Auf dem Gelände der einstigen Kinderwagenfabrik ZEKIWA entsteht ein Modellprojekt für zukunftsweisendes Bauen – inspiriert vom Neuen Europäischen Bauhaus (NEB) mit seinen Leitprinzipien: beautiful – sustainable – together. Ziel ist es, ein gestalterisch anspruchsvolles, ökologisch nachhaltiges und sozial eingebundenes Quartier zu entwickeln, das neue Impulse für die Stadt Zeitz und darüber hinaus setzt. Das Reallabor bringt vielfältige Perspektiven zusammen: Architektur, Stadtentwicklung, Kunst, Wissenschaft und kommunales Engagement wirken hier eng zusammen. Das multidisziplinäre ZEKIWA-Konsortium – bestehend aus der Hochschule Anhalt, der Stiftung Bauhaus Dessau, der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, dem Forum Rathenau e. V. sowie der Stadt Zeitz – gestaltet diesen Wandel gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Kreativen und Expertinnen und Experten.
Heute überreichte Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff offiziell den Förderbescheid für das Projekt, das über das Programm „Neues Europäisches Bauhaus“ von der Europäischen Union und dem Land Sachsen-Anhalt für drei Jahre gefördert wird. „Wir wollen den Strukturwandel in der Kohleregion zu einer Erfolgsgeschichte machen. Aus Altem soll Neues entstehen mit guten Perspektiven für die Menschen in der Region. Hierfür sind innovative Ideen gefragt, die Industriebrachen mit neuem Leben erfüllen und ein freundliches Wohnumfeld schaffen. Das Reallabor ZEKIWA wird dafür wichtige Impulse liefern“, so Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt.
Forschung trifft Stadtentwicklung
Die Hochschule Anhalt unterstützt die nachhaltige und innovative Entwicklung für das ruinöse Verwaltungsgebäude, das ungenutzte Erdgeschoss des Hauptgebäudes sowie die umliegenden Freiflächen. Dabei arbeiten alle drei Campusstandorte – Bernburg, Dessau und Köthen – eng zusammen. Eingebunden sind zahlreiche Fachbereiche: Architektur, Facility Management und Geoinformation, Design, Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen, Angewandte Biowissenschaften und Prozesstechnik sowie Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit vereint gestalterisches, technisches und naturwissenschaftliches Know-how – von Gebäude und Freiraumkonzeptionen über Energiefragen bis zur Materialentwicklung.
Architekturstudierende entwerfen kreative Ansätze für den Umbau des historischen Gebäudes. Ingenieurteams erarbeiten Lösungen für eine klimafreundliche Versorgung hinsichtlich Strom, Wärme, Wasser und Luft. Forschende aus dem Bereich Denkmalpflege kombinieren Denkmalschutz mit den Zielen des Neuen Europäischen Bauhauses (NEB): etwa durch den Fokus auf minimalinvasive Lösungen und den Einsatz ressourcenschonender, recycelter und nachwachsender Materialien. Diese werden in einem weiteren Schritt auf ihre bauphysikalischen und nutzungstechnischen Eigenschaften im Zusammenspiel mit der bestehenden Bausubstanz überprüft. Diese Prozesse werden sichtbar und erlebbar gemacht im „Raum der Möglichkeiten“, dem Erdgeschoss des Hauptgebäudes, indem mit Studierenden, Nutzerinnen und Nutzern über die Projektzeit flexibel nutzbare Raumlösungen zum Experimentieren, Arbeiten und Vernetzen entwickelt und erprobt werden.
Der Hochschulpräsident, Prof. Dr. Jörg Bagdahn, sagt: „ZEKIWA neu zu denken heißt für uns, nicht nur Fachbereiche zu verbinden, sondern gemeinsam mit Partnern aus Stadt, Region und Praxis neue Wege zu gehen. Dieses Projekt zeigt, wie Hochschule, Stadtgesellschaft und Wirtschaft gemeinsam zukunftsfähige Lösungen entwickeln können.“
Das Quartier neu denken
Nicht nur die beiden verbliebenen ZEKIWA Gebäude, sondern das ganze Areal zwischen Bahnhof, Weißer Elster und Innenstadt wird in eine nachhaltige Quartiersentwicklung einbezogen. Gemeinsam mit Anwohnerinnen, Anwohnern, Engagierten aus der Stadt und der Region, Stadtplanern und Landschaftsarchitekten entstehen Ideen und auch erste Umsetzungen für Wegeführungen, grüne Inseln und Energie-Prototypen als sichtbare Zeichen für ein neues Miteinander im Quartier. Dabei wird untersucht, wie lokale Wärmenetze, Solarnutzung und Flächen für Biodiversität, Gärtnern, Sport, Spiel und Erholung miteinander verbunden und in ein lebendiges Quartier integriert werden können.
Digital und analog: Gestalten, erproben, weiterdenken
Im Zusammenspiel von Design, Technologie und Nachhaltigkeit entstehen neue Impulse für das Um-und Weiterbauen von morgen: Materialneuheiten, Bauelemente und Möbel aus Recyclingmaterialien, klimaresistente Fassaden, Wildgärten. Moderne Simulations- und Fertigungstechniken treffen auf traditionelles Handwerk und Selbstbau.
Eine digitale Projektplattform samt App und 3D-Zwilling macht das Reallabor für alle schon vor der Realisierung sichtbar und interaktiv. Erweiterte Realität und digitale Materialdatenbanken ermöglichen es, Varianten zu vergleichen, gemeinsam abzustimmen, Ressourcen zu teilen – und sich aktiv in Gestaltungsprozesse einzubringen.
Kontakt:
Gastprofessor Martin Wiesner
E-Mail: martin.wiesner@hs-anhalt.de