anhalt. 

Damit präsentiert die Hochschule Anhalt ein Messeerlebnis wie ein großes Zukunftsbuffet: mal knackig, mal farbenfroh, mal überraschend, aber immer wissenschaftlich fundiert und nachhaltig gedacht. Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, zu probieren, Fragen zu stellen und die Vielfalt an Projekten und den aktuellen Stand der Forschung an der Hochschule Anhalt zu entdecken.

Mehr Informationen finden Interessierte auf der Webseite der Hochschule Anhalt unter www.hs-anhalt.de/fachmessen