Mittelalterliche Bautechnik - Der Drehkran im Braunschweiger Dom
Hintergrund
Wie verlief eine Baustelle im Mittelalter? Welche Bau-Techniken und Methoden standen zur Verfügung? Diese Fragen zählen zu spannenden Forschungsinhalten in der Auseinandersetzung mit mittelalterlicher Architektur, denn der Bauprozess prägt das Erscheinungsbild und die Konstruktion des Baus maßgeblich mit. Seine Untersuchung gibt darüber hinaus Einblicke in die Sozial- und Technikgeschichte zur Zeit des Baus: Wie entwickelten sich relevante Technologien? Wie war die Baustelle organisiert? Wie lange existierte die Baustelle?
Bei der Errichtung mittelalterlicher Großbauten spielten Maschinen eine wichtige Rolle – insbesondere Kräne, mit denen sperrige und sehr schwere Werkstücke vertikal transportiert und versetzt werden konnten. Materielle Spuren von diesen Maschinen sind ausgesprochen selten zu finden, zumal bei der Fertigstellung des Bauwerks Hilfskonstruktionen und Maschinen naturgemäß entfernt wurden. Glücklicherweise sind im Braunschweig Dom Teile des Drehkrans, der in das 13. Jahrhunderts datiert wird, bis heute erhalten geblieben. Es handelt sich dabei um das einzig uns bekannte Beispiel dieser Gattung. Das Projekt möchte das Objekt und seine Umgebung nun im Detail untersuchen, um mehr über den Dom, die Dombaustelle und vor allem die Krantechnik zu erfahren.
Projektidee & Zielsetzung
Das Team aus Wissenschaftler:innen der Hochschule Anhalt, der Technischen Universität Braunschweig sowie der BTU Cottbus-Senftenberg plant verschiedene Untersuchungsansätze, um den Kran in seiner Konstruktion und Arbeitsweise besser zu verstehen. Dabei wird der Drehkran bauforscherisch aufgenommen, in seinem baulichen Kontext dokumentiert und naturwissenschaftlich untersucht. Die Kranaufstellung, die Weiterbearbeitung und der Rückbau sollen nachvollzogen werden. Des Weiteren soll der Kran – und ggf. auch das Turmgeschoss in dem er sich befindet – digital und physisch modelliert werden. Der Baufortschritt am Turm wird dann mit den Erkenntnissen über den Baukran in Übereinstimmung gebracht. Dabei werden auch die Bauphasen des Gebäudeteils in dem sich der Kran befindet in die Analyse einbezogen und ggf. neu datiert. Die Forschung am Domkran kann in hohem Maße dabei helfen, mehr über Krantechniken im Mittelalter zu erfahren, wobei nicht nur Aussagen über den Braunschweiger Dom getroffen, sondern auch allgemeine Erkenntnisse zu einer mittelalterlichen Baustelle gewonnen werden können.
© Gunnar Schulz-Lehnfeld