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Von Portland nach Köthen: Die Frau, die Milch neu denkt

  • Eine Person mit Brille und blauem Blazer steht lächelnd vor einer technischen Anlage mit mehreren großen Metallbehältern, Rohrleitungen und Messgeräten in einer Industrieumgebung. © Hochschule Anhalt - Sascha Perten

Prof. Zeynep Atamer hat in drei Ländern geforscht, ein Memorandum of Understanding mit einer US-Eliteuni mit initiiert – und ist jetzt an der Hochschule Anhalt zu Hause. Warum das für alle eine richtig gute Nachricht ist.

Ankara. Stuttgart. Portland, Oregon, USA. Und jetzt Köthen. Die Karrierestationen von Prof. Zeynep Atamer lesen sich wie eine Weltreise durch die Milchwissenschaft. Die Professorin für Lebensmittelverfahrenstechnik mit Schwerpunkt Milchtechnologie hat ihre Koffer gepackt und ist aus dem Nordwesten der USA nach Sachsen-Anhalt gezogen. Für die Hochschule Anhalt ist das ein echter Gewinn.

Milchwissenschaft, wie spannend kann das sein?

Hier geht es um die Frage, wie wir uns in Zukunft ernähren, wie unsere Darmgesundheit funktioniert und wie Lebensmittelproduktion nachhaltig und intelligent werden kann. Zeynep Atamer forscht an der Schnittstelle von Mikrobiologie, Verfahrenstechnik und Digitalisierung – und das mit einer globalen Perspektive.

Was simpel klingt, ist hochkomplex. Milch hat eine wissenschaftlich einzigartige Lebensmittelmatrix – ein natürlich strukturiertes System, das auf Wachstum und Entwicklung ausgelegt ist. Zeynep Atamers Forschung begann mit der klassischen Frage der Fermentationsstabilität und Produktsicherheit: Wie hält man Joghurt oder Käse sicher und haltbar? Heute ist ihr Blick weiter geworden. Sie fragt: Welche Rolle können Milchprodukte dabei spielen, unser Darmmikrobiom aktiv zu unterstützen?

Das ist Zukunftsforschung:

Denn personalisierte Ernährung, mikrobiomfreundliche Produkte und nachhaltige Lebensmittelprozesse sind Themen, die gerade weltweit an Fahrt aufnehmen. Zeynep Atamer ist dort schon länger unterwegs.

 

In der Türkei lernte sie das ingenieurwissenschaftliche Denken: breit, systemorientiert, technisch solide. In Deutschland kam die Präzision hinzu – rigorose Methodik, Lebensmittelsicherheit auf höchstem Niveau, Mikrobiologie und Prozessdesign als zwei Seiten derselben Medaille. Und in den USA? „Da wurde Wissenschaft zum Motor“, sagt sie. „An der Oregon State University arbeitete ich in einem Umfeld, in dem Drittmittel, Start-up-Denken und akademische Exzellenz keine Gegensätze sind, sondern Hand in Hand gehen.“ Programme wie BUILD (Building University-Industry Linkages through Learning and Discovery) Dairy brachten Forschungsergebnisse direkt in die Praxis – schnell, skalierbar, wirkungsorientiert. „Digitale Prozessüberwachung und Automatisierung waren dort keine Zukunftsvisionen, sondern Alltag.“

„Das ingenieurwissenschaftliche Profil der Hochschule ist ideales Umfeld, in dem Verfahrenstechnik, Mikrobiomforschung und digitale Technologien zusammenwachsen können“

Zeynep Atamer

Forschung, die wirklich etwas bewegt

Und genau dieses Netzwerk hat sie mitgebracht. Zeynep Atamer hat dazu beigetragen, dass zwischen der Oregon State University und der Hochschule Anhalt ein Memorandum of Understanding unterzeichnet wurde. Auf Deutsch: Es gibt jetzt eine offizielle Vereinbarung, die Studierenden- und Forschungsaustausch zwischen Köthen und Portland ermöglicht.

An der Hochschule Anhalt will sie jetzt genau das weiter aufbauen, was sie in drei Ländern gelernt hat: anwendungsnahe Forschung, die wirklich etwas bewegt. „Das ingenieurwissenschaftliche Profil der Hochschule ist dafür ideales Terrain – ein Umfeld, in dem Verfahrenstechnik, Mikrobiomforschung und digitale Technologien zusammenwachsen können“, sagt Zeynep Atamer.

Wer bei Atamer studiert, erhält nicht nur Fachwissen über Milchproteine, Membranfiltration oder Kaskadenprozesse. Wer bei ihr studiert, lernt wissenschaftliche Tiefe mit praktischer Umsetzbarkeit zu verbinden – eine Kombination, die auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt ist. Die Lebensmittelunternehmen suchen Leute, die Prozesse sowohl verstehen als auch gestalten können.

Von Portland nach Köthen – das klingt nach einem ungewöhnlichen Schritt. Aber für eine Wissenschaftlerin, die schon immer dorthin gegangen ist, wo die interessantesten Fragen bearbeitet werden, ergibt das genau deshalb Sinn. Die spannendsten Fragen rund um Milch, Mikrobiom und nachhaltige Lebensmittelproduktion warten nicht in Großstädten. Sie warten im Labor.

Ohne Zeynep Atamer würde der Hochschule Anhalt jemand fehlen, der Milchtechnologie wirklich auf ein neues Level bringt. Ihre internationale Erfahrung sorgt dafür, dass Forschung hier nicht im Labor stecken bleibt, sondern richtig Fahrt aufnimmt.
Und ohne ihr Netzwerk bis nach Oregon gäbe es für Studierende viel weniger Chancen, über den Tellerrand zu schauen und spannende Projekte anzupacken.

Kontakt

Bettina Kranhold

Redaktion

Katja Wallrafen

Über den Studiengang

Als einzige Hochschule in den neuen Bundesländern bietet die Hochschule Anhalt den Studiengang Lebensmitteltechnologie mit einer stark praktisch orientierten Ausbildung an. Hier werden Käse, Butter, Wurst, Gummibärchen und Bier selbst gemacht. 

Köthen ist auch Standort des „Interdisziplinären Forschungszentrum für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion“ (InFonaL), das Prof. Prof. Dr. Zeynep Atamer geleitet wird. So werden die Studierenden in die internationale Spitzenforschung eingebunden. Sie finden eine exzellente Geräteausstattung und einen sehr guten Betreuungsschlüssel vor. 

Mehr Infos zum Studiengang gibt es hier.