„Es hat etwas faszinierendes, was man mit kleinen Molekülen im großen, komplexen Organismus bewirken kann“, sagt Professor Dr. Daniel Ramsbeck, der neu berufene Professor für Pharmazeutische Chemie und Pharmakologie an der Hochschule Anhalt. Doch wie führte ihn sein Weg vom Ferienjob in der Apotheke zur wissenschaftlichen Forschung? Welche Herausforderungen erwarten seine Studierenden im neuen Bachelorstudiengang „Pharmazeutische Chemie“? Und welchen Rat würde er seinem jüngeren Selbst geben? Diese und weitere Fragen beantwortet Professor Ramsbeck im Interview.
Professor Ramsbeck, Sie wurden kürzlich für das Fachgebiet „Pharmazeutische Chemie und Pharmakologie“ nach Köthen berufen. Können Sie uns etwas über Ihren Werdegang erzählen und was Sie dazu bewogen hat, sich auf diese Fachgebiete zu spezialisieren?
Sehr gerne. Ursprünglich hatte ich den Plan, ein „richtiger“ Apotheker zu werden und in einer Apotheke Menschen mit Arzneimitteln zu versorgen. Schon während meiner Schulzeit habe ich in den Ferien in Apotheken gearbeitet, und so war es für mich klar, nach dem Abitur und Wehrdienst Pharmazie in Halle zu studieren. Die Chemie hat mich schon immer fasziniert, aber der entscheidende Impuls kam im Hauptstudium, als ich eine Vorlesung zur Pharmazeutischen und Medizinischen Chemie besuchte. Die Art des Professors, die Thematik zu präsentieren, hat mich so sehr begeistert, dass ich mich mehr für die Wissenschaft hinter den Wirkstoffen interessierte, als sie später in der Apotheke abzugeben.
Was genau hat Sie so fasziniert?
Dass man so viel mit kleinen Molekülen in einem großen, komplexen Organismus bewirken kann! Die Art und Weise, wie Moleküle und Organismen miteinander interagieren, ist unglaublich spannend. Dazu kommt, dass man in der Wirkstoffentwicklung immer auf der Suche nach etwas Neuem ist, nach Molekülen, die vorher noch niemand hergestellt hat. Es geht nicht nur um die Synthese von Verbindungen, sondern auch um das „Design“ von Wirkstoffen. Dieser kreative Aspekt der Forschung hat mich von Anfang an fasziniert.
Welche Projekte stehen in Ihrer Forschung aktuell im Mittelpunkt?
In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit der Entwicklung von Hemmstoffen für verschiedene metallabhängige Enzyme beschäftigt, und ich freue mich, diese Arbeit hier an der Hochschule Anhalt fortzusetzen und bestehende Kooperationen auszubauen. Besonders spannend finde ich die Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen parasitäre Würmer, insbesondere Nematoden. Diese Forschung ist sowohl für die Human- und Tiermedizin als auch für den Pflanzenschutz relevant, da es immer mehr Resistenzen gegen etablierte Mittel gibt.
Man hört auch immer wieder von Antibiotika-Resistenzen. Ist das auch Teil Ihrer Forschung?
Ja, richtig. Die Notwendigkeit, gegen Resistenzen neue, effektive Wirkstoffe zu entwickeln, ist enorm. Gerade im Bereich der Antibiotika sehen wir eine dramatische Zunahme resistenter Bakterien. Hier möchte ich in den kommenden Jahren an Wirkstoffen mit neuen Mechanismen arbeiten, die hoffentlich auch gegen resistente Keime wirksam sind. Es ist ein Feld, das nicht nur wissenschaftlich, sondern auch gesellschaftlich von großer Bedeutung ist.
Lassen Sie uns über Ihre Lehre sprechen. Sie werden den neuen Bachelorstudiengang Pharmazeutische Chemie mit betreuen. Wie vermitteln Sie komplexe Themen verständlich und spannend?
Ich versuche den Studierenden eine Geschichte zu erzählen und lasse auch gern thematisch passend die ein oder andere Anekdote einfließen. Ein kurzer Moment des Schmunzelns hilft oft, die Konzentration der Studierenden zu steigern und sie für das Thema zu begeistern. Ich bringe gern Erfahrungen aus meinem eigenen Studium oder Beispiele aus meiner Forschung ein, da das für die Studierenden greifbarer ist, als Fallbeispiele aus der Literatur.
Nutzen Sie auch moderne Lehrmethoden, um Ihre Studierenden einzubinden?
Absolut! Ich setze auf interaktive Elemente, wie Live-Umfragen während der Vorlesungen, um direktes Feedback zu bekommen und den Unterricht lebendiger zu gestalten. Aber ich bin auch ein großer Freund der klassischen Tafelarbeit. Gerade bei Reaktionsmechanismen in der organischen Chemie finde ich es hilfreich, diese Schritt für Schritt an der Tafel zu entwickeln. Das gibt den Studierenden die Möglichkeit, mitzudenken und den Stoff besser zu verinnerlichen. Manchmal benutze ich auch abstrakte Analogien oder Vergleiche aus dem Alltag, um komplizierte Zusammenhänge zu verdeutlichen. Auch wenn ich manchmal feststelle, dass meine filmischen Referenzen nicht mehr ganz aktuell sind. Zum Beispiel habe ich mir in Zusammenhang mit „Zaubertränken“ sagen lassen müssen, dass mittlerweile Harry Potter ein geeigneteres Beispiel wäre als Asterix und Obelix…
Was sind die größten Herausforderungen für Studierende in Ihren Kursen, und wie unterstützen Sie sie dabei, diese zu überwinden?
Eine der größten Herausforderungen ist die schiere Menge an Wissen, die in kurzer Zeit vermittelt werden muss. Das kann auf den ersten Blick entmutigend sein. Ich habe gelernt, das Lehre auch immer Reduktion bedeutet. Entsprechend versuche ich auch, meine Vorlesungsmaterialien nicht zu überladen. Man kann oder muss auch gar nicht jedes Beispiel bis ins Detail wissen. Es geht eher darum, grundlegende Prinzipien zu vermitteln, Verknüpfungen zu den anderen Kursen herzustellen („out of the box“ zu denken) und den Studierenden so Handwerkszeug in die Hände zu geben, dass sie befähigt, später auch komplexere Sachverhalte zu erarbeiten. Durch die kleineren Studierendengruppen hat die Lehre hier auch einen persönlicheren Charakter und es ist möglich ins Gespräch zu kommen, offener Fragen zu stellen und individuell Probleme zu lösen.
Welchen Rat würden Sie Ihrem jüngeren Selbst geben?
Mit der Beantwortung dieser Frage würde ich eigentlich gern noch ein paar Jahre warten. Bis hierher vielleicht nur: „Der direkte Weg ist nicht immer der beste. Mit Beharrlichkeit kommt man vorwärts, auch wenn es manchmal nicht gleich offensichtlich ist.“
Professor Ramsbeck, herzlichen Dank für das Gespräch!