Das System erreicht Spitzengeschwindigkeiten von 175 Stundenkilometern und ermöglicht präzise Strömungsexperimente. Mit Nebelgenerator und räumlichem Kraftsensor ausgestattet, schließt die Anlage eine Lücke zwischen Theorie und Praxis. Die Anlage ergänzt bereits vorhandene virtuelle Werkzeuge und ermöglicht Verifikationstests. Forscherinnen und Forscher prüfen damit die strömungsmechanischen Eigenschaften von Bauteilen und optimieren digitale Zwillinge – eine virtuelle Abbildung zum realen Verhalten der Bauteile am Computer.
Strömungen sichtbar machen
Der neue Windkanal macht komplexe aerodynamische Vorgänge buchstäblich begreifbar. Dank der integrierten Nebelanlage werden Luftströmungen für jedermann sichtbar. Bei niedrigen Geschwindigkeiten können Studierende sogar mit der Hand erfühlen, wie feste Strukturen auf Strömungen reagieren. "Diese direkte Erfahrung ersetzt keine Simulation", erklärt Prof. Dr. Klaus Günzel. Er hat die Anlage gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Dr. Stefan Wollny beschafft und betreut sie mit einem Team aus dem Fachbereich Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen.
Wichtige Fragen aus der Luftfahrtforschung
Der Windkanal unterstützt laufende Forschungsarbeiten mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Firmen wie DG Aviation oder IFF E&C GmbH. Die Wissenschaftler:innen planen konkrete Projekte. Im Fokus steht die Aeroelastik von Segelflugzeugen, das heißt die Wechselwirkung zwischen Luftströmung und verformbaren Strukturen. Dieses Forschungsfeld hat weitreichende Perspektiven. "Die Zieltechnologie wird elementar für künftige, verbrauchsärmere Verkehrsflugzeuge sein", sagt Günzel. Gemeinsam mit seinem Kollegen Tom Scholz erforscht er grundlegende Prinzipien nachhaltiger Mobilität in der Luftfahrt.
Praxisnahe Ausbildung im Maschinenbau
Neben der Forschung profitiert die Lehre von der neuen Anlage. Studierende der Fachbereiche Maschinenbau und Elektrotechnik wenden ihre theoretischen Kenntnisse direkt an. Sie sammeln praktische Erfahrungen mit strömungsmechanischen Effekten wie Luftwiderstand, Auf- oder Abtrieb. Klaus Günzel betont: "Das hilft auch bei Fragen der Automatisierungstechnik, die Studierende in ihren Abschlussarbeiten bearbeiten.“ Schülerinnen und Schüler erleben mit Hilfe des Windkanals anschaulich und eingängig, wie wichtig technische Studiengänge für die Fragen von morgen sind.
Maschinenbau mit Zukunftsperspektive
"Unser Maschinenbau-Studium verbindet fundierte Grundlagen mit den Anforderungen der modernen Versuchspraxis", erklärt Klaus Günzel weiter. Der Arbeitsmarkt zeige nach wie vor hohes Interesse an gut ausgebildeten Fachkräften. Besonders gefragt sind Berechnungsingenieur:innen. Sie arbeiten mit Simulationstechniken und bewerten Konstruktionseigenschaften wie die Lebensdauer. Deshalb erhalten die Maschinenbau-Studierenden der Hochschule Anhalt eine breite Ausbildung in Mechanik, Konstruktion, Fertigung und Informatik. "Der Windkanal ist dazu eine wichtige Erweiterung in Richtung praktischer Anwendung."
Kontakt:
Prof. Dr. Klaus Günzel
E-Mail: klaus.guenzel@hs-anhalt.de